Wer im Dreiländereck unterwegs ist, hat einiges zu beachten. Worin die Besonderheiten liegen und wo Kostenfallen lauern können, beleuchtet unser Ratgeber.
Im Smartphone-Menü bei „Automatische Netzwahl“ und „Daten-Roaming“ ein Häkchen setzen und lossurfen, und zwar egal, ob in Lörrach, Basel oder Mulhouse: Was in der Praxis in Sekundenschnelle erledigt und seit der Einführung des „Roam like at home“-Prinzips Mitte 2017 innerhalb der EU- und EWR-Staaten zu einer ländergrenzenlos einfachen Mobilfunknutzung führt, birgt nach wie vor Fallstricke – besonders im Grenzgebiet zur Schweiz.
Die Eidgenossenschaft ist weder Mitglied von EU noch EWR. Folglich gilt dort auch das entsprechende Roamingabkommen nicht, wonach das eigene Handy bei vorübergehenden (!) Aufenthalten in ausländischen Mobilfunknetzen ohne Aufschlag, sondern zu den im Heimatland geschlossenen Konditionen genutzt werden kann. Wer sich mit einem deutschen Handy in einem Schweizer Netz einbucht – dies kann, abhängig von den eigenen Handyeinstellungen, auch schon unbeabsichtigterweise auf deutscher Seite der Grenze passieren –, kann schnell einen Kostenschock erleben.
Beim „Roaming“, wie die Nutzung ausländischer Netze mit dem eigenen Handy heißt, fallen gerade außerhalb der EU Minuten-, SMS- und Datenpreise an, die Erinnerungen an die Mobilfunksteinzeit wecken können. Im besten Fall achtet man darauf, dass das eigene Smartphone auf „manuelle Netzwahl“ eingestellt und „Daten-Roaming“ deaktiviert ist, sofern man sich in Grenznähe zur Schweiz bewegt.
Fall Deutsche Telekom
Wer im Dreiländereck unterwegs ist und eine aktuelle Vertrags-SIM-Karte der Deutschen Telekom im Smartphone stecken hat, kann sich im Regelfall entspannt zurücklehnen: Als bisher einziger deutscher Netzbetreiber inkludiert die Telekom die Schweiz in ihre EU/EWR-Roaming-Zone – zumindest in den direkt von ihr selbst vermarkteten Postpaid-Tarifen. Zu beachten ist: Bei Resellern, virtuellen Netzbetreibern und auch Prepaidkarten im Telekom-Netz können völlig andere Konditionen gelten.
Konditionen der Betreiber
Wer eine SIM-Karte von O2, 1&1, Vodafone, einem Reseller oder von einem virtuellen Netzbetreiber nutzt, sollte vor Einbuchen in ein Schweizer Mobilfunknetz unbedingt seine individuelle Gebührentabelle studieren oder rechtzeitig ein passendes Roaming-Paket buchen, um einen Kostenschock zu vermeiden. O2 geht dabei seit kurzem einen eigenen Weg und aktiviert bei Grenzübertritt in ein Schweizer Mobilfunknetz automatisch das Paket „Roaming Plus Schweiz“. Dafür werden sofort 2,99 Euro fällig. Dafür kann man innerhalb von 24 Stunden in der Schweiz bis zu 300 MB Daten versurfen. Die rund drei Euro landen somit auch auf der eigenen Mobilfunkrechnung, wenn man nur schnell eine einzige WhatsApp à la „Bin gut angekommen“ verschickt oder online den Zugfahrplan gecheckt hat. Alternativ bieten O2, 1&1 und Vodafone auch Roamingpakete mit Monats- oder gar Zweijahresbindung und individuell inkludierten Daten- und Telefonievolumina an.
Kostenfalle WiFi-Calling
Wer aus Angst vor hohen Rechnungen die Nutzung ausländischer Mobilfunknetze in seinem Handymenü unterbunden beziehungsweise a sogar den Flugmodus aktiviert hat, kann sich im Ausland dennoch in ein offenes WLAN-Netz „einhängen“ (zum Beispiel im Hotel oder Café) und darüber mit seinem Handy telefonieren. Zuvor muss man im Handymenü bei „WLAN-Call“ oder „WiFi-Call“ ein Aktivierungshäkchen setzen. Doch Vorsicht: Über ein W-LAN-Netz zu telefonieren wird vom eigenen Mobilfunkbetreiber immer so behandelt, als befände man sich daheim in Deutschland (selbst wenn man im Hotel in den Schweizer Bergen sitzt). Heißt: W-LAN-Anrufe, zum Beispiel zur Familie in Deutschland, sind, sofern man eine Flatrate hat, kostenfrei. Wählt man via W-LAN-Call jedoch eine Schweizer Nummer, wird das Gespräch wie ein Gespräch von Deutschland ins Schweizer Ausland tarifiert. Und dies kann auch heute noch – Negativbeispiel Telekom – bis zu vergleichsweise teuren 69 Cent pro Minute kosten.
