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Mötzingen In die entlegensten Winkel der Welt

Von
Foto: Schwarzwälder Bote

Er wollte die Vielfalt der Natur in ihrer vollen Pracht erleben und neue Kulturen kennen lernen. Wie es ihm dabei ergangen ist, berichtet Globetrotter Simon Rudolf.

Mötzingen. Der Mötzinger Ortsverband des NABU unter Markus Bihler besitzt in seinen Reihen so manchen abenteuerlustigen Naturfreund, den die Faszination Natur weit über die heimische Flora und Fauna hinaus lockt. Unter ihnen der 21-jährige Simon Rudolf. Sein Interesse an der Vielfalt der Natur führte ihn auf viele Kontinente.

Die Idee zum Reisevorhaben reifte bereits während des Berufskollegs im Kopf des jungen Abenteurers. Nach seiner bestandenen Fachhochschulreife schuftete Rudolf ein Jahr lang als Landschaftsgärtner und Produktionshelfer, um sich das nötige Geld für seine Expedition zu erarbeiten. Doch die Stunden des Schweißes sollten sich bezahlt machen. Die Früchte seiner Arbeit führten Rudolf in die entlegensten Winkel dieser Welt, in die trockene Savanne Afrikas, an die märchenhaften Strände Polynesiens und durch die scheinbar unberührten Regenwälder Südamerikas.

Startpunkt der Reise war der Frankfurter Flughafen. Weder Rudolf noch sein Cousin, der ihn auf seiner Reise begleiten würde, wussten, was sie am anderen Ende der Welt erwarten würde. Doch Neugier überwog die Ungewissheit, und so konnte die Reise losgehen.

Zunächst ging es für Rudolf und seinen Vetter in den Süden Afrikas. Dort verdienten sie ihren Unterhalt als Landschaftspfleger und bekamen auf einigen Safaris Exoten zu Gesicht, die hierzulande viele nur aus dem Zoo kennen.

In Nepal ist der Himalaja allgegenwärtig

Anschließend führte Rudolfs Reise nach Nepal, in den Süden Asiens. Lediglich mit festem Schuhwerk ausgestattet, war es anschließend an der Zeit, den Himalaja zu erkunden. "Egal wo man sich in Nepal befindet, das Himalaja-Gebirge ist allgegenwärtig", erzählt Rudolf. Diese Erfahrung machte er am eigenen Leib, denn von den 30 Tagen, die er in dem Land südlich von China verbrachte, waren der Entdecker gut die Hälfte mit Wandern beschäftigt. Bei dem 13-tägigen Marsch legten die beiden Jungs 180 Kilometer zurück und erreichten eine Höhe von schwindelerregenden 4380 Metern über dem Meeresspiegel.

Der Aufenthalt in diesen Gefilden kam einer Zeitreise gleich, denn die Einheimischen wohnten in einfachsten Behausungen, verrichteten ihr Geschäft auf Plumpsklos und bedienten sich technischer Geräte, wie sie es in Deutschland vor rund 50 Jahren gab. "Die Menschen dort sind trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer einfachen Verhältnisse sehr glücklich und gastfreundlich. Es war wirklich schön zu sehen, dass man mit so wenig so glücklich sein kann."

Selbstverständlich gibt es in fernen Ländern nicht nur Tiere und Orte zu endecken. Neue Freundschaften sind wohl das schönste Souvenir, das man von einer Reise mitbringen kann. So geschah es, dass die beiden Reisegefährten in Sri Lanka einem Gespann junger Damen aus Portugal und Brasilien begegneten , das ebenfalls auf Weltenbummel war. Gemeinsam bestritten sie ihren Weg für die nächsten zwei Wochen der Reise, was die Zeit für alle Beteiligten ungemein versüßte.

Auch in Australien wartete ein besonderes Abenteuer auf die beiden Entdecker. Mit einem Freund des Vaters fuhren sie hinaus in unberührte Steppen. Mit einem Metalldetektor bewaffnet ging es sodann auf große Goldsuche. Und tatsächlich: Rudolf erbeutete Gold im Wert von rund 100 Euro. "Das kann sich durchaus sehen lassen", sagt er, "aber wenn man bedenkt, dass wir dafür an drei Tagen jeweils zehn Stunden in der prallen Sonne dafür geschuftet haben, wirkt es wie ein karger Lohn. Aber es ist ein tolles Gefühl, sich etwas durch harte und ehrliche Arbeit verdient zu haben."

