Ritter, Mönch und Nonne durften auf dem Lautlinger Mittelaltermarkt nicht fehlen. Foto: Horst Schweizer

Mit einem großen Mittelalterfest hat Lautlingen drei Tage lang an seine urkundliche Ersterwähnung vor 1230 Jahren erinnert. Hauptattraktionen waren ein großer Markt und ein Festumzug mit zahlreichen mittelalterlich kostümierten Teilnehmern.

Drei Tage lang sahen sich die Besucher des Lautlinger Schlossgarten ins vermeintlich finstere Mittelalter versetzt. Der Anlass war ein Jubiläum – keiner von den ganz runden Geburtstagen, aber das störte niemanden unter den Festgästen: 793 taucht „Lutilinga“ erstmals in den Akten des Karolingerreichs auf, und wer so bierernst ist, darauf zu bestehen, dass das frühestens 2043 gefeiert wird, versteht nichts vom Feiern und soll es lassen. Den Lautlingern lag das fern: Drei Tage lang begingen sie bei schönstem Spätsommerwetter ihr Jubiläum, dessen Schirmherrschaft die Narrenzunft Kübele-Hannes übernommen hatte und das vom Kulturamt Albstadt mit vorbereitet worden war.

 

Kein dunkles, sondernein buntes Zeitalter

Eröffnet hatten es Ortsvorsteher Heiko Peter Melle und Zunftmeister Micha Fürst am Freitagabend gemeinsam mit dem Ersten Bürgermeister Udo Hollauer und Landrat Günther-Martin Pauli; neben der Leitung der an der Vorbereitung Beteiligten würdigte der als mittelalterliche Amtsperson gewandete Ehrenzunftmeister Melle auch das Mittelalter selbst als ein keineswegs dunkles, sondern buntes und frohgemutes Zeitalter, dessen Eigenwert allmählich erkannt werde: Dass das Mittelalter „im Kommen“ sei, das, so Melle, „ist uns nicht entgangen“. Tatsächlich habe man bereits 1993, als Lautlingen 1200 Jahre alt wurde, an einen solchen Markt gedacht, doch sei so ein Projekt zu jener Zeit nicht realisierbar gewesen. Jetzt aber hätten es die Agentur „Fabula Corvinus“ von Anja und Markus Katz aus Haiterbach den Lautlingern möglich gemacht, ins Mittelalter einzutauchen.

Nach Melle sprachen Landrat Günther-Martin Pauli, der bekannte, ein Besuch in Lautlingen sei für ihn „immer wieder ein Erlebnis, Udo Hollauer, der sich mit einen kleinen geschichtlichen Exkurs vernehmen ließ, und Micha Fürst – der Zunftmeister der Kübele-Hannes entbot allen edlen Recken und holdseligen Maiden einen herzlichen Willkommensgruß. „Wir versammeln uns, um das Erbe zu ehren, und die Tore von Lautlingen öffnen sich weit.“

Zuerst der Standesbeamte und dann der Druide

Den Grußworten folgte die Marktausrufung. An die 20 Stände gewährten interessante Einblicke in die Epoche des Mittelalters mit ihren Gauklern, Händlern, Marketenderinnen, Mönchen, Nonnen, Bauern, Rittern, hohen Herren und Burgfräulein. Alle waren sie stilecht gewandet; gegen einen Wegezoll – heute sagt man Eintrittsgeld – durfte man den Schlosspark betreten, sich umschauen, sich unterhalten und natürlich auch verköstigen. Oder zechen, etwa in der „Alten Kybel-Schenke“ der Kübele-Hannes.

Eine besondere Attraktion war die mittelalterliche Hochzeit: Stephan Hörmann und Katja Jablonski aus Laufen gaben sich am Samstagmorgen im Schloss Lautlingen das Ja-Wort. „Das Mittelalter ist ein großes Hobby von uns“, bekannten sie nach der Trauung durch Heiko-Peter Melle, der die Aufgabe des Standesbeamten übernahm. Doch doppelt genäht hält besser: Später ließ sich das Paar noch im Rahmen einer besonderen Zeremonie im Freien von einem Druiden trauen.

Am Samstagnachmittag war Festumzug; 15 Gruppen mit rund 300 Teilnehmern liefen mit. Der Weg führte, vorbei an vielen Zaungästen, von der Von-Stauffenberg-Straße über die Falkenstraße zum Kirchenvorplatz. Zahlreiche Schulkinder waren, mittelalterlich gewandet, mit von der Partie; die „Waffenröckchen“ hatte die Firma Mey kostenlos zur Verfügungs gestellt; die Wappen hatten die Kinder anschließend selbst auf den Stoff gemalt. Ebenfalls dabei: der Kindergarten, die Musikkapelle Frohsinn, der Fanfarenzug Nusplingen und viele andere mehr.