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Mittleres Kinzigtal Coronavirus: Weniger Kontakte, mehr Hygiene in Pflegeheimen

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Das Alfred-Behr-Haus in Haslach freut sich über ein Bild, das eine Haslacher Familie gemalt hat. Besonders die Bewohner des Hauses würden sich über diese liebe Geste freuen, heißt es in einer Mitteilung. Foto: privat

Mittleres Kinzigtal - Gerade ältere Menschen ab 65 Jahren gehören zur Corona-Risikogruppe und müssen vor einer Ansteckung geschützt werden. Das bedeutet: Weniger Kontakte, noch mehr Hygiene. Das stellt Mitarbeiter in Pflegeheimen vor große Schwierigkeiten.

Der Schwarzwälder Bote hat sich bei einigen Pflegeeinrichtungen im Kinzigtal umgehört.

Hausacher Seniorenzentrum am Schlossberg: Seit der vergangenen Woche dürfen Besucher das Seniorenheim "Am Schlossberg" in Hausach nicht betreten. Nur Ärzten ist der Zutritt weiter gestattet. Eine Situation, die sowohl für die Bewohner als auch für die Pflegenden schwierig ist. Einige Bewohner hätten vor der Corona-Krise täglich Kontakt zu ihren Angehörigen gehabt. Das sei jetzt nicht mehr möglich und wie Pflegedienstleiterin Manuela Schuler erklärt, stelle das gerade die Welt von Demenzerkrankten auf den Kopf. "Viele verstehen das nicht, haltgebende Strukturen gehen verloren", sagt sie.

Newsblog zur Ausbreitung des Coronavirus in der Region

Doch auch für die Mitarbeiter sei die Belastung hoch, vor allem psychisch. "Wenn wir hier einen Corona-Fall haben, kann sich das Heim schnell leeren", sagt Haas. Das zeige der Fall in Würzburg, wo innerhalb kürzester Zeit neun Senioren an dem neuartigen Corona-Virus starben. "Die Mitarbeiter tun sich damit schwer", gibt Haas zu. Viele hätten Angst, jemanden anzustecken. Manche ließen sich darum krank schreiben. Dadurch steige die Arbeitsbelastung. "Wir haben auch die Situation, dass wir darüber sprechen müssen, was wir im schlimmsten Fall tun müssen", so Haas. Für viele sei das schwer zu verdauen.

"Insgesamt merken wir gerade jetzt all die Zusammenhänge, die die Pflege sowieso schon unter Druck setzen, besonders deutlich", sagt Haas und Schuler ergänzt: "Das geht uns auch emotional alles nahe." Aus diesem Grund werde demnächst ein Notfallbetreuer des DRK mit den Mitarbeiter des Seniorenzentrums sprechen. Johannes-Brenz-Heim Wolfach: Die Situation werde von Tag zu Tag neu bewertet, sagt Geschäftsführer Markus Harter. "Das geht zur Zeit nicht anders", meint er. Was wirklich Sorgen bereite, sei die persönliche Schutzausrüstung der Mitarbeiter. "Wir setzen auch auf interne Nähaktionen und telefonieren bei Malern oder ähnlichen Berufen rum, ob sie uns Schutzmasken zur Verfügung stellen können", beschreibt Harter.

Harter bedankt sich ausdrücklich bei den Angehörigen, die sehr viel Verständnis aufbringen würden. "Für sie ist die Situation auch nicht einfach und sie machen sich große Gedanken", sagt er. Gerade bei dementiell veränderten Bewohnern sei die Befürchtung groß, dass sie ihre Angehörigen überhaupt nicht mehr erkennen.

Die psychische Belastung der Mitarbeiter und die Befürchtung, das Virus unbemerkt weiterzugeben, "dürfen wir nicht kleinreden", sagt er. "Es sind verrückte Zeiten, die uns aber auch mit Maß und Ziel dazu animieren, sich nicht verrückt machen zu lassen", unterstreicht Harter. Stephanus-Haus Hornberg: Das Stephanus-Haus hatte bereits vor der Rechtsverordnung durch das Land die Besuche aufgrund der Infektionsgefahr sehr stark eingeschränkt. "Sowohl bei den Bewohnern als auch bei den Angehörigen stoßen wir hier glücklicherweise auf Verständnis", berichtet Heimleiterin Tanja Schneckenburger. "Viele unserer Bewohner drücken auch ihre Dankbarkeit dafür aus, dass wir schnell gehandelt haben und alles dafür tun, dass es ihnen weiterhin gut geht", berichtet sie. "Um die sehr ernsthafte Lage so angenehm wie möglich für unsere Senioren zu gestalten, gehen wir individuell auf die Bedürfnisse der Bewohner ein und versuchen so viele Herzenswünsche wie möglich in unserem Pflegealltag zu erfüllen. Das kann ein Spaziergang im Garten des Stephanus-Hauses sein oder eine kleine Aufmerksamkeit. Zudem arbeiten wir derzeit intern an weiteren kreativen Lösungen, um den Alltag der Senioren auch weiterhin abwechslungsreich zu gestalten", informiert die Stephanus-Haus-Leiterin in einer E-Mail.

Unterstützung bei Video-Anrufen

"Bedanken möchte ich mich bei den Angehörigen und Bewohnern für ihr Verständnis der derzeitigen Lage und auch bei Bürgermeiste Siegfried Scheffold für seine Unterstützung Zudem möchte ich ein riesengroßes Lob an alle meine Mitarbeiter aussprechen. Unser Team arbeitet sehr solidarisch zusammen, alle machen ihre Arbeit gewissenhaft weiter und behalten auch in dieser Ausnahmesituation einen ruhigen Kopf", hebt Tanja Schneckenburger hervor. Das Credo des Teams lautet: "Gemeinsam stellen wir uns der Coronakrise." "Das ist nicht selbstverständlich für mich und ich danke jedem einzelnen für seinen Teamgeist." Caritasverband Kinzigtal: Ähnlich sieht es beim Caritasverband im Kinzigtal aus. "Wir setzen das sehr konsequent um", erklärt Christine Trove, kaufmännische Leitung der drei stationären Pflegeeinrichtungen St. Luitgard (Oberwolfach), Alfred-Behr-Haus (Haslach) und St. Jakobus (Schutterwald). Auch bei Bewohnern und Angehörigen seien die Maßnahmen auf hohe Akzeptanz gestoßen.

Für die Heimbewohner versuchen die Mitarbeiter das Ganze bestmöglich abzufedern, etwa durch eigene Telefone oder Unterstützung bei Video-Anrufen. "Es werden auch wieder viele lange Briefe geschrieben", berichtet Trove. Natürlich herrsche bei den Mitarbeitern – vor allem bei denen, die selbst zur Risikogruppe zählen – Unsicherheit. "Wir nehmen diese Ängste sehr ernst", betont Trove. Aber es falle vor allem in dieser Zeit auf, wie enorm der Zusammenhalt im Team sei. Auch Trove spricht die Situation der Schutzausrüstung an. Es hätten bereits einige Malerbetriebe ihre Schutzmasken in die Einrichtungen gebracht, "aber wir sind für jede Spende dankbar", betont sie.

Die Landesregierung hat in Reaktion auf die Ausbreitung des Coronavirus das Besuchsverbot beschlossen. Darin heißt es: Altenheime "dürfen grundsätzlich nicht mehr zu Besuchszwecken betreten werden". Damit sollen Bewohner – die Risikogruppe – und auch die Mitarbeiter geschützt werden.

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