Eindrucksvoll stellte die Ritterschar auf dem Mittelalter-Markt zu Lautlingen ihr Können unter Beweis – allerdings scheint nur wenige Zuschauer die frohe Kunde über das Spektakel auf dem Stauffenberg-Schloss ereilt zu haben Foto: Carmen Soudani

Den „Glanz der Ritterzeit“ haben die Besucher des zweiten Mittelalter-Marktes in Lautlingen erlebt. Im Spektakel stand dieser dem ersten in nichts nach – wohl aber an der Zahl der Köpfe, die erschienen waren. Eine Fortsetzung soll es 2025 trotzdem geben.

Die Mittelalterfans kamen voll auf ihre Kosten: Orientalische Tänzerinnen bewegten sich zu den Klängen, die das Duo Dulcimus seinen exotischen Instrumenten entlockte. Schreiner und Seiler erläuterten ihr jeweiliges Handwerk; wer mochte, durfte sich sein eigenes Seil drehen. Auch das Spinnrad rotierte, der Gaukler und Feuerkünstler Eyachrabe brachte mit seinen Scherzen die Lacher auf seine Seite, und die Besucher spielten Bauernkegeln und Rattenfangen oder versuchten sich im Axtzielwurf.

 

Die Lagergruppe „Die Leitwölfe“ boten ein Knappentraining an und gaben Anschauungsunterricht in den diversen Schwertkampftechniken, ein Mäuerchen weiter sang Barde Funkendrang mit unvergleichlich schöner Stimme das Lied „Vagabund der Zeit“, und allerorten klickten die Kameras der Marktbesucher, die sich, mittelalterlich gewandet, gegenseitig ablichteten. Oder aber die Händler in historischen Kostümen, die Kostüme, Schwerter, Bücher und allerlei Handwerkskunst feilhielten.

Wie ein Recke den Unmut der Lautlinger auf sich zog

Nicht zu vergessen: das leibliche Wohl. Fränkische Rosettenwaffeln, hergestellt mit einem speziellen Eisen, wurden, wie die Maid, die das Eisen bediente, versicherte, schon vor vielen Jahrhunderten gebacken – die künftige Schwiegermutter soll es der Schwiegertochter in spe stets kurz vor der Hochzeit geschenkt haben, damit die Braut unerwartete Gäste verköstigen konnte.

Im Mittelpunkt standen indes die Ritter, die sich, ihre Rüstungen und Waffen voller Stolz dem Publikum präsentierten. Doch dann begann einer von ihnen, ein Auswärtiger, der einen Schimmel ritt, über das „stinkende Volk Lautlingens“ zu lästern, und provozierte damit hörbaren Unmut – gut, dass zuvor eine kleine Übungseinheit im Jubeln und Ausbuhen auf dem Programm stand.

Verneigung vor dem Edelmann Heiko Peter Melle

Bei Ringreiten, Quintana und Tjost stellten die Ritter sodann eindrucksvoll ihr Können unter Beweis; das Turnier mit Rittern, Herold und Persevanten – so heißen die Gehilfen und Adlati des Herolds – war zweifellos der Höhepunkt der Veranstaltung.

Der Herold versäumte es übrigens nicht, Heiko Peter Melle, den im Januar verstorbenen Lautlinger Ortsvorsteher und Mitbegründer des Mittelaltermarkts, zu würdigen. Im vergangenen Jahr, als Lautlingen den 1230. Jahrestag seiner urkundlichen Ersterwähnung feierte, hatte Melle noch im Gewand eines Edelmanns aus dem 14. Jahrhundert mitgefeiert und in seinem Grußwort den Markt als „eine wahre Neuheit“ in den Lautlinger Burgmauern willkommen geheißen. Ob sich diese Neuheit zur Tradition etablieren wird, hängt allerdings zuvörderst von den Besucherzahlen ab. Die ließen diesmal zu wünschen übrig; viele versicherten hinterher, die Nachricht habe sie nicht erreicht. Bleibt zu hoffen, dass im nächsten Jahr mehr Besucher der Einladung zu diesem mit so viel Liebe und Aufwand gestalteten Ereignis folgen. Es wird wahrscheinlich vom 10. bis 12. Oktober 2025 stattfinden.