Die brandneue Laser-Messsäule am Ortseingang von Eutingen. Der Gemeinderat hatte Ende September 2024 den Kauf beschlossen, um die grauen „Starenkästen“ zu ersetzen. Foto: Juergen Lueck

Die alten Blitzer konnten nur jeweils in eine Richtung blitzen. Die neuen Lasersäulen können beide Fahrtrichtungen erfassen. Kassiert das Horber Rathaus damit doppelt?

Der ortskundige Autofahrer kennt sie schon: Die Blitzer auf der Bundesstraße 28 zwischen Horb und dem Autobahnanschluss Rottenburg. Doch viele fragen sich: Kassiert das Rathaus hier jetzt doppelt ab?

 

Eine ganz normale Autofahrt am Montagmittag Richtung Rottenburg: In Bildechingen Höhe Marienstraße, wo der Schulweg ist, zeigt der graue Blitzkasten Richtung Eutingen.

In Eutingen am Ortseingang steht eine brandneue Laser-Mess-Säule. Wer sie sich von beiden Seiten genau anschaut, merkt: Oh, die blitzt ja nach beiden Seiten. Anders, als der graue Kasten, der hier früher hing. Jetzt wurde auch in Empfingen (gehört zur Verwaltungsgemeinschaft mit Horb) solch eine Blitzersäule frisch installiert.

Kassiert das Rathaus jetzt doppelt ab?

Fakt ist: Gegenüber dem grauen Kasten ist die Wahrscheinlichkeit doppelt so hoch, dass jetzt Temposünder erwischt werden. Wenn Kameras in beide Richtungen installiert sind. Wenn es blitzt, geht es innerorts mit 30 Euro los, so der ADAC. Außerorts mit 20 Euro.

Geld, das die Stadtkasse gut gebrauchen kann. Bis Ende des Jahres hatte das Rathaus mit Bußgeldeinnahmen in Höhe von gut 2,4 Mio. Euro kalkuliert – wie im Vorjahr. Blättert man im Haushalt 2024, kann man erkennen, dass wohl ein Großteil aus den Blitzern kommt. Auf Seite 348 wird die bisherige Blitzer-Bilanz aufgeführt. Aus den stationären Blitzeranlagen hatte es im Jahr 2022 insgesamt 36.953 Bußgeldverfahren gegeben. Für das Jahr 2024 waren hier 40.000 erwischte Raser geplant.

In Bildechingen hängt noch ein alter Blitzer. Deutlich zu sehen: Er kann nur eine Richtung und erfasst hier die Autos, die aus Richtung Eutingen kommen. Foto: Jürgen Lück

Das sagt das Rathaus

Rathaussprecherin Inge Weber verweist zunächst auf die Beschlussdrucksachen für den Kauf der neuen Laser-Blitz-Säulen. Im September hatte die Firma Jenoptik den Zuschlag vom Gemeinderat bekommen. Grund laut Drucksache 6/2024: Die veralteten Messgeräte des Typs TraffiPhot S (TPH S) sollen ersetzt werden. Der Lebenszyklus sei zu Ende. Dazu endet die Eichunterstützung für diese Messgeräte zum 31. Dezember 2024 – sie können danach nicht mehr rechtskonform betrieben werden. Folge: Jedes Blitzer-Knöllchen wäre dann ungültig. Die neuen Messgeräte sollen 475.000 Euro kosten.

Und jetzt sind sie schon fast überall installiert. Wird jetzt doppelt kassiert? Rathaussprecherin Inge Weber sagt: „Da nicht mehr Kameras angeschafft wurden als bisher, ist nicht von zusätzlichen Verwarn- oder Bußgelder auszugehen.“

Die Lasersäulen sind zwar so gebaut, dass die Kameras in beide Richtungen blitzen könnten, aber das Rathaus hat laut der Drucksache pro Säule immer nur eine Kamera bestellt.