Funklöcher im Dreiland
Ein Funkloch-Klassiker ist die alte Rheintalbahnstrecke. Sitzt man ungefähr im Abschnitt zwischen Schliengen und Eimeldingen im Zug und möchte mobil telefonieren beziehungsweise surfen, aktiviert man am besten rechtzeitig das (Daten)-Roaming, damit das Handy sich in ein Netz von französischer Rheinseite einbuchen kann. Bedingt durch die Topographie funktionieren diese vor allem bei Rheinweiler, Bad Bellingen, Kleinkems und Istein oftmals wesentlich besser und stabiler als die deutschen Mobilfunknetze.
Ein weiteres, ebenfalls topographiebedingtes und obendrein großes Funkloch ist der halbe Westen von Grenzach. Im Bereich zwischen Rheinufer, Zollamt Grenzacher Horn, Hörnle, Rippel und Hornacker-Siedlung befindet sich nahezu jedes deutsche Handy schlagartig auf „Netzsuche“. Offenbar schirmt der Hornfelsen diesen Bereich der Gemeinde von den deutschen Mobilfunksendemasten zuverlässig ab. Obendrein dreiseitig von der Schweiz umklammert. Insofern ist hier eine sehr gute Schweizer, jedoch kaum deutsche Mobilfunkversorgung gegeben.
Fall Badischer Bahnhof
Der deutsche Bahnhof auf Schweizer Gebiet hat es mobilfunktechnisch in sich. Zumindest nach der starken Netzanzeige zu urteilen, scheint die Deutsche Telekom dort, obwohl Schweizer Territorium, einen sogar mit 4G aufgerüsteten Sender zu betreiben. Die Netzversorgung ist jedenfalls sehr gut. Nutzer anderer deutscher Netze müssen sich am Badischen Bahnhof mit Schweizer Roaming behelfen oder nutzen das von der Deutschen Bahn zur Verfügung gestellte offene W-LAN-Netz.
Sonderfall EuroAirport
Weil der Flughafen Basel-Mulhouse komplett auf französischem Gebiet liegt, mussten die dort bis dato präsenten drei Schweizer Mobilfunknetzbetreiber zum 24. Mai 2016 ihre Sendeantennen wieder abbauen. Seither empfängt man am und im EuroAirport ausschließlich französische Netze. Dies hatten die französischen Mobilfunkanbieter nach zähem Ringen politisch durchsetzen können.
Positivbeispiel Laufenburg
Wie es gehen kann, wenn zwei Gemeinden in zwei Ländern gleichzeitig im jeweils eigenen Funkschatten liegen, kann man am Beispiel Laufenburgs sehen. In der geteilten Stadt am Hochrhein haben sich der Schweizer Netzbetreiber Swisscom und die Deutsche Telekom sowie die beiden Staaten bilateral geeinigt. Ergebnis: Swisscom-Masten stehen auf deutscher Rheinseite und senden in die Schweiz hinüber, im Gegenzug decken Sender der Telekom vom Schweizer Laufenburg aus den badischen Teil der Stadt ab. Mit diesem pragmatischen Vorgehen wurden gleich zwei Funklöcher auf einmal geschlossen.
„Zones Blanches“ en France
In Frankreich geht man seit dem Jahr 2009 einen eigenen Weg zur Schließung von Mobilfunklöchern. Weil es sich für die vier Netzbetreiber in der Grande Nation nicht rentiert, in jedem abgelegenen Dörfchen oder dünn besiedelten Regionen jeweils eine eigene Sendeanlage zu betreiben, setzt man dort auf Gemeinschaftsantennen: Eine einzige wird gebaut, genutzt wird sie aber von allen Netzbetreibern. Das Ergebnis ist ein auf die entsprechende Funkzelle beschränktes nationales Roaming. Wer in einer solchen Zelle roamt, erkennt dies auf seinem Handydisplay entweder am virtuellen Netznamen „F-Contact“ oder bei älteren Geräten alternativ an einer mit „208“ beginnenden Netzidentifikationsnummer (MCC, Mobile Country Code).
In unserer Region kommt diese pragmatische Lösung zum Beispiel im Bereich des ehemaligen Klosters Lützel (Abbaye de Lucelle) zum Einsatz, das sich heute zum Teil auf Schweizer, zum Teil auf französischem Boden befindet. Nationales Roaming gibt es in Deutschland derzeit nur für Kunden des noch jungen vierten Netzbetreibers 1&1. Diese nutzen automatisch das Netz von Vodafone, wo 1&1 keinen eigenen Sender betreibt.