Daniel Didavi ist lange der Fixpunkt im Spiel des VfB Stuttgart gewesen. Jetzt hat der 31-Jährige eine Reihe junger Konkurrenten – und ein weiteres Talent könnte hinzukommen.
Stuttgart - Daniel Didavi kann’s mit seinem linken Fuß immer noch wie kaum ein anderer beim VfB Stuttgart. Pässe, die präzise in den Lauf des Mitspielers kommen – ganz gleich, ob sie kurz oder lang gespielt werden müssen. Freistöße, die direkt auf das Tor geschossen werden sollen – ganz gleich, ob nun mit Wucht oder mit Effet. Auch den Ball behauptet er noch immer stark – ganz gleich, ob er von zwei oder drei Gegnern umringt ist.
Didavi ist zudem in körperlich guter Verfassung. Das ist bei dem 31-Jährigen immer wichtig hinzuzufügen, weil der Mittelfeldspieler bei den meisten Menschen, die nicht Daniel Didavi heißen, als verletzungsanfällig gilt. Es passt also vieles vor dem DFB-Pokalspiel des VfB am Samstag (15.30 Uhr) beim Berliner Regionalligisten BFC Dynamo. Und doch ist es ruhiger geworden um den einstigen Fixpunkt des Stuttgarter Spiels.
Der VfB bemüht sich um das nächste Talent
Didavi, der Mann mit der Rückennummer zehn, steht nicht mehr im Zentrum. Jüngere Profis sind dabei, ihm den Rang abzulaufen. Mateo Klimowicz und Philipp Förster. Ömer Beyaz, wenn er ab dem 29. August, seinem 18. Geburtstag, seine Arbeitserlaubnis erhält und spielen darf (diese Regel gilt für Nicht-EU-Ausländer) und Lilian Egloff, wenn er nach langer Verletzungspause wieder fit ist. Womöglich kommt ja noch ein weiterer Zehner moderner Prägung hinzu: Enzo Millot. 19 Jahre alt und bei AS Monaco ausgebildet.
Der VfB bemüht sich darum, das französische Talent zu verpflichten. Mehr als zwei Millionen Euro könnte das die Stuttgarter kosten, um ihr Mittelfeld mit etwas auszustatten, das im Grunde nicht zu kaufen ist – mit Fantasie. Nimmt man Philipp Förster (26) und Philipp Klement (28) heraus, dann gehören zur Kategorie offensives Mittelfeld Nachwuchskräfte eines bestimmten Typus. Ausgestattet mit Spielvermögen, verfügen sie technisch versiert über genügend Tempo, um den Anforderungen zu begegnen.
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Schön für die Zukunft, doch in der Gegenwart brauchen sie noch Zeit. Didavi wäre in dieser Konstellation der Papa. Eine Art Senior-Zehner, der weiß, wie es läuft, und der dem VfB noch viel geben kann. Tore und Torvorlagen. Die Statistik des Routiniers (4/4) ist in der Vorsaison im Vergleich zur direkten Konkurrenz die beste gewesen, obwohl er häufig von der Bank kam. Ohne Murren hat das Didavi akzeptiert – und sich weiter voll eingebracht.
„Er hat nach dem Weggang von Gonzalo Castro noch mehr Verantwortung für die Gruppe übernommen“, sagt Sven Mislintat. Noch immer gibt es kritische Stimmen, die meinen, der ehemalige Kapitän hätte dem Team weiterhin gutgetan. Doch der Preis einer Vertragsverlängerung war dem Sportdirektor zu hoch. Didavi kam seinem Heimatverein dagegen beim Gehalt entgegen. Er ist nicht mehr der Spitzenverdiener, sondern wird leistungsbezogen bezahlt. Weshalb es Didavi wichtig war zu wissen, wie der Trainer Pellegrino Matarazzo mit ihm plant. Er will von Anfang an spielen und nicht nur als Joker gelten. Diese Chance sieht Didavi.
Mateo Klimowicz braucht noch Zeit
„Wir sind froh, dass wir den Vertrag mit ihm verlängern konnten. Es ist der beste und befreiteste Daniel Didavi, seit ich beim VfB bin“, sagt Mislintat. Der Ehrgeiz ist ungebrochen, und wenn er schnelle Jungs um sich herum hat, gibt er den Rhythmus vor. So weit sind die wilden Kerle, die das Alphatier zu verdrängen suchen, noch nicht. Denn an Klimowicz scheiden sich gelegentlich die Fußballgeister. Die einen halten den 21-Jährigen für ein Versprechen. Mit eleganten Bewegungen und feiner Ballbehandlung. Die anderen kritisieren jedoch seine Körpersprache und bemängeln die Effizienz.
Beyaz hat in der Vorbereitung bislang gefallen. Dass der Teenager aus der Türkei spielstark ist, wussten alle. Doch er ist auch giftig in den Zweikämpfen. An der Begabung des Eigengewächses Egloff zweifelt ebenfalls niemand. Ein Instinktkicker. Allerdings ist der 18-Jährige seit einem Jahr dauernd verletzt. Keiner kann sagen, wann Egloff eine Bereicherung für das VfB-Mittelfeld wird.
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Bleibt noch ein Wunschtransfer: Millot, dessen Vertrag im Fürstentum bis 2022 läuft – und AS Monaco will verlängern. Allerdings glaubt der Franzose offenbar nicht daran, dass er im Team von Niko Kovac zum Zug kommt. Der frühere Trainer des FC Bayern und von Eintracht Frankfurt lässt ein 4-4-2-System spielen, in dem es keinen Platz für den Ballstreichler zu geben scheint. Matarazzo bietet dagegen oft zwei offensive Mittelfeldspieler auf den Halbpositionen auf. Doch Millot kann wie Beyaz ebenso über den Flügel kommen.
Für Didavi ist die Außenposition nichts. Er steht lieber mittendrin. „Er ist sehr wichtig für uns, weil er in der Mannschaft integrativ wirkt. Zudem ist er immer noch ein richtig guter Kicker“, sagt Mislintat über den klassischen Regisseur, dessen Engagement beim VfB nach dieser Saison ja nicht enden muss.