Zum Thema Mobilfunk in Waldmössingen meint unser Leser Raphael Bantle für die Bürgerinitiative für nachhaltigen Mobilfunk in Waldmössingen:
Beim Mobilfunkmast Kastellhalle zeigt sich ein konstantes Muster: Verantwortung ist beweglich. Mal betont Ortsvorsteher Reiner Ullrich, für die Standortwahl nicht zuständig zu sein, mal tritt er als zentrale Figur auf – mit Standortvorschlägen, Verteidigung der Telekom-Argumente und unterzeichnetem Pachtvertrag. Sobald Kritik kommt, wandert die Zuständigkeit zu Stadt, Telekom oder zu früheren Beschlüssen. Für einen Ortsvorsteher, der die Interessen seines Ortes vertreten sollte, wirkt dieses Hin und Her befremdlich.
Kein Schicksal
Die verfahrene Situation ist kein Schicksal, sondern das Ergebnis eines Informationsprozesses, der entscheidende Fakten spät an die Öffentlichkeit brachte. Wären die Bürger informiert worden, dass die Telekom den verworfenen Standort Kastellhalle weiterverfolgt, läge die Ablehnung der Anwohner seit zwei Jahren auf dem Tisch – als noch Verhandlungen möglich waren. Dass diese Transparenz fehlte, ist der Kern des Problems.
Paradoxerweise dient nun genau der unter diesen Bedingungen geschlossene Pachtvertrag als Begründung, dass alles unumkehrbar sei. Erst wird der Entscheidungsraum verengt, dann wird die Enge als Sachzwang präsentiert – so entsteht „Alternativlosigkeit“.
Aufarbeitung verdient
In der jüngsten Sitzung wurde das Muster deutlich: Verantwortung wanderte zwischen Verwaltung, Telekom und Vorgaben des Mobilfunkpaktes. Der Eindruck, man sei Beobachter eines unvermeidlichen Prozesses, wurde sichtbar bemüht. Lokale Entscheidungen, die zu diesem Ergebnis führten, sind dokumentiert – sie verdienen Aufarbeitung statt Zuständigkeits-Ping-Pong. Bürger haben Anspruch auf nachvollziehbare Entscheidungswege, vollständige Infos und Verantwortungsübernahme. Das heißt nicht Schultern zucken, sondern Fehler benennen und Handlungsspielräume nutzen, bevor man behauptet, alles sei „nicht mehr zu ändern“.
Raphael Bantle für die Bürgerinitiative für nachhaltigen Mobilfunk in WaldmössingenSchreiben Sie uns: leserbriefe@schwarzwaelder-bote.de. Mit der Übersendung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihr Leserbrief in der Printausgabe, im E-Paper sowie im Onlinedienst des Schwarzwälder Boten veröffentlicht wird. Wir behalten uns Kürzungen vor. Leserbriefe entsprechen nicht notwendig der Meinung der Redaktion.