Den künstlerischen Auftakt zur Wolfacher Kulturreihe „Mittwochs im Museum“ absolvierten mit Claudia Schmid und Michael Weller zwei beliebte Aktive. Ihr Publikum unterhielten sie mit einer gekonnten Mischung verschiedener Musik-Stilrichtungen.
Ein Auftritt des Duos „SaxAccord“ eröffnete die neue Saison der Konzertreihe „Mittwochs im Museum“ in der Wolfacher Flößerstube. Christof Schillinger von „Kultur im Schloss“ freute sich, nach 2019 Claudia Schmid am Akkordeon und Michael Weller am Saxofon wieder „vor vollem Haus“ begrüßen zu können. Die Kombination Akkordeon und Saxofon verspreche eine große Bandbreite.
Konzertauftakt findet vor vollem Haus statt
Schmid und Weller wurden diesem Anspruch mit mehr als 20 Stücken verschiedener musikalischer Stilrichtungen gerecht. Tango, Swing, Dixieland, Bossanova, Paso doble und immer wieder der Musette-Walzer, bis auf wenige moderne, eigens für Akkordeon und Saxofon komponierte Stücke hatte Michael Weller „in zwei Tagen und Nächten“ Klassiker der Akkordeon-Literatur neu arrangiert. Bei klassischen Tangos führte meist Claudia Schmid mit dem Akkordeon, Weller bekam kleine und manchmal größere Freiheiten zum Improvisieren.
Letztlich fanden aber beide Tanzpartner wieder zur gemeinsamen Melodie zurück. Mit „Lovely jasmin“ brachten beide Musiker auch ihre von Gastgeber Christian Oberfell vor fünf Jahren gestellte „Hausaufgabe“ mit. Seinerzeit hatte Oberfell in dem bunten Strauß europäischer sowie nord- und südamerikanischer Melodien eine asiatische Melodie vermisst. Weller gestand, lange über dieser Hausaufgabe gesessen zu haben. Der Lobgesang auf das Erblühen des Jasmin aus dem China des 18. Jahrhunderts war halbwegs einfach in der Melodie für Akkordeon zu übertragen.
Die eingebetteten Motive mit dem Sopransaxofon seien seinem Ermessen nach aber „harmonisch gewöhnungsbedürftig“. Als Kompromiss erklangen lediglich die letzten Takte in der dissonanten Original-Tonart. Ein Blues mit zahlreichen Improvisationen über dem vom Akkordeon gewobenen Klangteppich, weitere Musette-Walzer, ein Klezmer und ein Jazz-Standard brachten das Duo wieder auf Kurs. „Sous le ciel de Paris“ und der Tango „Olé Guapa“ des niederländischen Tango-Meisters Antonio Malando führten zum bekanntesten Stück des Abends. „Take five“ fordert normale Orchester mit seinem prägenden Fünf-Viertel-Takt in besonderem Maße. Bei Claudia Schmid lagen sämtliche Orchester-Register in nur zwei Händen, mit der Verlässlichkeit eines menschlichen Metronoms war ausreichend Platz für Wellers Improvisationen des bekannten Jazz-Standards.
Nach der Pause streuten die beiden mit „Top of the world“ von den Carpenters und der Ballade „Hold on my heart“ der Band Genesis zwei Pop-Stücke in den schon bekannten Mix ein. Den neueren, für Akkordeon und Saxofon geschriebenen Stücken war das Bemühen der Komponisten anzumerken, die Melodieanteile möglichst gleich zu verteilen. An den Zauber der über ein Jahrhundert alten Stücke, in denen sich Akkordeon und Saxofon im Wettbewerb bewähren und zu einer Einheit finden müssen, reichten die neuen Kompositionen nicht heran.
Lieblingswalzer erklingt zum Abschluss des Abends
Im Tango „El chioclo“ aus dem Jahr 1903 erspielt sich Weller seinen Respekt durch präzise Stakkato-Noten, beschränkt sich aber beim Klassiker „Bei mir bist du schön“ darauf, Schmids Läufe auf dem Akkordeon mit Einwürfen zu garnieren. Mit dem Paso doble „Tanzimpressionen“ von Tillo Schlink präsentieren Schmid und Weller zum Ende hin ein wahres Kleinod, das Weller in einem meisterhaften Arrangement aufzupolieren verstand. Das begeisterte Publikum ließ „SaxAccord“ erst nach zwei Zugaben von der Bühne. Schmid und Weller genossen den Moment und spielten ein zweites Mal an diesem Abend ihren erklärten Lieblings-Musette-Walzer „Kir Royal“.
So geht’s weiter
Am Dienstag, 23. April, hält Cornelius Gorka im Museum einen Vortrag zum Schlossbrand 1947. Am Mittwoch, 15. Mai, findet in der Reihe ein Konzert mit dem „Gigolo Reinhardt Jazztett“ statt. Beides beginnt um 19 Uhr.