Der Hagelfliegerpilot Sebastian Keller fliegt über sein Einsatzgebiet. (Archivfoto) Foto: Hella Schimkat

Im Gemeinderat steht die Beendigung der Mitgliedschaft der Gemeinde Brigachtal beim Verein zur Hagelabwehr auf der Tagesordnung. Das sagen einige Brigachtaler zu dem Vorhaben.

Die Mitgliedschaft besteht seit 2021. Peter Hellstern, Vorsitzender des Vereins, überzeugte die Gemeinderäte damals von der Wirksamkeit der Einsätze des Hagelfliegers bei starkem Gewitter und drohendem Hagelniederschlag: „Wenn der Pilot die Gewitterwolken mit dem Silberiodid-Aceton-Gemisch impft, dauert es nicht lange und die Wolke regnet ab“, so Hellstern.

 

Die Einsätze sind nicht ungefährlich, aber die Berufspiloten konnten sich unzählige Male von der Wirksamkeit ihrer Einsätze überzeugen, genauso wie viele Menschen, die mit ungutem Gefühl zu drohenden Gewittern aufsehen.

Die Mitgliedschaft in dem Verein kostet die Gemeinde Brigachtal 1200 Euro pro Jahr und ist abhängig von den Einwohnerzahlen.

Angespannte Finanzlage

Als Begründung für den geplanten Austritt nennt die Verwaltung die angespannte Finanzlage der Gemeinde. Auf Anfrage unserer Redaktion an Bürgermeister Michael Schmitt, ob die Finanzlage die einzige Begründung für den geplanten Austritt sei oder ob noch andere Gründe vorliegen, antwortet Schmitt: „Es sind tatsächlich nur die finanziellen Erwägungen.“

Unsere Redaktion fragte einige Bürger, was sie von dem bevorstehenden Austritt, den die Verwaltung anstrebt, halten. Markus Rist, Landwirt und langjähriger Gemeinderat sowie zweiter Bürgermeisterstellvertreter, antwortet: „Ich sehe es kritisch, aus dem Verein der Hagelabwehr auszutreten. Selbst wenn man sagt, die Versicherungen würden Hagelschäden übernehmen, ist es ja wohl klar, dass anschließend die Beiträge kräftig erhöht werden. Es ist schon seltsam, dass man für die großen Dinge Geld hat und versucht, dieses an den kleinen Dingen einzusparen.“

Stefan Mink, Landwirt und Vorsitzender des Ortsverbands des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands (BHLV), erklärt, er habe in dieser Sache keine eindeutige Meinung. Es gebe ja auch Stimmen, die die Wirksamkeit der Einsätze anzweifeln.

Allerdings sei der Betrag von 1200 Euro geringfügig. Er sehe das auch nicht als Landwirtschaftsförderung, da Hagelschäden ja alle Bürger betreffen.

Angst vor Gewitter und Hagel

Petra Simon, Vorsitzende des Vereins „Kulturfreunde an der Brigach“, räumt ein, dass sie sich mit Fakten und Beiträgen nicht auskenne, meinte aber spontan: „Oh Gott, drin bleiben.“ Dazu komme auch, dass sie panische Angst vor Gewitter und Hagel habe.

Ursula Hollas wehrt sich gegen einen Austritt der Gemeinde aus dem Verein. „Ich sehe doch immer, wenn die Hagelflieger bei Gewitter über uns hin- und herfliegen, das hilft doch.“

Josef Vogt erklärt, er halte dieses Vorhaben der Gemeinde für sehr kurzsichtig und frage sich, was sie damit bezwecke. „Soll durch so etwas der Haushalt entlastet werden?“, fragt er sich. „Wenn durch die Flieger erreicht wird, dass nur noch kleinkörniger Hagel fällt, ist damit großer Schaden verhindert“, betont er.

Verein zur Hagelabwehr

Mitgliederschwund  
Der Verein, der nach dem großen Hagelschaden vor Jahren gegründet wurde, zählte einmal 3200 Mitglieder. Aktuell ist die Zahl auf 2650 Mitglieder zurückgegangen, davon sind 93 Prozent Einzelpersonen. 185 Firmen und 19 Gemeinden im Schwarzwald-Baar-Kreis und im Landkreis Tuttlingen kommen dazu. Von Mai bis September fliegt die Partenavia, das zweimotorige Spezialflugzeug, das der Verein gemietet hat. Für Miete, Unterhalt, Reparaturen, Benzin und Lohn für die Piloten zahlt der Verein jährlich rund 150 000 Euro – ein hoher Betrag, der aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen zusammenkommt. „Wenn der Mitgliederstand weiter stark zurückgeht, weiß ich nicht, ob wir diesen Service noch weiter leisten können“, macht sich Vorsitzender Peter Hellstern Sorgen.