Achim Schmidt mit seinem MatfordFoto: Geisel Foto: Schwarzwälder Bote

Oldtimer: Achim Schmidt aus Mötzingen besitzt einen selbst restaurierten Matford Alsace V8 Typ 62

Mötzingen. Es ist ein seltenes Schmuckstück, das in der Auffahrt von Achim und Helga Schmidt parkt: ein Matford Alsace V8 Typ 62. Es ist der zweite Oldtimer, den der Mötzinger zwischenzeitlich restauriert hat.

Dieses spezielle Fahrzeug ist in Deutschland äußert selten, wie die beiden erzählen. "Wir sind überall Exoten", so Helga Schmidt lachend. Die Marke ist eine Kombination aus "Mathis" und "Ford". Gründer von Mathis war Emil Mathis aus Straßburg. 1904 tat er sich mit Ettore Bugatti zusammen, um ein Auto zu entwickeln. Zwei Jahre später hatte sich der "Auto Mathis Palace" Informationen von Achim Schmidt zufolge zu Deutschlands größtem Automobilbetrieb aufgeschwungen.

Während des ersten Weltkriegs bauten die Mathis-Werke Krankenwagen und Lastkraftfahrzeuge, nach Kriegsende wurde wieder auf die Fahrzeugproduktion umgestellt. 1934 folgt die Gründung von Matford.

Während des zweiten Weltkriegs disponiert Mathis – inzwischen mit der Firma "Matam Corporation" – erneut um und stellt Flakartilleriegeschosse her. Doch während oder nach dem zweiten Weltkrieg endete die Geschichte der Firma Mathis.

Achim Schmidts Alsace V8 Typ 62 wurde 1936 gebaut. Eigentlich hat ihn sein Schwager erworben und wollte ihn restaurieren, doch dieser erkrankte. Außerdem habe es ihm am Wissen für ein solches Projekt gefehlt, berichten Schmidts. Also nahm der heute 81-jährige das von 2004 bis 2007 in die Hand.

"Ich habe an Oldtimern praktisch gelernt", erzählt Achim Schmidt. Er ist Kfz-Mechaniker-Meister und schraubte schon in der Werkstatt seines Vaters nahe Quedlinburg am Harz. "Da wächst man ganz einfach rein", erklärt er.

Dabei wollte er eigentlich Feinmechaniker werden. Da sein Vater jedoch selbstständig war, sei ihm das vom DDR-Regime untersagt worden. "Das war eigentlich eine Bestrafung, weil er nicht an einen volkseigenen Betrieb angeschlossen war", erklärt Helga Schmidt. Als Schmidts Vater seine Werkstatt aufgab, wechselte er den Betrieb. Dem Beruf blieb er aber bis zur Rente treu.

An dem Alsace ist noch weitestgehend alles original, erzählt Schmidt mit einem begeisterten Lächeln. Weder Fremdteile noch die Anfertigung von Blechteilen waren erforderlich. Heute ist der Matford komplett fahrtüchtig. Früher waren Achim und Helga damit auf Oldtimertreffen auch in weiterer Ferne unterwegs, heute bleiben sie eher in der Region, unternehmen ab und an mal eine Ausfahrt. Hunderte Kilometer zurückzulegen ist dem Ehepaar zwischenzeitlich zu viel.

Schon um das Jahr 2000 restaurierte Schmidt einen Oldtimer für seinen Schwager, den er diesem auch zurückgab: einen Mathis Modell P, ein Cabrio Baujahr 1921. Speziell machte das Auto unter anderem, dass es ein Rechtslenker war. Scheinbar war das eine zeitlang üblich, da es weder Scheinwerfer noch Fahrbahnmarkierungen gab. Deswegen musste man sich am Straßenrand orientieren. "Wir konnten gerade so zu zweit nebeneinander sitzen", erinnert sich Helga Schmidt. Dieses spezielle Modell verfügte bereits über Scheinwerfer – als Sonderausstattung.

Er brauchte nicht mal eine Werkstatt

Dass Achim Schmidt mit Einfallsreichtum an solche Restaurationen rangeht, zeigte sich bei beiden Fahrzeugen. Er braucht dafür nicht einmal eine Werkstatt, nur seine Garage. Für die Hochzeit von Karosserie und Fahrgestell des Modell P hängte Schmidt die Karosserie einfach an sein geöffnetes Garagentor. Gelagert werden konnte die Karosserie einfach hochkant in einer Ecke der Garage, so klein war sie. Und leicht genug, dass Schmidt sie tragen konnte.

Das meiste an den Oldtimern ist heute zwar kein Standard mehr, aber dennoch gestattet. Beispielsweise hat der Matford keine Sicherheitsgurte. Andere Dinge wie Blinker, Rück- und Bremslichter müssen jedoch nachgerüstet werden, erklärt Schmidt.

Einen weiteren Oldtimer restaurieren will Achim Schmidt in seinem Alter nicht mehr. Heute fährt er nur noch gerne damit – und das sei auch nicht anders als bei einem modernen Auto. Lenken, Kuppeln, Schalten – das war’s. Servolenkung? "Das ist meine Servolenkung", sagt er mit einem Lachen und zeigt auf seinen Oberarm.