Damit es auch in der Wirtschaft funkt, haben die IHKs des Regierungsbezirks Freiburg den Status Quo in Sachen Mobilfunkversorgung ausgelotet. Foto: © Николай Батаев – stock.adobe.com

"Ohne Mobilfunk keine Digitalisierung", auf diesen Nenner bringen die drei Industrie- und Handelskammern Schwarzwald-Baar-Heuberg, Südlicher Oberrhein und Hochrhein-Bodensee ihre Forderung, sie zu tilgen: die weißen Flecken. Im Rahmen ihrer Analyse im Regierungsbezirk Freiburg traten sie zutage.

Schwarzwald-Baar-Kreis - Das Wissenschaftliche Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste WIK Consult hat die weißen Flecken auf der Landkarte des Regierungspräsidiums Freiburg entlarvt.

Den Finger mitten in die Wunde gelegt

In umfangreichen Analysen und Detailbetrachtungen nahm man im Zuge der Studie die Versorgung mit leistungsstarkem Mobilfunknetz, aber auch mit Breitband, unter die Lupe, um den Finger mitten in die Wunde zu legen und haarklein herauszufinden, wo es hapert. Dass man sich diese Mühe machte, hat einen Grund: Rund 100 000 Betriebe, für die die drei IHKs Sprachrohr sind, benötigen für Innovation, Forschung und Transformation kaum etwas dringender, als das Stopfen dieser Löcher. "Je besser die Unternehmen mit Mobilfunkfunk versorgt sind, desto besser sind sie", findet die IHK-Präsidentin der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg, Birgit Hakenjos-Boyd und fügt hinzu, dass davon letztlich anhand höherer Steuereinnahmen auch die Kommunen profitieren.

"Die neue Eisenbahn"

Die digitale Infrastruktur sei "die neue Eisenbahn", die Lebensversicherung des ländlichen Raums, betonte die Präsidentin und zeigte anhand einiger Beispiele vom Notruf, digitalen 5G-Campusanwendungen und der digitalen Alarmierung über das digitale Arbeiten im Homeoffice bis hin zu Fertigungen in Betrieben auf, warum das so ist. WIK-Direktor Bernd Sörries setzte noch einen drauf – er ließ Smart Cities mit intelligenter Verkehrssteuerung, Großveranstaltungen und smarten Tourismus, die mobile Notfallversorgung und die Zustandsanalyse der Wälder mittels Drohnen Revue passieren. Um zukunftsfähig aufgestellt zu sein, müssten Gewerbegebiete und Transportwege digital bestmöglich angebunden werden, so die klare Forderung der drei IHKs.

1797 Haushalte ohne LTE

Um dem Nachdruck zu verleihen, ließen sie von WIK Consult den Mobilfunkatlas aufstellen. Und der ist eindrücklich: Er zeigt viele weiße Flecken. 96,82 Quadratkilometer im Schwarzwald-Baar-Kreis, 1797 Haushalte, 1187 Gebäude – davon 805 Wohn-, 36 Geschäfts- und 346 gemischte Gebäude sind in Sachen LTE unversorgt. Im Kreis Rottweil sieht es nicht besser aus: Der weiße Fleck dort misst in Summe 29,37 Quadratkilometer, betroffen sind 349 Haushalte, 346 Gebäude – darunter 242 Wohn-, sieben Firmen- und 180 gemischt genutzte Gebäude. Kurz um: Es besteht Handlungsbedarf. Und: Gemeinsam ist man stärker. "Wenn das jeder Kreis, jede IHK, alleine macht, ist das so ein bisschen der Kampf gegen Windmühlen, findet Sörries.

Eberhard Liebherr, Präsident der IHK südlicher Oberrhein, ist sich sicher: "Schnelles Internet ist ein entscheidender Standortfaktor", der flächendeckende, leistungsfähige Ausbau von Mobilfunk und Breitband sei das wichtigste Kriterium. Und auch er sparte nicht mit eindrucksvollen Zahlen, um das zu verdeutlichen: Bis 2025, so Liebherr, sollen weltweit rund 75 Milliarden mobilfunkfähige, vernetzte Geräte existieren, dreimal so viele wie heute. Alles was miteinander vernetzt werden könne, werde miteinander vernetzt. Dass dabei der heutige Standard LTE nur bedingt hilfreich sei, erklärte Bernd Sörries – und auch Wifi ist in den Augen der Initiatoren des Mobilfunkatlasses nicht das Allheilmittel. Selbst bei 5G werde es nicht bleiben – "Sie ist nur eine von vielen Kommunikationstechnologien", aber: 5G habe gegenüber Wifi viele Vorteile. Nicht zuletzt seien das eine niedrige Latenz und eine hohe Sicherheit, denn Wifi könne im Gegensatz dazu jeder nutzen. 5G erlaube nicht nur sehr hohe Datenraten, sondern könne die gerade in der Region so notwendige digitale Transformation unterstützen, es erlaube Anwendungen und Produktdienstleistungen entlang der Wertschöpfungskette. Wie das am Ende aussieht? Da wird bei Daimler beispielsweise das klassische Fließband durch ein fahrerloses Transportsystem (FTS) ersetzt, das die Montagestationen intelligent beliefert oder im Krankenhaus werden Blutproben berührungslos von A nach B transportiert. In der Gegenwart ist diese für viele wie Science Fiction anmutende Arbeitswelt längst angekommen – vorausgesetzt, die Mobilfunkversorgung stimmt.