Der Kueseckel wird 75 Jahre alt. Die Idee dahinter: Auch solchen Hanseln mit etwas weniger Sprungkraft zu ermöglichen, nicht zu Hause hocken zu müssen.
Es ist ein alter Spitzname für die Donaueschinger: „Kueseckel“. Dieser hat sich in der Donauquellstadt längst vom Wort zum Markenzeichen gemausert. Heute zieht die bunte Truppe eher älterer Jahrgänge durch die Straßen. Jung geblieben und schon immer dabei.
Das Häs ist dabei unverkennbar: Zipfelmütze auf, blaues Fuhrmannshemd an, kunstvoll bemalte, weiße Hanselhose mit Donaueschinger Motiven darüber und die rote Pappnase festgeschraubt. In der Hand natürlich die Geisel mit einer oder mehreren Suublodere, treffsicher in Richtung der Umzugsbesucher zum Necken.
Auf der Baar weiß man, dass Kueseckel kein Schimpfwort ist, sondern eine Auszeichnung. Gemeint ist mit diesem Ausdruck nämlich ein verschmitzter, leicht närrischer Mensch mit Charakter. Dass eine Kuh biologisch gesehen immer weiblich ist und es den „Kueseckel“ eigentlich gar nicht geben dürfte, macht die Sache nur noch besser. Die Fasnet hält sich halt auch nicht an Naturgesetze.
Erster Auftritt im Jahr 1951
Seinen ersten großen Auftritt hatte der Kueseckel am Schmutzige Dunschtig 1951, damals als Bruder und Begleiter des Hansels. Die von Carl Stier bemalten Hosen zeigten echte Donaueschinger Narrenlegenden wie beispielsweise Meder Toni und Wilhelm Habel – quasi ein rollendes Narrenmuseum.
Dass der Narrenrat den Namen „Kueseckel“ lieber gegen das bravere „Zunftspetzl“ getauscht hätte, ist eine nette Fußnote der Geschichte. Zum Glück hat sich der gesunde Volksverstand durchgesetzt. Heute gibt es allerdings ein kleines Problem: Nachwuchs. „Acht sind wir noch“, sagt Oberkueseckel Fritz Oehler. „Früher waren wir doppelt so viele.“
Heißt im Klartext: Wer Lust hat, Fasnet nicht nur anzuschauen, sondern richtig mitzumachen, ist herzlich eingeladen. Zwei Leihhäser warten beim Frohsinn – für den Schmotzigen Donnerstag und den großen Umzug am Sonntag. Keine Sorge, Jucken ist keine Pflicht, Spaß schon.