Wer in der Kernstadt mit Vodafone surfen und telefonieren will, hat Pech. Auch die Telekom hat Probleme – wohl wegen der Topografie. Lediglich bei Telefónica läuft’s angeblich.
Die Kulturbahn nähert sich Bad Liebenzell – egal ob sie von Calw oder aus Richtung Pforzheim her kommt –, und der Mobilfunkempfang ist weg. Telefonieren ist unmöglich, die Internetnutzung ebenfalls.
Dass sich im Nagoldtal immer mal wieder Funklöcher auftun, das sind Mobilfunknutzer gewohnt. Dass es aber sogar am Bahnhof, wenn der Zug steht, dauerhaft keinen Empfang gibt, das ist auffallend und seit etwa anderthalb Wochen der Fall. Betroffen ist im geschilderten Fall das Vodafonenetz. Das jetzt also auch noch? Denn zuletzt hatten Telekomkunden beklagt, dass der Empfang in der Kernstadt und in Unterhaugstett zu wünschen übrig lässt.
Topografie macht der Telekom Probleme
Die Probleme der Telekom Ein Leser aus dem Liebenzeller Wohngebiet Kaffeehof mit Telekom-Vertrag hatte sich vor gut einem Monat an unsere Redaktion gewandt. Er berichtete von Telefonaten, die abreißen, und fehlendem mobilen Internet – nicht nur bei ihm, sondern auch bei weiteren Telekomkunden. „Sobald man aus Liebenzell rausgeht, ist die Verbindung da“.
Auf Anfrage unserer Redaktion hin teilte ein Pressesprecher des Unternehmens dann zum einen mit, dass Wartungsarbeiten laufen, die Einschränkungen mit sich bringen. Zum anderen werde der Kaffeehof derzeit „nur mit 2G versorgt“. 2G ist ein alter und langsamer Mobilfunkstandard.
Als Grund vermutete der Sprecher die Topografie: Denn eigentlich liefen die drei Mobilfunkmasten im Stadtgebiet bereits mit dem schnellen 5G.
Auf unsere Berichterstattung hin meldete sich eine weitere Leserin – dieses Mal aus Unterhaugstett. Auch sie ist nach eigenen Angaben Telekomkundin, auch sie schildert Probleme wie der Kaffeehof-Bewohner.
Die Krux mit der Topografie „Nach unserer Einschätzung hängt die unzureichende Versorgung mit der örtlichen Topografie zusammen“, erklärte Telekom-Sprecher Nico Göricke auf erneute Nachfrage. Der Sender befinde sich auf etwa 480 Metern Höhe, während der betroffene Bereich des Kaffeehofs sowie Unterhaugstett auf rund 400 Metern lägen. „Dadurch kann es vorkommen, dass bestimmte Funkfrequenzen nicht ausreichend empfangen werden.“ Gleichzeitig spiele die örtliche Bebauung eine wichtige Rolle.
Argumente „ist nicht richtig“
Die Unterhaugstetterin lässt das so nicht stehen: „Das Argument, dass Unterhaugstett in einer Senke liegt, ist nicht richtig. Ich habe auf einer topografischen Karte nachgeschaut.“ Die Straße, in der sie wohne, liege auf 540 Metern – also offensichtlich in keiner Senke. Guten Empfang habe sie dennoch nicht.
Und dass die 2G-Technik eine andere Reichweite und Gebäudedurchdringung aufweise wie LTE oder 5G, was der Sprecher ebenfalls anführte, lässt sie auch nicht gelten. Die Frau sagt, sie wohne in einem Blockhaus. „Holz hat die geringste Dichte und lässt Funkfrequenzen besser passieren als zum Beispiel Stein oder Beton.“
Woran hakt es bei Vodafone? Die Durchdringung dürfte auch bei der Kulturbahn keine Rolle spielen: Warum also gibt es im Zug seit Kurzem, sobald er Bad Liebenzell passiert, keinen Mobilfunkempfang im Vodafone-Netz mehr? Und haben diese Probleme etwas mit denen der Telekom zu tun?
