Ortsvorsteher Reiner Kimmich findet, dass Renfrizhausen einiges zu bieten hat – neben Quellen und einem Sandsteinvorkommen. Foto: Cools

Sieben Jahre lang ist Reiner Kimmich schon Ortsvorsteher in Renfrizhausen. Im Gespräch erzählt er, was immer wieder Sorgen bereitet und bei welchem Großprojekt er die Umsetzung kaum mehr erwarten kann.

860 Hektar – so viel umfasst die Gemarkung des Stadtteils Renfrizhausen ungefähr. Darauf verteilen sich etwa 800 Einwohner. Städtische Bauplätze gibt es im Ort laut Reiner Kimmich aktuell keine mehr.

 

Doch ein neues Gebiet ist bereits in Auftrag gegeben. Die Erschließung im Bereich „Hinter Gärten“ mit rund 20 neuen Plätzen wird 2024 erfolgen. Irgendwann später komme dann vermutlich mal noch die Erschließung des Gebiets Stützen. Leerstand ist in Renfrizhausen derweil nicht das allerdringendste Problem, auch wenn es eine oder zwei „Ruinen“ im Ort gebe, die Sorgen bereiten und bei denen die Besitzer aufgrund ihres Wegzugs kaum mehr greifbar seien.

Parkende Autos können zum Problem werden

Was den Ort beschäftigt, ist die Parkproblematik an manchen Stellen, etwa am Kindergarten. Besonders schwierig ist es laut Kimmich im Bereich „Obere Gärten“ aufgrund der kurvigen und unübersichtlichen Straße.

Auf dem Bosch-Areal wird derweil bald eine große Wohnanlage mit Mehrfamilienhäusern entstehen. „Der Investor plant glücklicherweise 1,5 Stellplätze pro Wohnung ein, noch besser wären zwei. Die rechtliche Vorgabe von einem pro Wohnung ist einfach nicht mehr zeitgemäß“, sagt Kimmich.

Schnelle Fahrer und Lärm von der Autobahn

Wenn man schon beim Thema Fahren und Verkehr ist: Immer wieder seien die Autofahrer in Renfrizhausen zu schnell unterwegs, bemängelt der Ortsvorsteher. Der schnellste sei 20 Meter vor der Bushaltestelle mit 119 Stundenkilometern gemessen worden. Diese Beobachtung müsse man mit der Polizei besprechen.

Etwas, das auch mal zur Last werden könne, sei der Krach von der Autobahn. „Aber da ist es eben so: Jeder braucht die Autobahn, keiner will sie bei sich haben“, sagt der Ortsvorsteher schulterzuckend. Die gute Anbindung sorge auch dafür, dass es viele neue Bürger in den Ort ziehe, die beispielsweise in Böblingen oder anderen Städten Richtung Stuttgart arbeiten.

Zentraler Platz zum Zusammenkommen fehlt

Was dem geborenen Renfrizhauser in seinem Ort gut gefällt, ist der Zusammenhalt der Bürger und Vereine. Corona habe leider viel kaputt gemacht, aber wenn etwas zu tun sei, seien die Bürger zur Stelle.

Was fehlt, ist allerdings nach Kimmichs Ansicht ein zentraler Platz zum Zusammenkommen. Deshalb liegt ihm das Projekt barrierefreier Dorfgemeinschaftsraum in Kombination mit dem Rathaus am Standort des ehemaligen Volksbankgebäudes sehr am Herzen. Betrieben werden soll der Raum später vom entsprechenden Förderverein.

Gut gelungen sei der Karl-Hauser-Sportpark. Er mache wirklich etwas her, lobt Kimmich. Auch die Lösung einer Außenstelle des Kindergartens im Dreher-Gebäude habe sich als gut erwiesen. Bedenken hat der Ortsvorsteher allerdings bezüglich des Zustands der beiden Spielplätze. Die Spielgeräte seien veraltet.

„Mühlen“ mahlen manchmal langsam

Was die Reaktionsschnelligkeit der Stadtverwaltung angeht, so ist Kimmich im Großen und Ganzen zufrieden. Bei dringenden Angelegenheiten werde in der Regel direkt reagiert, an manchem Projekt mache man aber auch ewig rum, sagt er. So sollten bereits seit vier bis fünf Jahren die Fenster der Mühlbachhalle gestrichen werden, sagt der 59-Jährige. Stattdessen erhielt kürzlich die Bushaltestelle einen neuen Anstrich. „Das ist natürlich auch super, die Fenster hätten es aber nötiger gehabt.“

Es gibt Interessenten, aber einer muss vorausgehen

Etwas, das unbedingt wieder aufleben soll, ist die Dorf-AG. Auf dem Papier bestehe sie noch, ihre Teilnehmer seien aber alle älteren Semesters. Interessenten, die sich engagieren wollen, gebe es durchaus, „aber einer muss eben vorausgehen“, sagt Kimmich. Hilfe bekomme derjenige dann auf jeden Fall.

In der Vergangenheit habe die AG sich schon um die Ortsbegrüßungstafeln, das Kriegerdenkmal, Sitzbänke, Bushäuschen, Wanderwege und Weiteres im Ort gekümmert. Und sie werde sich sicherlich auch beim Dorfgemeinschaftsraum einbringen, meint Kimmich.

Zu feiern gibt es in Renfrizhausen auch immer wieder etwas – nicht zuletzt dank der vielen Kooperationen auf Vereinsebene mit dem Nachbarort Mühlheim. So sei ein reges Vereinsleben möglich. Ende Juni fand bereits das Bachnacht-Fest statt. Das nächste große Jubiläum steht 2025 dem Musikvereins ins Haus. 100 Jahre gibt es ihn dann.

Kooperation, aber trotzdem Eigenständigkeit bewahren

Bei aller engen Zusammenarbeit sei es aber wichtig, Renfrizhausen trotzdem als eigenständigen Ort zu sehen, findet Reiner Kimmich. Und der habe einige Alleinstellungsmerkmale, zum Beispiel den Kirchberg. Manchmal werde glatt vergessen, dass der zu Renfrizhausen gehöre.

Unschlagbar seien auch die Ruhe und Aussicht vom Wandbühl-Kreuz aus. „Da oben ist man wie in einer anderen Welt.“ Und auch an der Palmenhütte lasse sich die Freizeit genießen. Bei aller Ruhe und Entspannung dürfe man das Dorfleben aber nicht einschlafen lassen, findet Kimmich. „In den vergangenen Jahren war es ruhig genug, jetzt müssen wir wieder etwas bewegen.“