Die Aktionswoche zur Mobilitätswende in Sulz ist am Samstag mit einem Straßenfest zu Ende gegangen. Ein Projektteam gab Impulse. Neben Wegen, die Lust auf Bummeln machen, waren auch ein Bistro oder eine Werkstatt am Neckar im Gespräch.
Der aus Apulien stammende, in Barcelona aber lebende Straßenkünstler El Rughi brachte am Samstag noch die letzten Pinselstriche an. Das Spielfeld in der Kölreuterstraße ist nicht ganz zum Straßenfest rund um den Marktplatz fertig geworden. Das Wetter war in der Impulswoche auch alles andere als gut. Doch zum Abschluss gab es viel Sonne, das entschädigte dann doch ein bisschen.
Bei der Schlussveranstaltung stellte das Projektteam des Baden-Württemberg Instituts für nachhaltige Mobilität (BWIM) den Besuchern vor, was Sulz in der Kernstadt bieten kann, wenn nur ein paar, keineswegs kostspielige Veränderungen vorgenommen werden.
Eine verkehrsberuhigte Achse
Die beiden Marktplatzhälften sind farblich miteinander verbunden worden. Das hatte, wie Projektleiterin Lorenza Manfredi beim Rundgang sagte, schon mal den Effekt, dass die Autos langsamer fuhren.
Sie hatte den kleinen Spaziergang am Becherberg begonnen. Die Stadtkirche, der Marktplatz, die Kölreuterstraße bis hin zum Neckar stellte eine verkehrsberuhigte Achse dar.
Kinderspiel des Straßenkünstlers
„Wir wollen Impulse geben“, erklärte die Wissenschaftlerin den Hintergrund der Aktion. Der Marktplatz bildet den Mittelpunkt. Eine Idee ist, hier einen Fahrradverleih anzusiedeln, damit Einkäufe in der Stadt mit dem Rad erledigt werden können.
Die dort abgehende Kölreuterstraße könne für den Verkehr geschlossen werden. Der Straßenkünstler hat dort ein Kinderspiel mit verschiedenen Feldern aufgemalt. Das bleibt noch eine Weile erhalten, andere Ideen können ebenfalls aufgenommen oder auch weiterentwickelt werden.
Bistro oder Werkstatt?
Mit zwei Stufen im Stadtgarten bei der Denkwerkstatt könnte beispielsweise ein ganz neuer Platz am Neckar erschlossen werden. Wenn es da noch ein Bistro oder eine Werkstatt gäbe? Es wäre ein idealer Platz zum Verweilen.
Jedenfalls hat die „Neckarterrasse“ hinter dem Stadtgarten bei den Besuchern Gefallen gefunden. „Ist das schön“, schwärmte etwa Mary Baumann. Die aufgestellten Stühle waren gleich besetzt, der kühle Drei-Täler-Apfelsaft konnte in einem angenehmen Ambiente genossen werden. Mehrere Bäume sind dort aufgestellt worden, und die Asphaltfläche war zum Thema Mobilität bemalt.
Schlachthaus und Schwimmen
Dort endete der Landschaftsspaziergang mit Raumplanerin Verena Karappitz und dem Ortskundigen Karl Götz. Als Landschaft sollten die Teilnehmer nicht nur die Natur und den Fluss betrachten, sondern auch die bebaute Umgebung. Die Häuser und ihre Fassaden werden älter, der Marktplatz verändert ebenfalls mit der Zeit sein Gesicht.
Die Kernstadt hat sich vor allem durch die Flussbegradigung in den frühen 1950er-Jahren gewandelt. Darauf wies Karl Götz bei dem Spaziergang hin. Er wusste dazu die eine oder andere Anekdote zu erzählen, so vom ehemaligen Schlachthaus am Stadtgarten in der Brühlstraße. Unterhalb durften die Kinder früher nicht im Neckar baden, sonst waren sie rot vom Blut der geschlachteten Tiere.
Ohne Parkplätze tote Hose?
Am Marktplatz wurden Mobilitätsgeschichten an der Stellwand gesammelt. Dass Autos zu schnell durch die Stadt fahren, ist ein Kritikpunkt. Man brauche Bushaltestellen mit Dach und für Radfahrer weniger hohe Randsteine.
„Wenn es keine Parkplätze gibt, verlieren wir Kunden“, ist eine Befürchtung. „Hier ist tote Hose“, steht auf einem anderen Zettel, wobei allerdings der nicht ganz angemessene Vergleich mit Freiburg gezogen wird.
Ein super Projekt
Zum Gespräch mit Vertretern des Verkehrsministeriums, des Regierungspräsidiums, des Landratsamt, der Stadt mit Bürgermeister Jens Keucher, der Schulen und Kulturtreibenden von der Halle 16 waren die Professoren Ute Meyer und Christoph Hupfer vom Baden-Württemberg-Institut für nachhaltige Mobilität gekommen.
Beide zogen nach einer Woche eine positive Bilanz. „Sulz war super für das Projekt“, es hätte nicht besser sein können, angefangen von der Verwaltung bis zum Bürgerengagement. Mit ein Ziel der „schnellen Eingreifgruppe“ sei es gewesen, mehr Lebensqualität in die Kernstadt zu bringen und die Straßen wieder als Lebensräume zu entdecken.
Bummelnd ins Geschäft
Die Impuls-Teammitglieder wollten beispielsweise Anregungen geben, wie die Leute dazu gebracht werden könnten, mehr zu Fuß in der Stadt zu gehen. Das könnte gelingen, indem die Wege zum Bummeln in der Stadt so angenehm wie möglich gemacht würden.
Von einer höheren Fußgängerfrequenz, so die Überlegung, würden nicht zuletzt die Geschäfte profitieren. „Unsere Botschaft ist: Einfach machen, dann treten wir etwas los“, sagte Ute Meyer.
Konzert und Jonglage
Nachmittags ist der Becherberg, sonst Schauplatz des Hexenflugs an der Fasnet, in eine Zuhörertribüne umgewandelt worden. Die Stadtkapelle gab ein Konzert, das die Zuhörer sichtlich genossen.
Ernesto Lucas Herrera Orta ist nicht nur Künstler, sondern auch Zirkusjongleur. Zusammen mit Fabian Seewald aus Stuttgart gab er eine Vorstellung.
Außerdem hat der Zeichner und Kalligraph, der aus Mexiko-City stammt, die Sulzer Hexe karikiert und davon Linoldrucke angefertigt.