Das Mittelalter war auch ein bisschen gruselig. Foto: Thomas Fritsch/Thomas Fritsch

Pünktlich zum Fassanstich ist der Regen weg. Turnier-Bösewicht Horst Bulheller: „Ideal. Kein Verkriechmich-Wetter, kein Freibad-Wetter. Sondern die Übergangsjacke anziehen und raus!“ Er präsentiert seine neue Prinzessin.

Dieser Anheizer ist echt EM-würdig. Doch daran denkt vor dem Ritter-Bier-Fass auf dem Flößerwasen noch keiner.

Der Burgunder Francois de Moncorbin bringt den voll besetzen Flößerwasen erst mal richtig in Stimmung. Dann peitscht er das Publikum immer wieder bis zum Handgeklapper Niveau Trois (franz. für drei) hoch. Moncorbin: „Die kleinen Kinder in die Luft schmeißen.“ Das macht zum Glück keiner.

OB Peter Rosenberger – diesmal im schlichten Schwarzen – nimmt die Stimmung auf. Sagt: „Feiern wir gemeinsam. Wir lieben das Mittelalter. Und nach der Kommunalwahl die Demokratie noch mehr. Und so voll, wie der Flößerwasen jetzt schon ist, sieht man: Die schönste Nebensache der Welt sind die Ritterspiele. Die zweitschönste das, was um 21 Uhr beginnt.“ Das Auftaktspiel der Fußball-EM.

So lief der Fassanstich

Bürgermeister Ralph Zimmermann atmet erleichtert auf, als Rosenberger die neue Kulturmanagerin Caroline Yi zum Fassanstich bugsiert. Rosenberger: „In der Vergangenheit hat das Finger gekostet – den von Bürgermeister Zimmermann. Zwei Finger wären Rekord!“

Doch die Kulturmanagerin zeigt, wo der Barthel den Most holt. Sechs mal den Hammer auf den Hahn, es spritzt kaum. Dann fließt das Bier. Und Hochdorfs Biersommelier Andreas Blasius bringt auf den Punkt, was das Ritterbier ausmacht – der „geringe Trinkwiderstand“.

Dionysos auf der Inselspitze, Ritterlager an neuer Stelle

Findet auch Michael Singer vom Neckarrauschen mit seinem Mitarbeiter, der zum Leinengewand noch eine Art Lorbeerkranz trägt. Passt wenigstens zum Dionysos. Ein perfekter Auftakt für die Ritterspiele. Die noch mehr Mittelalter sind als nie zuvor. Liegt auch daran, weil das Lager diesmal nicht nur vor dem Turnierplatz ist, sondern zwischen den Turnieren auch unter der Christophorusbrücke auf direktem Weg erreichbar ist.

Hier warten unter anderem die Soldknechte aus Augsburg oder die wilden Wikinger vom Nordfjord Waväger. Und beim beliebten Turnier setzt der böse Fürst alias Horst Bulheller diesmal auf Flower Power: „Es geht um jede Menge Action. Und den Kampf zwischen Grün und Schwarz. Dazu jede Menge Flower-Power mit Bäumen, Elfen und Co.“ Mit Politik hat das aber nichts zu tun.

Noch besser: Der böse Fürst hat eine neue Prinzessin dabei. Bulheller: „Ich bin so stolz, Anna Bashenko aus der Ukraine für mein Team gewonnen zu haben. Sie wird – zum ersten Mal in Horb – im Prinzessinnen-Kleid im Damensattel einreiten.“

Nachtturnier mit Feuer und Pferdekunst

Und nach dem Pressegespräch zeigt die neue Prinzessin, was viele Ritterspiel-Fans beim Nachtturnier mit Feuer und Pferdekunst am Samstagabend um 22 Uhr erwarten können – feinste Dressur und Pferdekunst. Dann tragen aber alle wundervolle Kostüme.

Die Ritterspiele 2024 sind also angerichtet – und sogar das Wetter stimmt diesmal. Keine Hitze.

Bulheller bringt es wie folgt auf den Punkt: „Das ist ideal. Kein Verkriechmich-Wetter, kein Freibad-Wetter. Sondern die Übergangsjacke anziehen und raus!“