Zum Thema Aufbau eines Mobilfunksendemasts in Waldmössingen hat unser Leser Heinz Hansen aus Wolfach folgende Meinung.
Denn sie wussten was sie taten
Als langjähriger früherer Hausarzt in Waldmössingen, dem die Gesundheit seiner ehemaligen Patienten weiterhin am Herzen liegt, ist es mir nicht nur ein Bedürfnis, sondern ich sehe es auch als meine Pflicht, mich im Zusammenhang mit den merkwürdigen Vorgängen rund um die Errichtung eines Mobilfunksendemastes in unmittelbarer Nähe zu einem Wohngebiet noch mal zu äußern.
Gerne hätte ich dies in der „Bürgerfragestunde“ während der Ortschaftsratssitzung am 6. Oktober getan. Doch leider wurde mir vom damaligen Ortsvorsteher das Wort entzogen, beziehungsweise erst gar nicht erteilt. Die Begründung lautete, da ich aktuell nicht Bürger Waldmössingens sei, habe ich kein Rederecht.
Neben meinen ärztlichen Erfahrungen, die ich im jahrzehntelangen Umgang mit strahlensensiblen Patienten machte, sei noch einmal darauf hingewiesen, dass die Studienlage zur schädigenden Wirkung der Strahlenbelastung durch Mobilfunk immer aussagekräftiger wird, insbesondere zur Schädigung der Fruchtbarkeit, Veränderung des Hirnstoffwechsels und zu oxidativem Stress (Zellstress).
Bezüglich des Krebspotenzials ist zu sagen, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Mobilfunkstrahlung seit 2011 als möglicherweise krebserregend einstuft und eine Neubewertung der Einstufung nichtionisierender Strahlung bis 2029 plant.
Die in Deutschland geltenden Grenzwerte berücksichtigen in keiner Weise den derzeitigen Forschungsstand und sind daher nicht haltbar. Zahlreiche Länder haben deutlich niedrigere Grenzwerte festgelegt (Italien, Schweiz, Belgien, Polen, Russland).
Die derzeit gültigen Werte schützen weder Kinder noch Allgemeinbevölkerung. Sie wurden 1998 festgelegt und berücksichtigen ausschließlich den Schutz vor Gewebeerwärmung. Trotz aller Kritik seitens Wissenschaft und Forschung blieben sie unverändert.
Vor diesem Hintergrund sehe ich das Verhalten der Verantwortlichen als zynisch an, trotz der bekannten Risiken und Gefährdungen, der Errichtung des geplanten Sendemastes in unmittelbarer Nähe zu Wohnbebauung, Sportstätten, Kinderspielplatz und Tiergehege zuzustimmen.
Mein Appell an alle Entscheidungsträger: Bitte tun Sie alles in Ihrer Macht stehende, um den Bau eines Sendemastes an dem bisher vorgesehenen Ort zu verhindern, zumal es nicht nur gleichwertige, sondern sogar bessere Alternativen gibt.
Wir werden den nachfolgenden Generationen einiges an Erklärungen schuldig bleiben. Lediglich eine einzige Erklärung darf es nie geben: Tut uns leid, wir haben von alldem nichts gewusst.
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