Zwischen Maisenbach-Zainen und Unterlengenhardt soll ein Funkmast gebaut werden. Anwohner fürchten eine hohen Strahlenbelastung. Jetzt standen Experten Rede und Antwort.
Am Mittwochabend kamen neben rund 40 Bürgern auch Hilmar Möhlmann (Telefónica), Frank Gross (P + G Akquisition) und Florian Kohn (Bundesamt für Strahlenschutz) nach Maisenbach-Zainen. Alle waren einer Einladung des Ortsvorstehers Matthias Stepan gefolgt. Der hatte den Abend initiiert, nachdem bekannt wurde, dass in dem Teilort ein neuer Mobilfunkmast gebaut werden soll.
Wo soll der Funkmast stehen und warum?
Möhlmann erklärte, dass es von der Bundesnetzagentur vorgeschrieben sei, dass auf 99,5 Prozent der Fläche in Deutschland Mobilfunk verfügbar sein müsse. Insbesondere entlang der L 343 nach Schömberg gebe es Funklöcher. Auf einer Waldfläche von ForstBW oberhalb des Lengenbachs solle deshalb ein neuer Funkmast gebaut werden. Der sei 622 Meter von Unterlengenhardt und 670 Meter von Maisenbach entfernt. Alternativstandorte schieden aus, unter anderem weil die Kommune diese nicht wollte. Der Gittermast werde etwa 50 Meter hoch sein und auf den Frequenzen von 2G, 4G und 5G senden. Der Mast verbessere zudem die Netzabdeckung in Maisenbach-Zainen. Bauherr sei die American Tower Cooperation. Aktuell befinde man sich im Genehmigungsprozess. Dazu gehöre unter anderem eine Genehmigung der Bundesnetzagentur, welche die Strahlenbelastung misst. In Betreib gehe der Mast wohl erst 2027.
Angst vor Strahlung
Zum Infoabend waren vor allem Menschen gekommen, die befürchteten, künftig einer zu hohen Strahlenbelastung ausgesetzt zu sein. Wortführer dieser Gruppe war Norbert Paydl. Er erklärte, dass seine Frau unter Elektrohypersensibilität leide und beide deshalb extra nach Unterlengenhardt gezogen seien. Auch andere Menschen wohnten genau deshalb in dem Ort, weil die Strahlenbelastung gering sei. Der Funkmast ändere die Situation. Manche im Ort würden nun „voll bestrahlt“.
Paydl zitierte diverse Studien, darunter die ATHEM-3-Studie, welche die negativen Auswirkungen von Mobilfunk belegen sollen: Kopfschmerzen, Gehirntumore, Krebs, Erbgutschädigung. „Das ist alles kein Zufall“, so Paydl. In 20 Jahren würde man vor dieser Strahlung warnen wie heute vor Zigaretten, war sich er sicher. Paydl pochte auf das Vorsorgeprinzip, demnach Technik nur genutzt werden solle, wenn sie die Gesundheit sicher nicht schädige. Und er bemängelte, dass die Grenzwerte für für Mobilfunkstrahlung in Deutschland viel höher lägen, als in Polen oder Italien.
Keine negativen Wirkungen nachgewiesen
Kohn erklärte Paydl, dass viele der genannten Studien nicht wissenschaftlichen Standards entsprächen. Die ATHEM-3-Studie habe zum Beispiel nur zwölf Personen untersucht. Damit fehle die statistische Aussagekraft. Dafür brauche es weitaus höhere Fallzahlen. Seine Behörde prüfe alle Studien unabhängig und forsche auch selbst. Bisher gebe die Gesamtschau keinen Hinweis darauf, dass Mobilfunkstrahlung schädlich sei, solange die Grenzwerte eingehalten würden. Die Gesamtheit aller Strahlung dürfe dabei den Grenzwert nicht überschreiten. Die im Alltag stärkste Strahlungsquelle seien ohnehin Handys sowie Tablets – und nicht Funkmasten. Die Endgeräte würden nämlich meistens eng am Körper getragen.
Es stimme auch nicht, dass 5G besonders gefährlich sei. 5G nutze alte Frequenzen des terrestrischen Fernsehens, des abgeschalteten 3G-Netzes und des ehemaligen Richtfunks. Die Menschen seien diesen Frequenzen also schon in der Vergangenheit ausgesetzt worden. Die einzige negative Wirkung der Strahlung sei thermischer Art. Der Grenzwert sei aber um den Faktor 50 geringer als der Wert, ab dem es für den Menschen gefährlich werde.
Messungen vor Ort
Kohn hat zudem die aktuelle Belastung in Maisenbach, Zainen und Unterlengenhardt gemessen. Die lag demnach maximal bei 0,09 Volt pro Metern. Der Grenzwert liege bei 28 Volt pro Metern und werde also nicht einmal zu einem Prozent ausgereizt, so Kohn. Zudem habe seine Analyse gezeigt, dass die Belastung zu über 75 Prozent von TV- und Radio-Strahlung stamme. Eine weitere Quelle sei WLAN. Mobilfunk mache demnach nur einen kleinen Teil der insgesamt geringen Belastung aus.
Unterlengenhardt aussparen?
Es kam unter den Bürgern die Idee auf, die Antennen so auszurichten, dass Unterlengenhardt dabei im Strahlenfeld ausgespart werde. Möhlmann sagte, das sei theoretisch möglich. Aber es gebe ja auch Menschen, die dort Empfang haben möchten und entsprechende gesetzliche Vorgaben. Außerdem könne er das, wenn überhaupt, nur für Telefónica diskutieren. Den Masten könnten aber auch andere Telekommunikationsunternehmen nutzen – und ihre Antennen dann anders ausrichten.
Was ist Elektrohypersensibilität?
Von Kopfschmerzen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen sowie Müdigkeit
berichten Menschen in Zusammenhang mit Elektrohypersensibilität. Diese Beschwerden führen sie auf elektromagnetische Felder, wie sie im Mobilfunk und bei WLAN verwendet werden, zurück. Studien haben das Phänomen untersucht, allerdings keinen Nachweis gefunden. So untersuchte beispielsweise die Charité Berlin, ob Menschen in der Nähe von Funkmasten schlechter schlafen. Das Ergebnis: Für die Schlafqualität war egal, ob der Mast sendete oder nicht.
Forscher gehen vom Nocebo-Effekt aus. Vereinfacht gesagt: Wer negative Auswirkungen erwartet, hat Symptome. Die Universität Mainz teilte Menschen in einer Studie in zwei Gruppen und sagte, sie seien WLAN-Strahlung ausgesetzt. Die Personen berichteten von einem spürbaren Effekt - obwohl es die WLAN-Strahlung nie gab. Auch gibt es Studien, in denen elektrohypersensible Menschen nicht zuverlässig erkennen können, ob sie sich in der Nähe einer Strahlenquelle befinden oder nicht. Das bedeutet nicht, dass diese Menschen keine Symptome haben oder darunter nicht leiden. Allerdings kann die Wissenschaft stand jetzt keinen Zusammenhang der Symptome zu elektromagnetischen Feldern nachweisen.