Eine der Never-Ending-Storys, mit der sich gefühlt ganze Generationen von Talheimer Ortschaftsräten befassten, das war der Funkmast im Gewann „Weschental“. Jetzt fand diese Geschichte ein Ende – allerdings kein glückliches.
„Der Mast ist jetzt weg, er wurde anfangs der Woche umgelegt“, teilte Ortsvorsteher Anton Ade lapidar in der Ortschaftsratssitzung mit. „Und mit dem Mast ist auch das Netz weg“, schob Ortschaftsrat Stefan Merkle leicht frustriert nach. Internet und Mobilfunk möchte jeder – doch die Abstrahlungen eines Sendemasts nicht. So sahen es auch die Talheimer und wollten schon lange ihren „Problem-Mast“ im Weschental loswerden.
Seit vielen Jahren gab es starke Widerstände gegen diesen Funkmast. Obwohl die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten werden, befürchten die Anwohner gesundheitliche Schäden durch Strahlung.
Aus diesem Grund wurde der Mietvertrag für den Funkmast-Standort Weschental entsprechend eines Ortschaftsratsbeschlusses vom 15. Juli 2009 zum 31. Dezember 2021 gekündigt.
Zähneknirschend geduldet
Doch daraus wurde nichts, denn die Betreiberfirma, die Deutsche Funkturm GmbH (DFMG), eine Tochter der Telekom, sah sich nicht in er Lage, kurzfristig einen neuen Standort für einen Ersatz-Mast aus dem Boden zu stampfen.
Das Unternehmen stellte deshalb eine Duldungsanfrage nach der anderen an die Stadt Horb, jeweils verbunden mit der Bitte, den Betrieb im Gewann Weschental für ein weiteres Jahr zu dulden. Dies wurde von den Talheimer Ortschaftsräten auch Jahr für Jahr zähneknirschend geduldet, bis man Ende 2023 Tabula rasa machte.
Neues Kapazitäts-Problem
Rat Matthias Ade machte damals seinem Ärger recht drastisch Luft: „Ich habe jetzt endlich die Schnauze voll. Seit ich im Ortschaftsrat bin, ist dieses Thema mit auf der Tagesordnung. Wenn nichts passiert, dann soll man halt mit allen Konsequenzen abschalten.“ Das ist nun geschehen.
Doch man ist im Tal davon ausgegangen, dass der neue Funkmast, der zur Sicherstellung der Mobilfunkabdeckung im Gebiet „Obere Halde“ aufgestellt wurde, genau die bisherige Leistung widerspiegelt. Dem ist nicht so.
„Der neue Mast sendet nur mit halber Kapazität wie bisher“, erklärte ein bekannter Talheimer, die in der Nähe des alten Mastes wohnt.
Technik im Rückstand
Ade sprach von einer Riesensauerei, denn die Provider hätten versäumt, die aktuelle Sendetechnik, mit der der alte Mast ausreichend bestückt war, mit abzumontieren und diese am neuen Mast zu montieren. „Der Mast ist mit der aktuellen Technik gefallen“, so das ernüchternde Fazit.
„Mobilfunk gilt als Grundbedürfnis, ein Wegfall kann im Einzelfall existenzbedrohend sein“, machte Ortsvorsteher Ade deutlich und hob insbesondere die Sorge älterer Mitbürger hervor, die ohne Netz nicht einmal mehr den Notruf betätigen könnten.
Neuer Provider gesucht
Nun müssen sich die Talheimer einen Provider suchen, der die bisherige Leistungsstruktur weiter anbietet.
Insbesondere Kunden von O2 und Vodafone sind laut Ade betroffen. Sie haben seit Anfang der Woche nur noch sehr eingeschränkte Verbindungen .
Die Gefahr, dass der neue Sendemast nicht mehr die bisherige Leistung erzielen würde, war schon länger bekannt. Doch nun gibt es kein Zurück mehr. Der alte Sendemast samt Spitzentechnik liegt als Schrotthaufen und Betonklotz im Wald unterhalb des Sportheims und wird nach und nach abgetragen und entsorgt.