Das Stadtarchiv ist in Nagold in neue Räume gezogen. Am Montag stand die Eröffnung mit geladenen Gästen an. Foto: Knert

Das Gedächtnis der Stadt Nagold hat jetzt einen zentralen Anlaufpunkt inmitten der Stadt. Der Umbau des Traube-Centers zum Stadtarchiv kostete insgesamt rund 1,2 Millionen Euro.

„Ein ganzes Archiv nur für mich!“ Nagolds neue Stadtarchivarin Claire Hölig macht keinen Hehl aus ihrer großen Freude über ihre neue Wirkungsstätte.

 

Und so ein bisschen schreibt sie auch schon selbst Stadt-Geschichte: „Ich darf entscheiden, was aufbewahrt wird“ - und was nicht, sagt sie selbstbewusst. Und was so in die überlieferte Historie der Stadt Eingang findet. Was eil des Gedächtnisses wird. „Unser Anspruch an Unsterblichkeit.“ Deshalb: „Seid nett zu mir!“

Architekt Michael Stikel machte da einmal vor, wie solche ’Nettigkeit’ funktionieren könnte – als er den herzhaften, symbolischen Schlüssel fürs Archiv zur feierlichen Eröffnung am Montag an Hölig und Oberbürgermeister Jürgen Großmann überreichte. Für den Fachplaner der insgesamt knapp 1000 Quadratmeter großen Flächen im Traube-Center „ein echter Meilenstein“, der der Stadt da geglückt sei.

Wobei die Realisation in den letzten drei Jahren mitten in der Pandemie „nicht ganz einfach gewesen“ sei: Corona, dazu Lieferschwierigkeiten und Kostensteigerungen in bestimmten Bereichen. Aber gelungen sei ein hervorragendes Beispiel für „Umbauen und Umnutzen“ von Gebäuden, in Zukunft immer mehr „ein Kernthema“ der Stadtbauentwicklung.

OB: Im Rahmen geblieben

Trotz Kostensteigerungen, so konnte OB Großmann in seiner Laudatio zeigen, sei man aber „insgesamt mit 1,2 Millionen Euro“ sehr gut im Kostenrahmen geblieben – wobei die Hälfte davon aus Förderungen von Bund und Land gedeckt werden konnten. „Jede andere Lösung wäre teurer geworden.“

Wobei sein ausdrücklicher Dank zurück an Architekt Stikel ging, dessen Büro es hervorragend gelungen sei, den „klassischen Betonbunker der 1980er Jahre in die Stadt hinein“ zu öffnen.

Arbeitsraum für Besucher

Großmann kündigte an, dass nach dieser feierlichen Eröffnung für geladene Gäste es auch noch „einen Tag der offenen Tür“ für die Nagolder Bevölkerung geben werde. Schließlich bietet das Stadtarchiv nicht nur auf seinen künftig über zwei Regalkilometern Platz eben für das ’Ewigkeits-Gedächtnis’ der Stadt. Im Eingangsbereich gibt es auch einen Arbeitsraum für Besucher, wo diesen Archivwerke zur Einsicht vorgelegt werden können.

Voraussichtlich „ein bis zwei Jahre“ allerdings werde es noch dauern, bis aus den im gesamten Stadtgebiet verteilten elf Lagerflächen für Archivgut alles ins neue Zentralarchiv überführt sein wird. Wobei jedes Archivgut sowohl den Quarantänebereich – in dem sichergestellt wird, dass man sich mit den neuen Exponaten keinen Schimmel oder Ungeziefer ins Haus holt – als auch den großen Bearbeitungsraum passieren muss, in dem die Erfassung und Kategorisierung stattfindet.

Bibliothek zur Stadtgeschichte

Ergänzt werde das reine Archiv für die Bürger übrigens noch durch „eine Bibliothek zur Stadtgeschichte“, wie Archivarin Hölig abschließend erläuterte. In dem würden alle denkbaren Veröffentlichungen zur Stadt und Stadtgeschichte ebenfalls zur Einsicht vorgehalten.

Spontanen Dank gab es am Ende auch vom Verein für Heimatgeschichte, von Historiker Eckhart Kern. Nagold und sein Stadtarchiv „steigen auf wie Phönix aus der Asche“, nachdem man lange Jahre nur „neidvoll nach Calw“ und anderen Kommunen habe blicken können. 1992, also vor über 30 Jahren, sei „das letzte Findbuch“ in der Stadt erschienen – danach sei man „in ein dunkles Loch“ gefallen, wenn es um den Zugang zum Gedächtnis der Stadt gegangen sei.

Infokasten

Zahlen von der Stadtarchivarin

922 - so viele „laufende Regalmeter“ Archivbestände gebe es aktuell bereits im Nagolder Stadtarchiv

2 - so viele Tage braucht Stadtarchivarin Claire Hölig, um einen Leitzordner fürs Archiv zu sichten und aufzubereiten