Drei Sets, 200 Fans und eine klare Botschaft: Dr. Gonzo begeistert in der restlos ausverkauften Kulturwerkstatt Simmersfeld.
Wenn in der Kulturwerkstatt die Wände beben und 200 Menschen wie aus einem Guss tanzen, dann ist wieder „Dr. Gonzo-Zeit“. Die Band bewies erneut, warum sie im Nordschwarzwald Kultstatus genießt: Mit einem restlos ausverkauften Konzert, fünf Song-Premieren und einer Show, die technisch wie emotional neue Maßstäbe setzte, verwandelte die Formation den Saal in eine Hochburg der Live-Rock-Musik – mutig, direkt, unverstellt.
„Das war ein kompletter Abriss – jeder Auftritt fühlt sich besonders und einzigartig an“, sagte eine begeisterte Stamm-Zuhörerin – ein Kompliment, das den Kern der Band trifft. Genau dieser Anspruch, das Publikum immer wieder neu zu überraschen, zog sich auch diesmal durch das gesamte Konzept.
Von Toto bis Flashdance: Ein Einstieg mit Hochspannung
Schon das erste Set gab die Richtung vor: pure Dynamik. Mit „White Sister“ katapultierten Frontmann Thorsten Früchtl und seine Truppe die Energie sofort in den roten Bereich. Es folgten tanzbare Hymnen der 80er- und 90er-Jahre, darunter eine packende Version von Seals „Crazy“, die durch ihren Groove die Tanzfläche füllte. Den krönenden Abschluss des ersten Blocks bildete der ikonische 80er-Hit „Maniac“ (Flashdance).
Gänsehaut pur im Unplugged-Intermezzo-Modus
Dass Dr. Gonzo auch die leisen, filigranen Töne beherrscht, bewies das zweite Set. Komplett „unplugged“ und reduziert, präsentierte sich die Band von ihrer rohen Seite. Ein Glanzpunkt war die Begleitung durch David Bem, Geiger, Chorleiter und Musikpädagoge der Musikschule Altensteig. Ob Geige oder Sopran-Saxofon – Bems Spiel verlieh den Arrangements eine magische, orchestrale Tiefe.
Rock-Exzess und visuelle Welten im Finale
Im dritten Teil brachen alle Dämme. Die Videoleinwand mit abgestimmten Visuals, die den gesamten Abend über das Ambiente der Bühne veredelte, entfaltete hier ihre volle Wirkung: Früchtl griff zur verzerrten E-Gitarre, während niemand mehr stillstand. Klassiker wie „Get Lucky“ wurden in der typischen, druckvollen Dr. Gonzo-Manier neu interpretiert. Ein instrumentales Highlight lieferte Werner Tomasi bei „Room to Move“: Sein Mundharmonika-Solo war so intensiv, dass die Grenzen zwischen Musiker und Instrument verschwammen.
Zum charakteristischen Sound trug auch das Zusammenspiel der weiteren Bandmitglieder bei: Jürgen Scheib ließ am Keyboard flächige Sounds und punktgenaue Akzente ineinander greifen, während Jan Lachhein mit Saxofon und Gesang immer wieder neue Klangfarben in die Stücke legte. Lutz Dorner hielt am Bass die Linien stabil und präsent, Tobias Frey setzte am Schlagzeug die Impulse – mal druckvoll nach vorne, mal fein dosiert im Hintergrund.
Eine Botschaft, die unter die Haut geht
Die Zugaben forderten noch einmal alles ab. Nach dem brachialen „Enter Sandman“ (Metallica) folgte der emotionale Höhepunkt mit „Zombie“ von Yungblud. Früchtls Appell, auch in schweren Phasen den Kopf oben zu behalten und für Zusammenhalt einzustehen, verlieh dem wilden Rockabend eine unerwartete, tiefgründige Note, die sichtbar nachwirkte.
Am Ende blieb ein frenetischer Applaus für eine Band, die sich nach der Show noch lange auf Augenhöhe mit ihrem Publikum austauschte. Ein Dank galt auch dem Team der Kulturwerkstatt Simmersfeld: Roland und Max Schweizer, die als Gastgeber den Abend mit viel Engagement möglich machten, unterstützt von einem Technikteam, das mit Licht und Sound die perfekte Bühne für dieses musikalische Erlebnis schuf.