Bürgermeister Jens Keucher wirft einen Blick auf und in die Kernstadt. Foto: Walter

Sie ist das Herz der Gesamtstadt, Aushängeschild und immer in Bewegung – was läuft in der Sulzer Kernstadt gut, was bereitet Kummer? Bürgermeister Jens Keucher erzählt, was hier einzigartig ist und wohin sie sich entwickelt.

Rund 5000 Einwohner, direkt am Neckar und mit Freibad, Backsteinbau und anderen Einrichtungen immer wieder ein Magnet – die Sulzer Kernstadt.

Was bereitet hier Freude?

Trotz oder gerade wegen der Vielfalt an Vereinen und Menschen habe man in der Sulzer Kernstadt ein gutes Miteinander gefunden, meint Jens Keucher, der vor etwa 110 Tagen als Bürgermeister ins Rathaus am Marktplatz „eingezogen“ ist. In diesem Interview bezieht er sich, auch wenn er natürlich Bürgermeister der Gesamtstadt ist, explizit nur auf die Sulzer Kernstadt.

Eigentlich sei es schwieriger, Engagierte zu finden, je größer der Stadtteil sei, meint Keucher. Bürgerschaftliches Engagement sei in der Kernstadt aber tatsächlich an der Tagesordnung, gesteuert und koordiniert vom mit diesem Thema Beauftragten Hans-Ulrich Händel. Gezeigt habe sich das ehrenamtliche Engagement nicht nur in Hilfsprojekten nach der Erdbebenkatastrophe in der Türkei und Syrien, sondern auch in der Initiative für Streuobst, dem Kulturprojekt Halle 16, dem Kümmern um die Schwäne auf dem Neckar und vielem mehr.

Ein weiteres Plus sei die Möglichkeit des G9-Zugs am Albeck-Gymnasium. „Das zieht viele Kinder über die Stadtgrenzen hinweg zu uns.“

Gibt es auch etwas, das Kummer macht?

„Mir liegt am Herzen, die Stadt wieder aufleben zu lassen und sie lebens- und liebenswert zu machen“, sagt Keucher. Die Landesstraße, die Sulz und den Marktplatz teile, sorge für viel Verkehr und das Gefühl, dass es keinen zentralen Platz gebe. Es fehle an Aufenthaltsqualität, weswegen man Stück für Stück eine Beruhigung anstrebe.

Nicht mehr in erster Reihe parken, aber gleichzeitig nicht zu weite Wege zum Einzelhandel – die Planung ist eine Gratwanderung. Zumal die Einzelhändler ohnehin immer weniger würden. „Da muss man die, die noch da sind, stärken und schützen.“ Einst sei die Sonnenstraße eine Einkaufsstraße gewesen, und man habe überlegt, aus ihr eine Fußgängerzone zu machen. Das sei heute nicht mehr denkbar.

Er stelle sich vor, ein grünes Band vom Marktplatz über die Untere Hauptstraße bis zum Wöhrd zu ziehen. Gerade dieser sei bisher gefühlt sehr weit weg von der Stadtmitte und müsse besser angebunden werden.

Welche großen Projekte beschäftigen in der Zukunft?

Natürlich darf auch da das Innenstadtverkehrskonzept nicht fehlen. Die Landesstraße soll so beruhigt werden, dass auch Sicherheit für Radfahrer geschaffen werden kann, meint Keucher. Eine funktionierende Ortsumfahrung am Friedhof, für die man eine Brücke und einen Tunnel gebaut habe, sei da. „Jetzt muss man nur noch Überzeugungsarbeit leisten.“

Auch Innenentwicklung beschäftigt den Bürgermeister. Mit der „Traube“ werde endlich ein ortsbildprägendes Gebäude saniert. Es gebe aber weitere leerstehende große Häuser, denen man aus Sicht Keuchers neues Leben einhauchen müsste. Zudem soll die Versorgung mit regenerativen Energien vorangetrieben werden. Auch das Konzept einer Bürgerenergie-Genossenschaft will der Schultes dabei betrachtet sehen.

Als Herausforderung sieht er die nächsten Kommunalwahlen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Plätze im Gemeinderat nachbesetzt werden müssten, sei hoch. Er hofft auf viele Kandidaten, die dazu bereit sind, einzusteigen und sich auch trauen, unpopuläre Entscheidungen zu treffen.

Welche großen Veranstaltungen stehen an?

Eine liegt bereits ganz frisch hinter den Sulzern: der Besuch der französischen Gäste aus der Partnerstadt Montendre. Ihm sei es ein persönliches Anliegen, dass diese Partnerschaft noch mehr in die Gesamtstadt ausstrahle, sagt Keucher. Worauf er jetzt schon hin fiebert: 50 Jahre Städtepartnerschaft. „Ich freue mich darüber, dass das in meine Amtszeit fällt“, so der Schultes, der selbst schon einige Male in Montendre war. „Dieser Ort hat einfach Flair.“

Einen runden Geburtstag feiert zudem der Schützenverein Sulz: 100 Jahre. Und im Juli steht das Neckar- und Kinderfest wieder an und zieht viele Besucher in die Kernstadt. „Für ein gutes Miteinander braucht man so etwas einfach.“

Was macht die Kernstadt besonders?

Neben der Schullandschaft, Lebensmittelmärkten als Versorger, dem Freibad, dem Markt, der Ärzteversorgung und der Stadthalle, die von allen in der Gesamtstadt genutzt wird, mache vor allem die Lage am Neckar die Kernstadt besonders.

Diesem Umstand könnte man aus Sicht von Keucher noch mehr abgewinnen. Im Zuge der nötigen Hochwasserschutzmaßnahmen könne man den Neckar auch zugänglicher machen und attraktive Aufenthaltsmöglichkeiten schaffen, meint der Bürgermeister.

Welche Plätze sollte man in der Kernstadt gesehen haben?

Aus Sicht von Jens Keucher sollte man das Gebiet mit dem Sulzer Freibad Susolei, den Schulen, dem Sportplatz und den Hallen gesehen haben.

Ein besonderer Platz sei zudem der Marktplatz. Wenn man die Stadtmitte von oben betrachte, falle die ganz besondere Anordnung der Straßen und Häuser auf. Von der Waldhornbrücke aus habe man derweil einen schönen Blick auf den Neckar und vom Gähnenden Stein aus mit den besten Ausblick auf die Kernstadt, die viel zu bieten habe.