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Mobilität Vom Hochrad zum Liegerad

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Horizontal hurtig: Liegeräder gelten als aerodynamisch günstig, so dass sie bei relativ wenig Kraftaufwand recht schnell auf Tempo kommen.  Foto: www.hpvelotechnik.com/www.pd-f.de
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Horizontal hurtig: Liegeräder gelten als aerodynamisch günstig, so dass sie bei relativ wenig Kraftaufwand recht schnell auf Tempo kommen. Foto: www.hpvelotechnik.com/www.pd-f.de

Citybike, Rennrad und Mountainbike? Klar, kennen Sie. E-Bikes auch. Doch rollen noch zahlreiche Nischenräder auf dem Fahrradmarkt - neue und alte. Welche taugen für wen?

Der Klassiker unter der den Fahrrädern hat zwei Räder, einen Lenker und einen Sattel. Auf dem sitzen die Fahrer oft relativ aufrecht. In verschiedensten Variationen rollen Mountainbikes, Rennräder oder Stadträder zu den Kunden. Auch der Elektroantrieb hat sich mittlerweile durchgesetzt. "Allein 2017 wurden mehr als 70 0000 E-Bikes verkauft", sagt Hardy Siebecke, Organisator der Spezialradmesse (SPEZI). Dann gibt es noch die Nischenräder. Einige erfreuen nur Liebhaber oder Nostalgiker. Andere wiederum haben das Potenzial zum Kassenschlager, und bei einigen ist die Zeit womöglich schon vorbei. Eine Übersicht:

Das E-Mountainbike 
Es galt in den vergangenen Jahren noch als Nischenprodukt, erklärt Felix Lindhorst vom Bundesinnungsverband Zweirad-Handwerk. Inzwischen hätten die Räder es geschafft, aus diesem Segment herauszubrechen, und es gebe eine breitere Nachfrage.

Das Lastenfahrrad
Es wird auch Cargobike genannt. Für Lindhorst ist es "eine umweltfreundliche Alternative für die Erledigung von Besorgungsfahrten". Er sieht daher ein gewisses Zukunftspotenzial für den Fall, dass die Innenstädte zunehmend vom Autoverkehr befreit werden sollten. Das Lastenfahrrad gibt es häufig als dreirädriges Modell, wo die Last zwischen den beiden Vorderrädern sitzt.

Zweirädrige Modelle haben eine Ladefläche zwischen Lenker und einem kleinen weit vorne sitzenden Vorderrad. Bei ebenfalls zweirädrigen Longtails wird die Fracht meist auf einem sehr langen Gepäckträger verstaut. Etliche Modelle sind sowohl mit als auch ohne E-Motor erhältlich. "Je nach Qualität, Modelltyp und Ausstattung liegt der Preis für ein privates Cargobike zwischen 1500 und 6000 Euro", erklärt Arne Behrensen, Betreiber des Blogs cargobike.jetzt. "Bei gewerblichen Schwertransporträdern mit Zuladung bis 300 Kilogramm geht es auch bis in den fünfstelligen Bereich."

Das Dreirad 
"Immer mehr Menschen, die in ein gewisses Alter gekommen sind, fühlen sich auf zwei Rädern nicht mehr sicher und interessieren sich für Dreiräder", sagt Siegfried Neuberger vom Zweirad-Industrie-Verband (ZIV). Er sieht Dreiräder im Kommen, vor allem mit Elektrounterstützung. Einige haben vorne zwei Räder und hinten eins. Andere haben umgekehrt vorne ein Rad und hinten zwei.

Dreiräder seien sehr fahrstabil und neigen nicht zum Umfallen, was gerade Älteren oder Menschen mit Handicap zugute komme, nennt Neuberger Vorteile. "Zudem kann man auf Dreirädern auch mehr transportieren." Vor dem Aufkommen des E-Antriebs sei jedoch das Gewicht ein Nachteil gewesen. Durch die vielen Kilos war es relativ anstrengend, das Dreirad zu fahren. Auch benötigt es in der Garage oder dem Keller etwas mehr Platz beim Abstellen. Preislich liegen erste Modelle bei etwa 2000 Euro.