So schön die gemeinsamen Abenteuer bisher auch waren, in Neuseeland trennten sich die Wege der Cousins jedoch. "Er hatte das größere Finanzpolster. Bei mir hingegen wurde es langsam eng. Deswegen beschloss ich, für ein paar Wochen mein eigenes Ding zu machen und als Landschaftsgärtner Geld zu verdienen."

Doch in Ecuador fanden die beiden Reisegefährten schließlich wieder zusammen. Auf Wanderungen durch den Amazonas-Urwald stießen sie hier auf exotisches Getier vom Papagei über Affen bis hin zu Krokodilen. Selbstverständlich war die Urwaldwanderung und das Bootsfahren auf dem Amazonas nur mit einem erfahrenen Guide möglich, der den Jungs die Dschungel-Etikette erklärte.

"Mit Englisch konnten wir uns eigentlich überall verständigen", berichtet Rudolf. "Nur in Ecuador hatten wir Probleme". So sei Spanisch dortzulande das Mittel zu Verständigung. Zwar begannen die beiden Cousins vier Wochen vor Reisebeginn mit dem Lernen von spanischen Vokabeln, jedoch reichten diese rudimentären Kenntnisse gerade in den abgelegeneren Gebieten kaum aus, wo die Eingeborenen nicht einmal mehr Spanisch sondern "Kichwa" sprechen. "Im Notfall mussten wir uns eben mit Händen und Füßen verständlich machen. Aber Essen und Obdach haben wir letztlich immer gefunden", so Rudolf.

Die schönste Unterkunft fand Rudolf jedoch bei einer herzlichen Familie im Norden Amerikas. Hier kam Rudolf bei einer kanadischen Gastfamilie unter. Das Familienleben in Kanada unterscheide sich von dem hierzulande vor allem in ihrem Gottvertrauen, sagt Rudolf. So lassen die gastfreundlichen Nord-Amerikaner stets die Haustüre geöffnet – auch in der Nacht. "Ich war jedoch in einer separaten Hütte untergebracht, die ich auch abschließen konnte. Allerdings hatte ich in dieser Gegend eher Angst vor wilden Tieren, als vor den Einheimischen", scherzt der Globetrotter. So habe er während seines Aufenthaltes in Kanada neben zahlreichen Elchen und Adlern auch rund 30 Grizzly-Bären gezählt. Mit einem eigenen Auto ausgestattet, versprach dieser letzte Abschnitt der Reise, einer der abwechslungsreichsten zu werden.

"Insbesondere fehlt mir die Freiheit"

Gezählt waren auch irgendwann die letzten Tage der Reise. Und so ging es nach 254 Tagen zurück nach Deutschland. So glücklich Rudolf auch ist, wieder zurück im geborgenen Schoß der Heimat zu sein, so sehr vermisst er doch bereits die wesentlichen Vorzüge seiner Reise. "Insbesondere fehlt mir die Freiheit und die Abwechslung, jeden Tag tun zu können, was ich will und hinzugehen, wo ich will."

Auch zurück im regnerischen Grau Deutschlands, ist Rudolfs Interesse an der Natur nicht abgeebbt. Das aktive NABU-Mitglied ist seit September dieses Jahres an der Nürtinger Uni immatrikuliert, um dort Landschaftspflege und Ökologie zu studieren. "Mein Interesse an der Umwelt war Grund für meine Reise und hat sich dort weiter verfestigt", begründet er diesen Schritt. Seine Entscheidung steht fest: "Nun möchte ich mich weiter mit dem Thema beschäftigen, um Lösungen zu finden, die Ökologie und Ökonomie vereinen, damit Mensch und Umwelt gleichermaßen und langfristig davon profitieren."

Ihre Redaktion vor Ort Nagold

Heiko Hofmann

Fax: 07452 837333

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