Zum achten Mal hat die Interessengemeinschaft Plastikmodellbau Zollernalb (IGPM) im Soldatenfreizeitheim "Haus Heuberg" eine große Modellbauausstellung durchgeführt. Bastler aus der ganzen Region und Frankreich haben ihre Modelle dem Publikum präsentiert.

Zum achten Mal hat die Interessengemeinschaft Plastikmodellbau Zollern­alb (IGPM) im Soldatenfreizeitheim "Haus Heuberg" eine große Modellbauausstellung veranstaltet. Bastler aus der ganzen Region und Frankreich haben ihre Modelle dem Publikum präsentiert.

Stetten a.k.M.. Siegfried Mühlnikel, dessen akribisch nachgebaute "Nautilus" aus Jules Vernes Roman "20 000 Meilen unter dem Meer" die Blicke auf sich zog, gehört nicht nur zum treuen Stamm der Aussteller. Er organisiert auch die Modellbauerschau im Soldatenheim und ist schon deshalb unverzichtbar. "Das macht natürlich ordentlich Arbeit, aber es ist immer wieder schön", sagte der aus Bitz stammende Bastler. Mit dabei war auch Alexander Kuricini aus Jungingen. Der Vorsitzende des Eisenbahn-Technik-Clubs ist bekannt für seine ungeheure Kreativität, der sich nicht damit begnügt, Modellbausätze einfach nachzubauen.

"Das kann zwar auch nicht jeder", meinte er mit Blick auf feinmotorische Fähigkeiten und Geduld, "aber mir macht es einfach Spaß, Eigenes zu entwickeln und dabei ganz profane Alltagsgegenstände in Besonderheiten zu verwandeln". Dabei deutete er auf ein eineinhalb Meter langes, beeindruckendes Raumschiff, dessen Herkunftsmaterialien sich erst auf den zweiten und dritten Blick erschließen. Das imposante Modell besteht aus einem gewöhnlichen Plastikabwasserrohr, das ringsherum mit allerlei Plastikteilen beklebt worden ist. So haben beispielsweise ausrangierter Bleistiftspitzer, Dübel, übrig gebliebene Kunststoffreste aus Modellbausätzen, von denen es immer mehr als reichlich gibt, sowie Flaschendeckel und Legoteile eine neue Existenz erfahren.

Der Mülltonne und auch dem Schicksal, als Mikroplastik in der Erde oder im Wasser zu enden, entronnen, präsentieren sie sich nun im einheitlich grauen Metallfarbton als Bestandteil eines fantastischen Raumschiffs, das sich als Modell in einer Raumfahrtserie trefflich machen würde. Auch eine Shampooflasche, einmal als ganz nackt wie der Hersteller sie schuf, und einmal nach Bearbeitung durch "Modellbau-Alex", wie er auch genannt wird, hat eine steile Karriere hingelegt. Denn sie ist nun ein kleines Raumschiff geworden, das im Bauch des Mutterschiffs eine eigene Startrampe hat, wenn es auf Patrouille in die Weiten des Alls geschickt wird.

Das Material für die Modelle ist der Mülltonne entronnen

Es mache ihm unheimlich Spaß, aus scheinbar Nutzlosem etwas Neues entstehen zu lassen, meinte der Vater zweier Kinder. Auf die Frage ob er aufgrund seines großen Einfallsreichtums nicht seinen Beruf verfehlt hätte, schmunzelte der Landschaftsgärtner: "Ich bin täglich an der frischen Luft, brauche kein Solarium und kein Fitnesszentrum, habe ein wunderbares Hobby, das ich zusammen mit meinen Kindern betreiben kann – was will ich mehr?"

Und weil der Nachwuchs mit derselben Begeisterung zu Werke geht, bietet der Junginger Modellbaukurse für Kinder an. Auch andere Aussteller beließen es nicht bei der Ausstellung ihrer Werke. Mit Lupenbrille und Pinzette arbeiteten beispielsweise die Mitglieder des französischen Modellbauclubs aus Straßburg. Ihr Schwerpunkt lag für jeden ersichtlich im Nachbau von automobilen Oldtimern und kleinen Flugzeugen.

Udo Fellberg vom Modellbauclub Kurpfalz hantierte ebenfalls mit Feinmechanikerwerkzeugen, um einen Minipiloten in ein Flugzeugmodell zu platzieren. "Das ist eine ernste Angelegenheit", meinte Oliver Halder vom Modellbauclub Bodensee mit schelmischem Augenaufschlag auf die Feststellung, dass dieses Hobby wohl mehr als eine Spielerei sei. "Aber wenn es einen mal gepackt hat..."

Mit welcher Akribie manche dieser Freizeitbeschäftigung nachgehen, zeigten Mitglieder der IGPM Zollernalb, die eine Bundeswehrwaffenschau en miniatur mit allem Drum und Dran nachgebaut hatten. Mit dabei sogar das Heeresmusikkorps mit einem beweglichen Dirigenten und, wie kann es bei echten Modellbaufreaks anders sein, mit echtem Militärmarsch. Organisator Mühlnickel zeigte sich erleichtert, nach fast zwei Jahren wieder an die Öffentlichkeit gehen zu dürfen. "Zwar noch unter 3G-Regeln, aber das macht nichts, Hauptsache, man kommt wieder unter die Leute."