Das Liegerad
Es zeichnet sich durch eine niedrige, fast liegende Position des Fahrers aus. Es hat keinen klassischen Sattel, sondern eine Sitzschale, und man tritt dabei nach vorne in die Pedale. "Durch die aerodynamische Form erreicht man auf dem Liegerad mit relativ wenig Kraft eine relativ hohe Geschwindigkeit", erläutert Neuberger.
So können man auch große Entfernungen zurücklegen und nicht nur den Fahrspaß, sondern auch die eigene Mobilität verbessern. Der ZIV-Experte empfiehlt, sich zu informieren, bei welchen Händlern in der Umgebung man einmal Probe fahren kann. "Denn es ist schon ein ganz besonderes Fahrgefühl."

Das Liegedreirad
Das Liegedreirad oder auch Trike ist eine Mischung aus Dreirad und Liegerad - und das liebste Nischenprodukt von Hardy Siebecke. Es vereint die Vorteile beider Produkte. Er sieht daher "noch enormes Potential nach oben, da es ideal für unsere alternde Gesellschaft ist". Bisher werde es aber noch von recht wenigen älteren Menschen als ideales Verkehrsmittel erkannt.
Schwindel- und Gleichgewichtsprobleme stellten sich bei vielen Menschen im Alter ein. "Und dies sind schlechte Voraussetzungen für das Führen eines normalen Zweirades." Auch ein klassisches Dreirad hält Siebecke für ungeeignet in einer solchen Situation: "Wenn man dann zum ersten Mal ein normales Dreirad fährt, ist man erschrocken über die Schwierigkeit, ein solches zu lenken."

Selbst nach einigen Stunden Übung erweise sich so ein Dreirad als schwerfällig und manchmal auch unbequem. "Beim Liegedreirad ist es genau andersherum: Sie setzen sich drauf, fühlen sich bequem und fahren sofort ohne Übung sicher los." Siebecke hält das Trike sowohl für den Alltag wie auch für ausgedehnte Urlaubstouren geeignet. Preise variieren zwischen 1000 und 10 000 Euro.

Das Tandem
Es ist laut Siebecke besonders bei Paaren oder Gruppen beliebt, bei denen einige sonst nicht mithalten könnten. Es werde auch gerne im Reha-Bereich oder von Menschen mit Sehbehinderung genutzt. 15 bis 20 Anbieter sieht Siebecke jedes Jahr auf seiner Messe. Es gibt verschiedenste Varianten: Sportliche Modelle und solche mit Elektroantrieb. Auf einigen fährt man klassisch hintereinander, auf anderen vierrädrig nebeneinander. Preise starten bei 1200 Euro.

Das Pedersen Rad
Ein Exot selbst in der Nische ist das Pedersen Rad. Michael Pedersen entwickelte dieses Fahrrad 1893, als die Straßen noch sehr schlecht waren. Mit der besonderen Rahmenkonstruktion, bestehend aus mehreren Dreiecken, und dem größeren Abstand zwischen Rad und Sattel erreichte er mehr Stabilität auf unebenen Straßen.

"Pedersen als Zwei-Zentner-Mann konnte damit fahren und bewies somit die Stabilität der Konstruktion", erklärt Siebecke. "Optisch und konstruktionstechnisch ist das Rad ein Augenschmaus. Dennoch ist der Markt heute winzig klein." Modelle sind ab 2000 Euro erhältlich.

Das Hochrad
"Das ist etwas für echte Nostalgiker und Liebhaber", findet Siebecke. Ihm ist nur ein Hochrad-Hersteller in Tschechien bekannt. "Alle anderen Räder sind alte Gebrauchte." Die Hochzeit der Hochräder endete in den 1890er-Jahren. Die Konstruktion zeichnete sich durch ein sehr kleines Hinterrad, ein sehr großes Vorderrad und eine Sitzhöhe von etwa 1,30 Metern aus.

Das hohe Rad vorn war nötig, weil man für die Übersetzung noch keine Kette kannte. Die Tretkurbel trieb starr das große Vorderrad an, um so auf entsprechend viele Meter pro Umdrehung zu kommen, erklärt der Radexperte. "Mit der Entwicklung des Niederrads mit Kette war das Hochrad tot", so Siebecke. Es sei beim Hochrad sehr aufwendig gewesen, auf- und wieder abzusteigen, fast schon eine akrobatische Leistung. "Und wenn man das Gerät nicht beherrscht, macht es die hohe Fallhöhe außerdem sehr gefährlich."