Ohne Mobilfunk, Internet und zuverlässige Datenübertragung hilft das beste Smartphone nichts: Eine gute Netzabdeckung ist auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Foto: Wolf von Dewitz/dpa

Viel getan, viel zu tun: So lautete das Fazit in Sachen Mobilfunkabdeckung der IHK für drei ihrer Gebiete. Der Mobilfunkatlas zeigt: Die Ortenau ist bei der Versorgung ganz gut dabei, hat aber auch noch einen großen weißen Fleck, der schwer zu beseitigen ist.

An der Wichtigkeit des Mobilfunkausbaus herrschte bei der IHK-Pressekonferenz kein Zweifel. „Das digitale Netz ist die Eisenbahn des 21. Jahrhunderts“, erklärte Brigitta Schrempp, Vizepräsidentin IHK Südlicher Oberrhein. „Wer heute kein stabiles Mobilfunknetz hat, der ist abgehängt – digital, wirtschaftlich und gesellschaftlich“, machte Birgit Hackenjos, Präsidentin IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, deutlich.

 

Diese hat zusammen mit der IHK Südlicher Oberrhein und der IHK Hochrhein-Bodensee den zweiten Mobilfunkatlas für den Regierungsbezirk Freiburg in Auftrag gegeben. Bernd Sörries, Direktor von WIK (Wissenschaftliches Institut für Infrastruktur und Kommunikation) Consult stellte am Freitag dessen wichtigste Zahlen vor – auch für die Ortenau:

LTE-Abdeckung: In Sachen LTE ist die Ortenau bei der Mobilfunkabdeckung durchschnittlich dabei. Bei 64 Prozent der Fläche haben die Nutzer eine gute Netzabdeckung von allen drei Netzbetreibern (Durchschnitt: 64 Prozent). Bei 16 Prozent der Fläche (Durchschnitt: 19 Prozent) sind es noch zwei Netzbetreiber, bei elf Prozent (Durchschnitt: elf Prozent) ist es nur noch einer, bei acht Prozent steht gar keiner zur Verfügung (Durchschnitt: sieben Prozent).

Spitzenreiter in Sachen LTE-Abdeckung ist Freiburg: In 85 Prozent aller dortigen Flächen haben die Nutzer die Wahl zwischen drei Anbietern, in nur zwei Prozent gibt es gar keinen Netzbetreiber. Schlusslicht Waldshut hingegen hat nur auf 49 Prozent aller Flächen die Wahl zwischen drei Anbietern und in elf Prozent steht gar kein Anbieter zur Verfügung.

Die Versorgung mit LTE in den drei IHK-Gebieten Foto: WIK

5G-Abdeckung: Ein ähnlich durchschnittliches Bild wie bei der LTE zeigt sich in der Ortenau auch bei der 5G-Versorgung: Auf 35 Prozent der Flächen stehen drei Anbieter zur Auswahl (Durchschnitt: 34 Prozent), die Wahl zwischen zwei Anbietern haben Nutzer bei 22 Prozent (Durchschnitt: 26 Prozent) der Flächen. Einen Anbieter gibt es immerhin noch bei 25 Prozent der Flächen (Durchschnitt: 23 Prozent) und gar keinen bei 17 Prozent (Durchschnitt 18 Prozent).

Spitzenreiter Freiburg gibt bei 62 Prozent aller Flächen die Wahl zwischen drei Anbietern und nur bei sechs Prozent aller Flächen hat Freiburg gar keinen Anbieter im Angebot. Schlusslicht Waldshut kann nur bei 21 Prozent aller Flächen drei Anbieter vorweisen und bei 26 Prozent gar keinen.

Versorgungslücke ist bei Ettenheim, Mahlberg, Kippenheim und Seelbach

Größte Lücken: Platz zehn der größten Versorgungslücken befindet sich in der Ortenau: Die Gemeinden Ettenheim, Mahlberg, Kippenheim und Seelbach haben zusammen eine 8,8 Quadratkilometer große Fläche ohne Mobilfunkempfang, allerdings sind davon nur 16 Haushalte betroffen.

Zum Vergleich: Platz eins der weißen Flecken belegen Gaienhofen und Öhningen am Bodensee mit 12,4 Quadratkilometer und 1147 Haushalten, Platz zwei Hohentengen am Hochrhein mit 10,9 Quadratkilometern und 1324 Haushalten.

Ausbauschwierigkeiten: Stefan Krebs, Beauftragter der Landesregierung für Informationstechnologie, erklärte, dass sich die Milliarden-Offensive, die Baden-Württemberg 2016 in Sachen Breitband gestartet hatte, ausgezahlt habe. Insgesamt 6,7 Milliarden Euro seien von Bund und Land seitdem investiert worden – ein bundesweiter Spitzenwert.

Während 2016 nur 1,4 Prozent aller Haushalte im Gigabit-Bereich unterwegs waren, waren es Mitte 2024 bereits 74,06 Prozent. Das helfe auch dem Mobilfunkausbau, denn für 5G sei bei den Mobilfunkmasten auch ein Glasfaseranschluss nötig.

Insgesamt seien im Ländle 96 Prozent der Flächen mit 4G und mehr als 90 Prozent mit 5G ausgestattet. Jedoch gebe es immer noch Versorgungslücken, gibt Krebs zu – vor allem in Grenzbereichen und bei schwieriger Topographie mit Wäldern und Tälern. Letztere ist auch das Problem beim großen Ortenauer Funkloch. Aber auch da sei man dran.

Mithilfe eines Förderprogramms des Bunds sollen 53 neue geförderte Mobilfunkmasten dort entstehen, wo sich der privatwirtschaftliche Ausbau nicht lohnt, – 30 davon im Regierungsbezirk Freiburg.

Unterstützung

Stefan Krebs mahnte die Kommunen an den Mobilfunkausbau zu unterstützen, indem sie für Masten Flächen zur Verfügung stellten – etwa auf Rathäusern. Zudem könne man die Funklöcher nicht von Stuttgart aus finden. Dafür brauche man regionale Partner.