Die „Nagaltuna Garbe“ mit OB Jürgen Großmann (Mitte links) im Jahr 2019 (Archivbild) Foto: Luca Hofmann

Nach vielen Jahren Mittelaltermarkt in Nagold, löst sich die „Nagaltuna Garbe“ nun auf. Vereinsvorsitzender Dieter Wurster schaut zurück auf viele schöne Jahre.

Seit dem Jahr 2009 organisierte die „Nagaltuna Garbe“ fast jedes Jahr einen Mittelaltermarkt in Nagold. Aus einer kleinen Interessensgemeinschaft, entwickelte sich über die Jahre ein Verein, der zahlreiche Menschen für seine Veranstaltungen begeistern konnte. Alles aus eigener Tasche und vor allem: alles aus purer Leidenschaft.

 

Nach fast 17 Jahren ist nun Schluss. Die „Nagaltuna Garbe“ löst sich auf. Ein Grund zur Traurigkeit? Auch – aber Vereinsvorsitzender Dieter Wurster blickt vor allem auf viele schöne Erlebnisse zurück.

Die Gemeinschaft sei aus circa zwölf bis 15 Aktiven des Nagolder Keltenfests entstanden, erinnert sich Wurster. Alle zwei Jahre Keltenfest sei ihnen zu wenig gewesen, sie wollten jedes Jahr einen Mittelaltermarkt haben, erklärt er.

Von den Kelten, bis ins späte Mittelalter

So schloss sich im Jahre 2009 die Interessensgemeinschaft „Nagaltuna Garbe“ zusammen. „Villa Nagaltuna“ lautet die erste urkundliche Erwähnung der Nagolds aus dem Jahr 786 n. Chr.. Eine Garbe ist ein Bündel aus Getreidehalmen und soll den Zusammenhalt der Vereinsmitglieder symbolisieren.

Die Grundidee der Gemeinschaft sei es gewesen, das damalige Leben und Handeln der Menschen möglichst realistisch für die Nachwelt festzuhalten, sagt Wurster. Es sollte einen Mittelaltermarkt geben, bei dem die Besucher Stände vom Keltenzeitalter bis zum späten Mittelalter bestaunen konnten.

Vom Steinmetz bis hin zum Bogenbauer war alles dabei, stets mit eigens angefertigten Kostümen. Die geschichtliche Spannweite sei ein besonderes Merkmal des Markts gewesen, meint Wurster. Man habe sich nicht auf eine spezielle Epoche spezialisiert, sondern gleich mehrere Zeitalter abgedeckt.

Ein Barbarenkampf auf dem Markt 2015 (Archivbild) Foto: Jacqueline Geisel

Auf ihrem Höhepunkt im Jahr 2013 verzeichnete die „Nagaltuna Garbe“insgesamt 30 Mitglieder. In diesem Jahr fand für Wurster auch sein schönstes Erlebnis mit der Gemeinschaft statt. „Das war das Jahr, wo wir richtig abgesoffen sind“, lacht er. „Da hat es heftig geregnet, da gab es Überschwemmungen.“

Trotzdem blieb die ganze Mannschaft standhaft und zog selbst bei strömendem Regen das Programm durch. Am letzten Tag des Markts dann die Entschädigung: „Am Sonntag war dann schlagartig gutes Wetter, und die Menschen kamen in Strömen“, erinnert sich Wurster. „Da hat sich wirklich gezeigt, die Garbe steht für den Zusammenhalt. Und wir wurden am Ende belohnt.“

Doch mit der Zeit gingen die Mitglieder zurück

Nach dem Höhepunkt ging es mit den Mitgliederzahlen in den nächsten Jahren allerdings langsam zurück. Vor allem mit dem Beginn der Covid-19-Pandemie, als keinerlei Veranstaltungen möglich waren, schrumpfte die Zahl der Mitglieder massiv.

Außerdem musste der Markt nach 2019 seinen Ort wechseln. Auf der Wiese am Naturfreundehaus, wo der Markt bisher stattfand wurden nämlich Obstbäume gepflanzt. Die Stadt bot der Gemeinschaft daraufhin an, den Markt künftig auf dem Krautbühlplatz am Nagolder Kleb stattfinden zu lassen. „Die Lage war top, man kann es sich als Veranstalter nicht besser wünschen“, meint Wurster.

„Wir sind nach wie vor noch mit dem Mittelalter verbunden“

Allerdings bedeutete dieser Platz einen höheren finanziellen und personellen Aufwand, was mit den zurückgehenden Mitgliederzahlen schwer zu stemmen war. Mit mittlerweile noch acht Mitgliedern fasste der Verein nun den Entschluss: Die „Nagaltuna Garbe“ löst sich nach fast 17 Jahren auf.

Trotzdem blickt Dieter Wurster vor allem auf die positiven Dinge zurück. „War eine supertolle Zeit, irgendwann geht halt alles mal vorbei“, erklärt er. „Wir sind nach wie vor noch mit dem Mittelalter verbunden, und immer noch beim Keltenfest dabei.“ Der noch verbleibende Erlös der „Nagaltuna Garbe“ werde an die an die Hospizgruppe Nagold gehen, verspricht Wurster.