Oberärztin Birte von Meißner am neuen 3D-System im Klinikum in Freudenstadt – ein hochmodernes Gerät, das nun vielen bei Herzrhythmusstörungen helfen kann. Foto: Moritz Braun

Das Klinikum Freudenstadt setzt auf moderne Technik – auch aus weiblicher Perspektive. Mit dem 3D-Mapping-System zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen und Vorhofflimmern ist die kardiologische Abteilung auf dem neuesten Stand.

„Wir sind jetzt in der Lage, gezielt und präzise zu behandeln“, erklärt Oberärztin Birte von Meißner. Das neue System am Klinikum Freudenstadt ermögliche eine exakte Navigation im Herzen und werde von einem Techniker begleitet, da es sich um ein äußerst komplexes Gerät handele.

 

Die Abteilung Elektrophysiologie, geleitet von Oberarzt Jörg Mosa, war maßgeblich an der Anschaffung des hochmodernen 3D-Mapping-Systems vor rund einem Jahr beteiligt.

Herzgesundheit bei Frauen bedeute, dass die Symptome oft anders seien, daher könne eine gute Aufklärung entscheidend sein, sagt Birte von Meißner. Ein zentrales Anliegen der Oberärztin ist die Sensibilisierung für die oft unterschiedlichen Symptome bei Herzproblemen von Frauen.

Anderes Schmerzempfinden

Aus ihrer langjährigen Erfahrung weiß sie, dass gerade Frauen ihre Beschwerden oft nicht ernst nehmen – oder diese von anderen nicht ernst genommen werden. „Wir Frauen haben ein anderes Schmerzempfinden und oft weniger klassische Symptome – etwa nicht den typischen Druck auf der Brust bei einem Herzinfarkt“, erklärt sie. Atemnot, Herzrasen, Magenbeschwerden, Abgeschlagenheit oder ein allgemeines Unwohlsein sollten daher nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

Die Oberärztin betont auch, dass etwa plötzliches Herzrasen nicht nur eine Begleiterscheinung der Wechseljahre sein kann oder eine Panikattacke, sondern auf Herzprobleme hinweisen könne. Gerade bei diesem Aspekt ist ihr die Aufklärungsarbeit durch Fachvorträge ein wichtiges Anliegen.

Vorträge für weibliches Fachpersonal

Um das Bewusstsein insbesondere auch im medizinischen Bereich zu stärken, hält Birte von Meißner regelmäßig Vorträge, die häufig speziell nur für weibliches Fachpersonal sind. Der geschützte Rahmen ermögliche es, Fragen offen zu stellen und spezielle Themen zu besprechen.

Ihr letzter Vortrag trug den Titel „Was bringt uns Frauen aus dem Takt?“. Dabei ging es auch um gesellschaftliche Belastungen der Frauen. „Die Doppelrolle von Familie und Beruf, Teilzeitarbeit und geringere Karrierechancen wirken sich nicht nur wirtschaftlich, sondern auch gesundheitlich aus“, erklärt sie. Fortschrittliche Modelle in der Medizin wie „Job Sharing“ an der Charité in Berlin, bei dem sich zwei Frauen eine Chefarztstelle und auch Oberarztstelle teilen, seien erste wichtige Schritte in die richtige Richtung.

„Technik allein reicht nicht“

„Wenn 70 Prozent der Medizinstudierenden weiblich sind, brauchen wir neue Wege, um Familie und Beruf zu vereinbaren“, betont die vierfache Mutter. Ihr Fazit ist dabei klar: „Das Zusammenspiel von Technik, Wissen und Haltung kann zu einer besseren Herzgesundheit führen.“

Mit dem neuen 3D-Mapping-System ist die kardiologische Abteilung des Krankenhauses in Freudenstadt technisch bestens aufgestellt. Doch für Birte von Meißner steht fest: „Technik allein reicht nicht. Wir müssen lernen, Symptome bei Frauen ernstzunehmen.“