Dem alten Dorfgasthaus „Möhrenblick“ wurde neues Leben eingehaucht. Vor einem Jahr wurde es als Ferienhaus mit Seminarraum neu eröffnet. Wir blickten hinein.
Diejenigen, die schon lange im Zeller Bergdorf Gresgen wohnen, kennen den „Möhrenblick“ noch als uriges Dorfgasthaus. Von 1960 bis Ende der 1980er Jahre konnte man hier nicht nur speisen oder seine Familienfeste feiern, sondern auch übernachten. Dann aber war Ruhe eingekehrt in dem Gebäude. Heute erinnert nur noch das alte Gasthaus-Schild an die damaligen Zeiten.
Als die „Wuchnervogelbachrichter Gbr“ das Gebäude dann 2022 kaufte, sei es in einem „relativ schlechten Zustand“ gewesen, erinnert sich Horst Wuchner, Architekt und einer der Inhaber. Und dennoch sagt er: „Das war mit Abstand das schönste Gebäude, das wir jemals gefunden haben.“ Er und seine Frau Eva, Sohn Jonas sowie die zwei Freunde Niko Vogelbach und Johannes Richter hatten sich damit einen Herzenswunsch erfüllt – ein weiteres Ferienhaus – neben dem vorhandenen in Hausen – zu gestalten.
Aus Alt mach’ Neu
Doch klar war, dass darin ganz schön viel Zeit und Arbeit investiert werden musste. Das Haus wurde von den Fünfen komplett saniert über zweieinhalb Jahre lang. Dabei sei es den neuen Eigentümern auch darum gegangen, Altmaterial von diesem und auch anderen Gebäuden zu verwenden – Wiederverwertung sei die Devise gewesen. Und so seien Stahl und Eichenholz aus einem Abbruch im Markgräflerland verwendet worden und gleichzeitig sollte aber auch so viel wie möglich von der Substanz des Gebäudes erhalten bleiben. „Wir haben Wert darauf gelegt, regionale Produkte zu verwenden“, erzählt Wuchner. Das Fassadenholz etwa ist aus unbehandelter heimischer Douglasie. Der Glücksfall, dass seine Söhne und auch die zwei Freunde Zimmerer sind, sorgte dafür, dass auch fast alle Möbel im Gebäude selbst hergestellt wurden.
Gresgner schwelgten in Erinnerungen
Im Mai 2025 war die Sanierung abgeschlossen und im gleichen Jahr an Ostern dann hatte man den neuen Möhrenblick zum ersten Mal vermietet und zum Tag der offenen Tür eingeladen. „Da kam halb Gresgen zu uns und schwelgte in Erinnerungen“, erzählt Wuchner. Die Rückmeldungen über die Entwicklung des Gebäudes seien alle positiv gewesen.
Wo damals gespeist wurde, wird heute gemalt
Betritt man den Möhrenblick, erinnert wohl nicht mehr viel an das damalige Gasthaus. Der heutige Seminarraum mit Holzdecke, in dem unter anderem Kunsttherapeutin Eva Wuchner auch ein offenes Atelier anbietet, war damals der Gastraum. Wo damals gespeist und getrunken wurde, können heute Seminare und Kurse stattfinden, aber auch Familienfeste.
Dem Alltag entfliehen
Einblicke in die geräumigen Ferienwohnungen mit viel Holz bieten auch großartige Aus- und Weitblicke durch große Fensterfronten.
Die Wohnungen wurden nicht nur mit viel Liebe zum Detail, sondern auch mit einem tiefen Respekt vor der Natur eingerichtet. Hier weit oben auf 780 Metern, inmitten der Natur – nur der Traktor des Landwirts nebenan ist zu hören – kann man wirklich dem Alltag entfliehen.
„Hier oben gibts noch viel Tourismus“
Am liebsten würde man hier gleich einziehen. Doch Festvermieten komme für Wuchner nicht in Frage, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Das Geschäft mit den Ferienwohnungen lohne sich mehr. Auch wenn man es sich – soweit abgelegen der Ort auf den ersten Blick auch scheint – nicht vorstellen kann: „Hier ist schon noch viel Tourismus“, sagt Wuchner.
Vor allem viele Wanderer und Fahrradfahrer würden den Weg dorthin finden. Die Wohnungen seien gut gebucht. Die Gäste würden die Natur schätzen, könnten den Kräutergarten mitnutzen, den Seminarraum nutzen. Bald sei auch die Sauna im Garten fertiggestellt. Im Haus wurde auch ein kleines „Lädele“ mit Merchandising-Artikeln des Möhrenblick eingerichtet. „Ein kleiner Gag“, sagt Wuchner schmunzelnd. Zudem gibt es für jede Wohnung extra Abstellplätze für Fahrräder und andere Dinge.
Für die Architektur des Gebäudes habe man schon einige Auszeichnungen erhalten, erzählt Wuchner. Und über 22.686 Euro Förderung des Biosphärengebiets für den geplanten Entdeckerpfad im Garten freut er sich auch. Die Entwicklung des historischen Gebäudes zu einem Hingucker und Ort für Naturliebhaber ist also noch nicht abgeschlossen.