Putziges Tierchen: die Haselmaus. Foto: Archiv

Mötzingen zur ersten Haselmaus-Gemeinde in Baden-Württemberg ernannt. 100 Kinder auf Nussjagd.

Mötzingen - Mötzingen wurde jetzt vom Landesverband des Naturschutzbundes (Nabu) als erste Haselmaus-Gemeinde in Baden-Württemberg ausgezeichnet, weil hier noch einige der sehr seltenen Haselmäuse leben und sich die Gemeinde erklärtermaßen für deren Schutz einsetzen möchte.

Die Urkunde, die Mötzingen als Haselmausgemeinde auszeichnet, nahm Bürgermeister Marcel Hagenlocher jetzt in Empfang. Wobei er sich freute, dass Mötzingen wieder mal bei den Ersten dabei ist.

Zudem wurde beim Friedhof eine Infotafel enthüllt, um die Bevölkerung über die wenig bekannte Haselmaus und ihre Bedürfnisse zu informieren. Denn kaum ein Mensch bekommt den nur daumengroßen und nachtaktiven Nager je zu Gesicht. Und doch hat die Nabu-Ortsgruppe nachgewiesen, dass die bedrohte Haselmaus in Mötzingen beheimatet ist.

So hatte der Naturschutzbund (Nabu) gemeinsam mit seiner Jugendorganisation Kinder dazu aufgerufen, angeknabberte Haselnüsse zu sammeln und mit einer Info über den Fundort einzuschicken. Ein Nabu-Experte untersuchte daraufhin die mehr 16 000 landesweit gesammelten Nüsse und stellte anhand der spezifischen Fressspuren fest, welche von Haselmäusen angeknabbert wurden.

Insgesamt beteiligten sich in Baden-Württemberg rund 14 000 Kinder am Projekt der "Großen Nussjagd". So auch in Mötzingen: Fast 100 Kinder aus den Mötzinger Kindergärten, der Grundschule und der Nabu-Jugendgruppe hatten sich im Oktober 2011 auf die Nussjagd gemacht. Und wie der Mötzinger Nabu-Vorsitzende Markus Bihler erfreut feststellte, gab es im Wäldchen beim Mötzinger Friedhof einen Treffer. "Dank der Kinder haben wir herausgefunden, dass hier Haselmäuse leben", so der Nabu-Chef.

"Die Kinder haben eine super Arbeit geleistet", erklärte auch der Nabu-Landesgeschäftsführer Uwe Prietzel. Immerhin sind die Haselmäuse richtig selten geworden und stehen auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten. Um den kleinen Nagern in Mötzingen zu helfen, wurden von den Kindern jetzt zehn Nistkästen aufgehängt, die speziell für Haselmäuse und ihre Bedürfnisse hergestellt wurden.

Lob für die "hervorragende Arbeit der Kinder" gab es bei der Verleihung von Bürgermeister Marcel Hagenlocher, der sich wünscht, dass man die Haselmaus-Population in Mötzingen vergrößern kann.

Revierförster Ulrich Alber findet es wichtig, dass es Naturschutzverbände wie den Nabu gibt, die unter anderem ein Stück Naturpädagogik leisten. Außerdem erinnerte er daran, dass es die Fichtenmonokulturen waren, die in den heimischen Wäldern zu einem Artenrückgang führten. Doch nach den Orkanen Wiebke und Lothar "sind überall im Gäu wunderschöne Lebensräume neu entstanden". Der Forst lasse viele Sträucher und Hecken jetzt bewusst mitwachsen.

Beschreibung

Die Haselmaus ist keine Maus, sondern gehört wie der Siebenschläfer zur Familie der sogenannten Bilche oder Schlafmäuse. Das sieht man zum Beispiel an dem dicht und buschig behaarten Schwanz. Die Haselmaus ist winzig: Mit sieben bis acht Zentimetern (plus sechs bis acht Zentimeter Schwanz) ist sie nur daumengroß und wiegt zwischen 15 und 35 Gramm. Sie hat ein goldbraunes Fell und große, schwarze Knopfaugen. Haselmäuse können bis zu fünf Jahre alt werden – für Nager ein ungewöhnlich langes Leben.

Lebensraum

Haselmäuse leben an Waldrändern und im lichten Wald, zum Beispiel auf ehemaligen Kahlschlagsflächen, auf denen sich die ersten Jungbäume entwickeln. Der Wald muss mindestens 20 Hektar groß sein – und selbst auf dieser großen Fläche können nur etwa 70 Haselmäuse leben. Gerne leben sie auch in Hecken und Feldgehölzen, wenn diese untereinander vernetzt sind.

Die Vernetzung ist sehr wichtig, denn Haselmäuse bewegen sich selten am Boden. Sie können klettern wie Äffchen und fühlen sich deshalb im Geäst der Sträucher viel sicherer.

Fortpflanzung

Ein- oder zweimal pro Jahr bringt eine Haselmaus zwei bis sieben Junge auf die Welt, im Zeitraum zwischen Juni und September. Die Nester sind fein gewebte, faustgroße Kugeln, die gern in Baumhöhlen, Nistkästen oder Brombeerranken gebaut werden.

Nahrung

Außer Haselnüssen fressen Haselmäuse gerne Beeren (Brombeeren, Himbeeren, Heckenkirschen), Knospen und Blüten vieler anderer Pflanzen. Eine große Pflanzenvielfalt ist ihr deshalb wichtig. Auch kleine Insekten stehen ab und zu auf dem Speiseplan. Mit den Haselnüssen und Eicheln fressen sich die Haselmäuse im Herbst den nötigen Speck an, bevor sie in den Winterschlaf gehen. Dazu kuscheln sie sich in die Laubstreu am Waldboden und senken ihre Körpertemperatur bis auf vier Grad Celsius ab.

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