Bei Wahl eines Kindernamens sind Eltern im Mittleren Kinzigtal kreativ. Auswüchse sind bundesweit zu verzeichnen.
Mittleres Kinzigtal - Bei der Auswahl eines Namens für ihre Kinder sind die Eltern im Mittleren Kinzigtal 2013 kreativer geworden. Ein Trend für einen bestimmten Namen ist nicht zu erkennen. Leon, Lea und Leonie sind beliebt – aber eben nicht häufig. Bundesweit nimmt der Einfallsreichtum jedoch Auswüchse an, bei der auch die liberalsten Standesämter nicht mehr mitspielen können.
In den 1980-er Jahren war die Sache klar: Boris und Steffi standen in der Namenshitliste auf Platz eins. Die beiden berühmten Tennissportler hatten es den Eltern angetan. Und heute? Da müsste ja ein erfolgreicher Formel-1-Pilot mit seinem Vornamen herhalten. Aber die Luft für Sportidole scheint raus zu sein: Nicht ein einziger Sebastian ist auf der Geburtenliste der kommunalen Standesämter im Mittleren Kinzigtal zu finden.
Dafür sind vereinzelt Greta, Marie, Romy oder Alina bei den Mädchennamen wieder zu finden, die Jungen heißen beispielsweise Ben, Linus, Silas oder Tim. Vielleicht Jogi oder Joachim? Weit gefehlt. Klangvolle Namen scheinen da eher beliebt zu sein: Marvin, Soraya oder Janosch. Geht der Trend vom Sportidol in das Reich der Märchen, Musik und der Fantasy?
Denn mitunter fällt die Namensentscheidung der Eltern für ihre Kinder, gelinde gesagt, eher ungewöhnlich aus: Sie wollen ihre Töchter etwa Hedi-Rocky, Flonne oder Ultraviolett nennen und ihre Söhne gern Corleone, Skywalker oder sogar Freigeist. "Die Vornamen sind zunehmend ausgefallen. Die Eltern wählen alles Mögliche", beobachtet Jürgen Rast, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Standesbeamten im hessischen Bad Salzschlirf.
Standesbeamte, die Vornamen genehmigen und eintragen müssen, werden allerdings auch zunehmend liberaler. Auch die Urteile, wenn es zu denn Gerichtsverhandlungen kommt, fallen immer öfter zugunsten der Eltern aus, die den gewählten Namen mit aller Macht durchboxen wollen.
"Der Staat muss lediglich darauf achten, dass das Wohl des Kindes durch den Namen nicht gefährdet wird", sagt Rast. Wenn die Standesbeamten übrigens unsicher sind, ob ein Vorname beurkundet werden kann, können sie Rat einholen.
Etwa bei der Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden. Oder beim "Namenskundlichen Zentrum" der Uni Leipzig. Dort können Eltern Gutachten erstellen lassen und die Beamten mit der Expertise überzeugen.
Manchmal ist es aber auch für die Eltern verwirrend. Kirsche geht nicht, Apple und Peaches aber schon. Köln nicht, Colonia aber doch. Porsche werde nicht beurkundet, Mercedes aber schon. Whisky geht nicht, Brandy ist okay. Wer blickt da noch durch? Nur bei einem Namen sind sich die Eltern bundesweit – fast – einig, obwohl er nicht verboten ist: Adolf taucht so gut wie nirgends auf.
Wie gut haben es doch die Kinzigtäler Kinder, da ist Fynn Sven eher außergewöhnlich, oder Yannis Fabrice. So richtig verrückte Namen sind den Standesbeamten im Mittleren Kinzigtal auch noch gar nicht gemeldet worden, heißt es auf Nachfrage des SchwaBo unisono. Aber ein anderes Problem steht schon an: Das Geschlecht muss nämlich nicht mehr eindeutig aus dem Vornamen hervorgehen. So sagt das Bundesverfassungsgericht.
Mittleres Kinzigtal:
Jungen: Kimi, Tayler, Nico, Ben Luis, Noah Noel, Tim Luca.
Mädchen: Phonethida, Mireya, Derin, Leilani, Mila.
Bundesweit:
Jungen: Ashton-Phoenix, Buckminster, Cabero, Daron Angel, Eisi Faust Erik, Hajaina, Jari Lias, Jeremy-Jaden, Legolas, Lönne, Male Mylow, Pazifik, Piér, Price, Raider, Rocky.
Mädchen: Amsel, Aruba, Casey, Cattaleya, Ducati, Ferrara Melody Maxima, Frangi-Pany, Kenia, La-Vie, Loreley, Madita, Maybee, Neki, Peaches Princess, Sealina, Sueann-Presess, Süske, Versann und Hedi-Rocky.