Das Mittelalter hielt wieder Einzug in Geislingen, und leider ein weiteres Mal Kälte und Regen. An Publikumszuspruch mangelte es trotzdem nicht. Es war schließlich einiges geboten bei den Rittersleuten – einschließlich Turnier hoch zu Ross.
Markus und Anja Katz von „Fabula Corvinus“, die die Schlossfestspiele zum vierten Mal organisierten, zeigten sich weder verbittert noch verärgert. Geislingen sei eine gute Adresse, deshalb wollen sie auch künftig die Reihe an Mittelalterfesten, die erst im Dezember endet, vor und hinter dem historischen Gemäuer eröffnen – wenn auch die Sonnenstadt, wie schon im Vorjahr, ihrem Namen ganz und gar nicht gerecht wurde.
Am Freitag und Samstag brauchte man noch die Winterjacken, Schirme waren ebenso unverzichtbare Begleiter. Die Sonne lugte erst am Sonntag hervor, mit ihr kamen auch deutlich mehr Gäste.
Und die durften, nachdem sie ihren Wegzoll in Höhe von zehn Euro entrichtet hatten, in die Welt eintauchen, wie sie zwischen dem 6. und 15. Jahrhundert in Europa ausgesehen haben könnte. Es gab einiges zu entdecken, zu riechen, zu kaufen und zu schlemmen.
An die 40 Händler priesen auf dem weitläufigen Gelände ihre Waren an, von Kleidung und Gewürzen bis hin zu Schwertern und Helmen – ein Markt eben wie aus längst vergangenen Zeiten. Klar, dass die meisten Verkäufer, darunter auch Tschechen, Polen und Franzosen, in prachtvoller Gewandung erschienen waren, was immer wieder für bewundernde und staunende Blicke sorgte.
In den Zelten lodern Feuer
Einige Mittelalterfreunde kamen sogar mit ihrem halben Hausrat und schlugen für drei Tage ein Lager auf. Während vor den Zelten wärmende Feuer loderten, ging es unter den schützenden Dächern geschäftig zu.
Es wurden Karten gelegt – die „Haselfrau“ verlangte dafür 25 Taler – und Handwerkskünste gezeigt, die man so heute nicht mehr kennt. Die jüngsten Besucher durften bei einfachen Tätigkeiten sogar mithelfen. Darüber hinaus freuten sich Musikgruppen wie das „Duo Dulcimus“, die „Eyachraben“, das „Trio cum Laute“ und das Ensemble „Insanis Maxima“ über ein Hutgeld. Am Sonntag ließ außerdem der Fanfarenzug aus Stetten bei Haigerloch aufhorchen.
Ein Ritterturnier wird ausgetragen
Zum ersten Mal wurde ein Ritterturnier ausgetragen. Auf die Idee kam Anja Katz, weil sie im Schlossgraben schon Traktorenspuren entdeckt hatte. Also, so ihre Annahme, könne wohl auch dieser Bereich „bespielt“ werden.
Von der Stadt kamen keine Bedenken, und so maßen sich Markus von Heudorf, Gernot von Hewen und der im Spiel angetrunkene Wulfrich von Waldenburg um den noch einzig verbliebenden Schlafplatz im Geislinger Schloss.
Das erste Exercitium war das „Becher greifen von der Palia“ im Ritt. Es folgten die Disziplinen „Ringleinstechen“ ,„Hälse schlagen“ und „Rolandreiten“, bei dem ein Holzschild getroffen und zum Drehen gebracht werden musste. Es folgten die „Sauhatz“, das „Apfelschlagen“ und zum Schluss noch ein Schwertkampf. Viel Volk verfolgte nicht nur dieses gut vorbereitete Schauspiel, sondern auch die nächtliche Feuershow mit wirbelnden Flammen.
Schlossfestspiele auch 2026
Es steht fest, dass es auch 2026 Schlossfestspiele in Geislingen geben wird. Wenn es nach „Fabula Corvinus“ geht wieder parallel zum verkaufsoffenen Sonntag. Ob allerdings im nächsten Jahr die Ladentüren offenstehen, ist angesichts der nach wie vor ungelösten Führungsfrage im HGV fraglich.
Markus und Anja Katz freuen sich auf die weiteren Veranstaltungen. Über Ostern geht’s nach Nordrach in den Schwarzwald. Weitere Stationen in der Nähe sind die Haigerlocher Teilgemeinde Trillfingen, die vom 25. bis 27. Juli 750-jähriges Bestehen feiert, und Lautlingen, wo vom 10. bis 12. Oktober der „Glanz der Ritterzeit“ erwacht.