Drei E-Ladesäulen gibt es bereits in Schömberg. Nun wird über einen vierten Standort nachgedacht. (Symbolbild) Foto: picture alliance/dpa

Von A nach B ohne eigenes Auto: Das erweist sich im ländlichen Raum nicht immer als einfach. Schömberg öffnet sich für innovative Lösungen.

Mit insgesamt drei E-Ladesäulen ist Schömberg gar nicht schlecht aufgestellt. Die der OEW befindet sich am Marktplatz, Eppler am Feuerwehrgerätehaus (Wellendinger Straße 48) und eine weitere am Autohaus Weinmann. Nun liebäugelt die Stadt mit einem E-Car-Sharing-Angebot vom Anbieter „deer“.

 

Neben der Kreisstadt Balingen wäre Schömberg damit Vorreiter im Zollernalbkreis. Der Nachbarkreis Rottweil ist in dieser Hinsicht schon etwas besser aufgestellt: Neben zwei bestehenden Standorten in Zimmern ob Rottweil sowie einer in Königsfeld im Schwarzwald sind zehn weitere in der Technischen Umsetzung und somit kurz vor der Eröffnung.

„Unsere Mission ist es, Lebensbereiche zu verbinden“, erklärte Katrien Weeber, Junior Sales Projektmanagerin, bei ihrer Präsentation. „Dazu gehören etwa Arbeit, Wohnen und Urlaub, aber auch Kultur, Einkaufen und Freizeit.“ In der Sitzung tagte der Gemeinderat in der Wellendinger Straße 48 gemeinsam mit dem Ortschaftsrat. Die Muttergesellschaft ENCW (Energie Calw GmbH) wurde bereits 2007 gegründet und investiert seit 2011 in Elektromobilität. Aufgrund steigender Nachfrage nach Mobilitätslösungen wurde 2019 „deer“ gegründet, um die Ladeinfrastruktur und das E-Carsharing-Angebot voranzutreiben.

1172 Ladepunkte wurden seitdem in ganz Süddeutschland aufgestellt. Knapp 30.000 Kundinnen und Kunden nutzen das Angebot bereits. Die Fuhrparkflotte besteht aus 1074 vollelektrischen Fahrzeugen.

Vorteile des E-Car-Sharing

Laut den Angaben von deer stehe ein privates Auto rund 23 Stunden pro Tag ohnehin ungenutzt in der Garage und ein Carsharing-Fahrzeug ersetze im Schnitt rund zehn Privatfahrzeuge. Das Angebot wird als Erweiterung des öffentlichen Personennahverkehrs verstanden. „Jeder fünfte Haushalt verfügt über ein Zweitfahrzeug, welches durch Car-Sharing eingespart werden kann“, so Weeber. „Bei unter 14.000 Kilometern Fahrleistung pro Jahr fährt man mit deer günstiger.“

Als große Vorteile verweist das Unternehmen auf Stationsflexibilität, also dass eine Fahrt an einem Standort beginnen und an einem anderen enden kann. Außerdem handelt es sich um „ökologische Mobilität“, da die ausschließlich vollelektrischen Fahrzeuge mit Ökostrom geladen werden.

Kostenpunkt

Die Fahrten können über die „deer sharing“-App gebucht werden, nachdem die Registrierung mit verifiziertem Führerschein erfolgreich war. Für eine Stunde zahlt der Kunde knapp 13 Euro, für einen Tag werden ab 5,5 Stunden knapp 60 Euro fällig. Das Nachladen an deer-Ladesäulen ist kostenlos, das Laden an Fremdsäulen wird dem Kunden eins zu eins in Rechnung gestellt.

Den Gemeinden stehen unterschiedliche Angebote zur Verfügung. Es besteht die Option, eine Ladesäule käuflich zu erwerben. Die Einmalkosten liegen bei 14.500 Euro plus jährliche Kosten für Wartung von 500 Euro.

Aber: „Unser Ziel sind keine Insellösungen, sondern dass sich Kommunen zusammenschließen“, so Weeber. Hier würden lediglich einmalige Kosten in Höhe von 8.700 Euro anfallen, die Säule bliebe aber im Besitz des Unternehmens und nicht der Kommune.

Möglichkeit Säulen zu übernehmen

Es bestünde zwar die Möglichkeit, die Eppler-Säule für ebenfalls rund 8000 Euro zu übernehmen, das Gremium zeigte aber anderweitig Interesse. „Lieber 300 Euro mehr zahlen und dafür eine zentrale Ladesäule anstatt die hier draußen käuflich zu erwerben“, äußerte sich Stadtrat Frank Polich

Eine weitere Standortoption sieht das Gremium bei der ehemaligen Telefonzelle direkt an der B27 (Kreuzung Balinger Straße und Schweizer Straße). Bevorzugt wird der Zusammenschluss mit einer anderen Kommune.

Konkret wurde in der Sitzung jedoch keine genannt. Dementsprechend wurde der Beschluss bei einer Gegenstimme mehrheitlich gefasst. Die Schömberger Verwaltung bleibt in Verhandlung mit „deer“.