In etwa so wird er aussehen, der neue vollelektrische CLA von Mercedes-Benz. Foto: /Global Commun

Statt „Electric only“, dem jahrelang propagierten Mercedes-Plan, bald ausschließlich auf Elektromodelle zu setzen, heißt es jetzt nur noch: „Electric first“. Diesen Strategiewechsel symbolisiert der in den Startlöchern stehende CLA.

Der PR-Aufwand ist beträchtlich. Seit Monaten schon rührt Mercedes-Benz die Werbetrommel, um der für Frühsommer 2025 erwarteten Markteinführung des neues CLA die bestmögliche Starthilfe zu geben. Bereits im Herbst letzten Jahres wurde auf IAA in München ein sogenanntes „Concept Car“ der Coupé-Version präsentiert, danach stand der CLA bei der Eröffnung des E-Campus in Untertürkheim werbewirksam im Mittelpunkt, ebenso bei der Aktionärsversammlung. Und gerade erst ist ein Mercedes-Film bei Youtoube hochgeladen worden, der Konzernchef Ola Källenius bei einer CLA-Testfahrt zeigt. Und zuletzt sind eine ganze Woche lang Journalisten aus aller Welt bei einem Technologie-Workshops durch das Werk Sindelfingen geschleust worden, um dem als Erlkönig beklebten CLA ganz nah zu kommen.

 

Was unterstreicht: der CLA ist das Mercedes-Schicksalsmodell. Einen Flop kann sich der Konzern in Zeiten alarmierender Gewinnwarnungen nicht leisten. Das Modell steht aber nicht nur für ganz große Stuttgarter Hoffnungen, der CLA macht gleichzeitig auch den Strategiewechsel von Mercedes in besonderer Weise deutlich.

Der überarbeitete Plan ist eine elektrische Lightversion

Vor drei Jahren hatte sich das noch so ganz anders angehört: vom Jahr 2030 an, so der von Källenius kommunizierte Plan, sollten ausschließlich Elektro-Autos von den Mercedes-Bändern rollen. „Electric only“, so lautete die 2021 mit Überzeugung ausgegebene Devise. Heute heißt es deutlich weniger entschieden „Electric first“. Es ist die überarbeitete Lightversion der ursprünglichen Strategie. Und die lässt sich sehr gut am neuen CLA ablesen, auch wenn es das Modell noch gar nicht zu kaufen gibt.

Elektromotor mit Zweiganggetriebe

Dieses „Electric first“ bedeutet im Fall des CLA, dass die erste auf den Markt kommende Version eine vollelektrische sein wird. Das kompakte Coupé soll den skeptischen E-Auto-Betrachter mit technischen Höchstleistungen überzeugen. Der 800-Volt-Antrieb hat eine Reichweite von rund 750 Kilometern und kann innerhalb von 15 Minuten auf eine Reichweite von 400 Kilometern nachgeladen werden. Der Elektromotor mit Zweiganggetriebe leistet 175 kW (238 PS). Der Verbrauch auf 100 Kilometern liegt bei lediglich 12 Kilowattstunden. „Effizienz ist die neue Währung“ , sagt Oliver Fenzl, der für Antriebe zuständige Konzernsprecher.

Der neue Hybrid-Motor aus dem Hause Mercedes-Benz Foto: M/BAG

Neben der Effizienz und einer hohen Ladegeschwindigkeit spielt die Flexibilität in der Produktion die dritte zentrale Rolle für Mercedes-Benz. Weil die E-Nachfrage nach der „Electric-only“-Verkündung in den zurückliegenden drei Jahren deutlich schwächer als erwartet ausgefallen ist, sah man sich gezwungen, den Verbrenner doch nicht so schnell auf dem Schrotthaufen der Automobilgeschichte abzuladen, sondern zu einem Neustart zu verhelfen. Weil, so die neue Sprachregelung im Konzern, der Kunde über das Angebot entscheidet. Und deshalb wird mit Verbrennerfahrzeugen und E-Autos zweigleisig gefahren, die allesamt auf einer Plattform hergestellt und auch gleichwertig beworben werden. Wie in dem Videoclip mit Ola Källenius zu sehen ist. Nach den Coupés sollen auf diesem Weg in rascher Abfolge noch zwei SUV-Modelle und ein Shooting-Brake-Angebot (Kombi) nachkommen.

Und so wird nach dem E-CLA im Frühsommer bald die Verbrenner-Hybrid-Version folgen. Angetrieben wird die vom 1,5-Liter-Motor M 252 beziehungsweise von einer 48-Volt-Batterie, die neuerdings auch ein rein elektrisches Fahren zulässt und sich nicht mehr nur unterstützend einschaltet.

Eine ganz wichtige Information zum CLA hält Mercedes allerdings noch unter Verschluss, die neben der Qualität des Autos den größten Einfluss auf die Kaufentscheidung hat: die über den Preis.