Niels Horstrup und Tanja Roß wollen die Gärtnerei Zipf in Mahlberg in eine solidarische Landwirtschaft (Solawi) umwandeln. Dafür suchen sie noch Anteilseigner. Gegen einen festen Betrag und Mithilfe gibt es ab Mitte 2024 einmal in der Woche frisches Gemüse.
„Der Betrieb bekommt durch die wöchentlichen Beiträge der Mitglieder Planungs- und Finanzsicherheit und die Mitglieder im Gegenzug jede Woche frisches, regionales Biogemüse – und können sich zudem nach Wunsch in das Projekt einbringen“, beschreibt Niels Horstrup das Konzept hinter der solidarischen Landwirtschaft. Es gehe dabei nicht um den Profit, sondern darum mit Ressourcen wie Wasser oder Boden sinnvoll umzugehen und gemeinsam etwas zu bewirken.
Die Begeisterung und Überzeugung hinsichtlich der Solawi kommt nicht von ungefähr. Beide haben bereits gute Erfahrungen mit dem Konzept gemacht. Tanja Roß bringt jahrelange Erfahrung aus einer Solawi bei Leipzig mit.
Auch Horstrup bringt vielfältige, jahrelange Erfahrung aus der Landwirtschaft mit und hat vor vier Jahren eine weitere Solawi bei Leipzig mitgegründet. „Mit diesem Betrieb haben wir 1200 Haushalte mit Gemüse versorgt“, schildert er stolz. Auch die Solidarität, die die Mitglieder untereinander verbindet, begeistert beide. „Es geht bei der Solawi sowohl um ökologische als auch um soziale Nachhaltigkeit – und wenn das beides zusammenkommt, dann macht es richtig Spaß“, so Horstrup.
In Mahlberg wollen sie sich etwas aufbauen
Warum aber ging es für die beiden von Leipzig nach Mahlberg? „Wir hatten Lust nochmals neu gemeinsam eine Solawi aufzubauen“, schildert Roß. Gleichzeitig musste etwas mit der Mahlberger Gärtnerei, die Horstrups Vater Matthias Zipf gehört, geschehen. In dieser war die nötige Infrastruktur für eine Solawi schon vorhanden – wie etwa Technik, Brunnen oder Gewächshaus. „So sind wir letztendlich immer wieder auf Mahlberg zurückgekommen“, erklärt Horstrup.
Darum wollen sie nun in Mahlberg durchstarten
Ende 2022 haben die beiden dann den Schritt gewagt und beschlossen, die Gärtnerei wieder mit Leben zu füllen und zur Solawi umzubauen. Beide freuen sich darauf loszulegen, auch wenn sie – wie Roß zugibt – die Menschen rund um Leipzig vermissen werden.
Mitglieder bestimmen, was umgesetzt wird
Was genau soll aber in Mahlberg geschehen? Ein Konzept und die Eckpfeiler haben sich die beiden zwar überlegt, die genaue, konkrete Ausgestaltung wollen sie aber den zukünftigen Mitgliedern überlassen. „Es geht nicht um uns zwei als Einzelne, sondern darum, was wir gemeinsam bewegen können“, betont Roß.
Eine Genossenschaft, das wird auch die juristische Rechtsform der Solawi sein, lebe schließlich durch und von den Mitgliedern. „Es gibt nicht den oder die Eigentümer, sondern alle Mitglieder sind durch ihre Einlage Miteigentümer. Wir sind auch auf juristischer Ebene alle gleich. Das macht etwas mit den Menschen und wie sie sich für das Projekt verantwortlich fühlen und teilhaben können. Das macht diese Rechtsform so überzeugend“, schildert Zipf. Bei Entscheidungen – egal wie bedeutend – habe jedes Mitglied genau eine Stimme.
Mitglieder bestimmen, was umgesetzt wird
Es gebe zwar einen Vorstand, der sich um administrative Dinge kümmert, der werde aber genau wie der Aufsichtsrat, der ihn kontrolliert, von den Mitgliedern gewählt. Auch eine externe Prüfstelle prüft einmal im Jahr die Finanzen.
Demokratisches Einbringen
„Wir machen die Tür einladend weit auf, damit sich die Leute hier in welcher Form auch immer beteiligen“, so Horstrup und Roß. Wohin es geht, wird sich letztendlich zeigen, wenn es wirklich losgeht, und sie sich mit den Mitgliedern treffen und austauschen. Eines aber scheint sicher: „Es gibt viel zu tun und viele Möglichkeiten etwas mitzugestalten. Der Hof hat ein großes Potenzial. Jeder soll sich nach seinen Stärken einbringen und einsetzen“, so Horstrup und Roß. Ihr eigenen Stärken sehen die beiden im Gärtnern. Es gebe aber auch viele weitere Aufgaben wie Verwaltung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Bauarbeiten oder alles rund ums Verkaufen.
Mitglieder haben vielfältige Möglichkeiten, sich einzubringen
Aktuell bedient die Gärtnerei fünf Wochenmärkte und hat 200 bis 250 Bezieher von Abokisten. „Die Wochenmärkte wollen wir gerne weiter beliefern. Schon meine Urgroßmutter ist mit der Kopftrage auf den Lahrer Wochenmarkt und hat dort ihre Waren verkauft“, erklärt Horstrup. Er hofft deshalb, dass sich in der Solawi jemand finden werde, der sich dafür begeistern wird.
Letztendlich sei das Einbringen keine Pflicht: „Aber wir würden uns freuen, wenn die Leute auch dazukommen und nicht nur abholen. Wenigstens ein zwei Mal im Jahr. Man hat dann einfach einen anderen Bezug und eine andere Wertschätzung dafür“, erklärt Horstrup. „Wenn Familien zum Ernten kommen, ist das gerade für die Kinder immer eine Riesengaudi“, schildert er. Auch ein Erntefest wolle man einmal im Jahr mit allen Mitgliedern feiern.
80 Voranmeldungen sind für den Einstieg nötig
30 Leute haben sich bereits für einen Ernteanteil vorgemeldet. Dieser kostet etwa 25 bis 30 Euro pro Woche. Er soll so groß sein, dass man mit dem Gemüse, das man im Austausch bekommen wird, eine drei- bis vierköpfige Familie versorgen kann. Um zu starten, müssen es mindestens 80 Haushalte werden. Langfristig müsste man auf 250 bis 300 Haushalte kommen, damit die Solawi sich trägt. Geplant sind Verteilstationen in Lahr, Seelbach, Herbolzheim und Offenburg, aber wenn Interesse besteht, werde man auch noch andere Orte beliefern, erklärt Horstrup.
Er und Roß sind zuversichtlich, ihr Ziel zu erreichen: „Ich habe das Gefühl, dass großes Interesse besteht und viele mit Offenheit an das Konzept herangehen. Wir haben viel Zuspruch für diesen mutigen Schritt bekommen. Aber wir haben auch noch viel Arbeit vor uns, damit die Mitglieder 2024 das erste Gemüse beziehen können.“
So geht’s weiter
Über ihr Projekt werden Niels Horstrup und Tanja Roß am Mittwoch, 19. Juli, ab 18 Uhr im Bürgerzentrum im Bürgerpark in Lahr informieren. Am Donnerstag, 20. Juli, sind sie ab 18 Uhr in der Waldorfschule Offenburg und vom 22. bis 23. Juli auf dem Agri-Kultur-Festival in Freiburg anzutreffen. Wer bei der Mahlberger Solawi mitmachen will, findet unter www.solawimahlberg.de weitere Informationen.