Grundsätzlich sei Bad Liebenzell im Vodafone-Netz sehr gut versorgt. Drei Mobilfunkstationen gebe es: in Monakam, Möttlingen und Maisenbach-Zainen „sowie etliche Standorte im direkten Umfeld des Stadtgebiets“, erklärt Konzernsprecher Volker Petendorf.
Allerdings führt Vodafone seit 10. November und bis voraussichtlich Freitag, 21. November, „an einer Mobilfunkstation wichtige Umbau- und Modernisierungsarbeiten durch“. „Während der Bauphase muss diese Station vorübergehend abgeschaltet werden“, erklärt Petendorf. Der Mobilfunkverkehr werde über die umliegenden Standorte geführt. „Dennoch lassen sich vorübergehende Einschränkungen bei einzelnen Kunden“ nicht vermeiden.
Auswirkungen auf Empfang in Kernstadt „ungewöhnlich“
Betroffen allerdings ist nach Angaben des Sprechers gar nicht Liebenzell direkt, eher trifft es Kunden Richtung Biet und Tiefenbronn. Kein Empfang in der Kernstadt sei „ungewöhnlich“. Rein zeitlich indes passt es: Der Beginn der Arbeiten am 10. November liegt knapp zwei Wochen zurück. So lange hapert es in etwa mit dem Empfang, zumindest in der Kulturbahn.
Das sagt Telefónica Der dritte große Netzbetreiber in Deutschland ist Telefónica. Der erklärt auf Nachfrage: „Das O2-Netz in Bad Liebenzell funktioniert einwandfrei. Einschränkungen lagen beziehungsweise liegen nicht vor.“ O2 Telefónica hat drei Mobilfunkstandorte im Stadtgebiet. Alle drei senden „mit dem modernen 5G Standard sowie mit 4G/LTE und 2G/GSM“.
Infokasten
Auch Kritiker melden sich zu Wort
Der Mobilfunk ist ein Thema, bei dem in Bad Liebenzell die Meinungen auseinander gehen: In Maisenbach-Zainen etwa fand erst vor Kurzem eine Infoveranstaltung statt. Dort ging es um den geplanten Bau eines Mobilfunkmasts zwischen Maisenbach-Zainen und Unterlengenhardt. Anwohner, die eine hohe Strahlenbelastung fürchten, brachten dabei ihre Besorgnis zum Ausdruck. Ein Vertreter des Kommunikationsunternehmens Telefónica erklärte derweil, dass es bisher keinen Hinweis darauf gebe, dass Mobilfunkstrahlung schädlich sei, solange die Grenzwerte eingehalten würden. Darüber hinaus gibt es in Bad Liebenzell seit Längerem die „Bürgerinitiative 5G-freies Bad Liebenzell“. Entsprechende Banner hängen seit Jahren an der Ortsdurchfahrt.
Auch Kritiker melden sich zu Wort
Der Mobilfunk
ist ein Thema, bei dem in Bad Liebenzell die Meinungen auseinander gehen: In Maisenbach-Zainen etwa fand erst vor Kurzem eine Infoveranstaltung statt. Dort ging es um den geplanten Bau eines Mobilfunkmasts zwischen Maisenbach-Zainen und Unterlengenhardt. Anwohner, die eine hohe Strahlenbelastung fürchten, brachten dabei ihre Besorgnis zum Ausdruck. Ein Vertreter des Kommunikationsunternehmens Telefónica erklärte derweil, dass es bisher keinen Hinweis darauf gebe, dass Mobilfunkstrahlung schädlich sei, solange die Grenzwerte eingehalten würden. Darüber hinaus gibt es in Bad Liebenzell seit Längerem die „Bürgerinitiative 5G-freies Bad Liebenzell“. Entsprechende Banner hängen seit Jahren an der Ortsdurchfahrt.