380 Stationen für E-Autos zum Car-Sharing betreibt die Firma Deer bundesweit – einen in Balingen. Der Ladepunkt am Bahnhof ist der einzige im Landkreis. Wie kommt das geteilte E-Auto bei den Nutzern an?
Niemand wollte im Januar mit dem E-Auto fahren, das zum Mieten am Balinger Bahnhof parkt – das zumindest zeigt die Aufstellung, die die Betreiberfirma Deer den Stadtwerken präsentiert hat. SWB-Sprecherin Tamara Sauer gab den Mitgliedern des Stadtwerke-Ausschusses in der jüngsten Sitzung Einblick in das noch junge Projekt.
Seit Juni 2023 gibt es das Angebot in Balingen. Es ist das einzige im gesamten Zollernalbkreis und daran mag es liegen, mutmaßte Sauer, dass das Car-Sharing nur langsam in Fahrt kommt. Das Netz soll aber weiter ausgebaut werden, damit mehr Menschen auf das Teil-Modell umsteigen. Bis Oktober 2024 wurde der weiße Wagen 203 Mal ausgeborgt, am häufigsten im Mai mit 38 Buchungen.
Der Strom kommt aus Calw
Die Ladesäule gehört den Stadtwerken. 30.000 Euro hat sie gekostet, mit der Nutzung seien die Betreiber zufrieden, berichtet Sauer. Einnahmen durch den Stromverkauf – abgesehen von der Grundgebühr und den Netzentgelten – haben die Stadtwerke nicht, der Strom werde von einem Calwer Anbieter geliefert. In Calw hat Deer seinen Firmensitz.
Was aber haben die Stadtwerke von dem Car-Sharing-Angebot? „Der Mehrwert besteht darin, dass wir uns als innovativer Partner präsentieren“, so Sauer. Sie verwies auf das Elina-Projekt, also den Nahverkehrsbus, der sich beim Fahren selbst auflädt. Auch hier sei Balingen Vorreiter – und das weltweit. „So wird für die Öffentlichkeit ein Schuh draus.“
Ist das Car-Sharing Konkurrenz zum Rufbus?
Sauer hat das Car-Sharing schon selbst ausprobiert. Nutzer benötigen eine App, mittels derer sie den Wagen zum Wunschtermin reservieren und dann auch entriegeln können. Der Schlüssel liegt dann im Auto. Dieses kann wieder am Bahnhof abgestellt werden oder an anderen Standorten, beispielsweise am Flughafen oder Bahnhof in Stuttgart.
Das haben Bekannte von Erwin Feucht (Grüne) bereits ausprobiert, erzählt er. Sie seien zu viert von Balingen aus zum Fernzug aufgebrochen. In Stuttgart habe die Betreiberfirma eine eigene Parketage. „Pro Person haben meine Bekannten für die Fahrt 15 Euro bezahlt.“
Marc Eberhart (CDU) stellte die Frage in den Raum, ob das Car-Sharing nicht Konkurrenz sei zum Rufbus oder dem „Fleckahopser“. „Nein“, meinte Sauer. „Da müssen Sie ja nicht selbst fahren.“Für Dominik Ochs (SPD) klingt das Konzept „transparenter als jede Autovermietung im Ausland.“
Beitrag zum Klimaschutz
Ob die Stadt denn nicht ein ganzheitliches Verkehrskonzept erstellen könne, damit die Menschen auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen? Das wollte Stephan Reuß (FDP) an Oberbürgermeister Dirk Abel gerichtet wissen. Das Stadtoberhaupt dazu: „In internen Arbeitsgruppen wird ein Klimaschutzkonzept erarbeitet.“ Dazu gehöre auch ein Mobilitätskonzept für die bessere Nutzung von Rad oder Bus. „Leider können wir als Stadt nur einen kleinen Teil zum Klimaschutz beitragen.“