Das Ensemble des Berliner Kriminaltheaters brachte das Kriminalstück „Die Mausefalle“ auf die Bühne der Nagolder Stadthalle. Das Publikum ging begeistert mit. Foto: Sara Beigelt

„Wer ist der Mörder?“ ist die wesentliche Frage im Agatha-Christie-Kultstück „Die Mausefalle“, das in Nagold für Applaus sorgt. Wir haben es uns angesehen.

Seit mehr als 70 Jahren Dauerbrenner im Londoner Westend, gilt der Klassiker der „queen of crime“, nämlich Agatha Christies „Die Mausefalle“, als das am längsten ununterbrochen aufgeführte Theaterstück der Welt.

 

Nun erwies sich das Stück in bester Whodunit-Manier auch in Nagold durchaus als Publikumsmagnet, in der Inszenierung durch Wolfgang Rumpf vom Berliner Kriminaltheater, wo es seit der Premiere 2001 in wechselnden Rollenbesetzungen zum festen Bestand gehört.

Schauplatz ist der englischste aller Schauplätze, nämlich ein abgelegenes Landhaus, das Mollie und Giles Ralston vor kurzem als Pension umgestaltet haben. Das Bühnenbild von Manfred Bitterlich zeigt ein gutbürgerliches 1950er-Jahre-Interieur mit Kamin, Ledergarnituren und bunten Glasscheiben.

In Erwartung der ersten Gäste nimmt man die Meldung über einen Mord in London eher nebenher auf, denn Glatteis-und Schneewarnungen lassen neben der Vorfreude vor allem auch die Befürchtung wachsen, ob die angesagten Gäste wohlbehalten hinfinden. Alexandra Johannknecht ist eine liebreizend frische, sehr umsichtige Pensionswirtin an der Seite von Henning Wolff als Giles, der ihre Besonnenheit teilt.

Zahlreiche Besucher treffen im Landhaus ein

„Menschen sind so wahnsinnig interessant!“, meint kurz darauf der erste Gast Christopher Wren beim Eintreffen. Thomas Wingrich gibt den verstrubbelten, alles kommentierenden Exzentriker so perfekt, dass man das Stirnrunzeln des Hausherrn und der vier anderen Gäste durchaus nachvollziehen kann. Denn nach und nach sind eingetroffen: Mrs Boyle (von Jutta Schröder als eine sich distinguiert gebende, ständig mäkelnde Dame verkörpert), Major Metcalf (Jean Maesér) und Miss Casewell (Olga Ivanova als gleichzeitig mysteriös wie gestreng wirkende Mittdreißigerin).

Die Spannung auf engem Raum und diffusem Licht steigt. Foto: Sara Beigelt

Das Publikum geht hörbar mit, als überraschend noch der Paradiesvogel Paravicini auftaucht, der nach einem Unfall im Schnee Zuflucht sucht. Herrlich Mathias Kusche mit (fast)italienischem Akzent! Und alle Männer haben „einen schwarzen Mantel, einen weißen Schal und einen weichen Filzhut“, eben die Kleidung, die der besagte flüchtige Londoner Mörder getragen haben soll…

Abgeschottet von der Außenwelt

Der Schneefall nimmt zu, das Brennmaterial geht zur Neige, das Wasserrohr bricht, und schließlich ist auch die Telefonleitung tot, just als Sergeant Trotter sich zu einer polizeilichen Untersuchung angesagt hat. Nun sind alle wie in einer Mausefalle gefangen, keiner kann mehr weg – und der erste Mord passiert.

Akribisch rekonstruiert Oliver Gabbert als tüftelnder Sergeant die Situation, doch besetzt die anwesenden Personen neu. Schließlich verdächtigt jeder jeden, falsche Identitäten und vertuschte Vergangenheiten kommen zutage, nichts ist, wie es scheint. Wer ist das nächste Opfer?

Dramatische Wagnermusik untermalt Handlung

Und ist nicht verdächtig, dass Mollie und Giles schon kurz nach dem Kennenlernen heirateten und beide unabhängig voneinander am Vortag in London waren? Die Spannung auf engem Raum mit teilweise diffuser Beleuchtung steigt, ab und zu untermalt von dramatischer Wagnermusik aus dem Radio. Was hat es mit dem Lied „Drei kleine Mäuse“ auf sich? Wo ist der Zusammenhang zu den Ereignissen auf der Longridge-Farm vor über 30 Jahren?

Begeistert ging das Nagolder Publikum bei dem Krimi-Kammerspiel mit und spendete langanhaltenden Applaus. Und wie seit Jahrzehnten am Schluss der „Mausefalle“ angesagt, wird man wohl den Rat beherzigen, den wahren (doppelten) Täter nicht zu verraten, um kommenden Zuschauern Spannung und Vergnügen zu lassen.