Seinen Autoschlüssel gab Bürgermeister Michael Ruf (links) Tourismusdirektor Patrick Schreib. Jetzt bevorzugt Ruf das elektrisch unterstützte Fahrrad. Foto: rt

Es war eine Geste mit Symbolgehalt: Baiersbronns Bürgermeister Michael Ruf händigte seinen Autoschlüssel Tourismusdirektor Patrick Schreib aus, schwang sich aufs Rad und strampelte von dannen.

Baiersbronn - Es war seine erste größere Tour mit dem Elektro-Fahrrad, bei kühlen Frühlingstemperaturen begleitet von einem kalten Wind. Die Schlüsselübergabe war Auftakt zu einer ungewöhnlichen Mitmachaktion. Bis 2. August können Baiersbronner Bürger kostenlos ein Pedelec über zehn Tage im Alltagsbetrieb testen, wenn sie dazu einen Fragebogen ausfüllen und über ihre Touren Buch führen.

Denn neben dem Beispielcharakter für umweltfreundliche, moderne Mobilität dient das Elektro-Radeln auch der Wissenschaft, vertreten durch Jan Riel von der Hochschule Karlsruhe. Ziel ihrer Studie ist es, nachhaltige E-Mobilität in die künftige Stadtplanung im ländlichen Raum einfließen zu lassen.

Leihräder sind mit Navigation ausgestattet

Die Studie soll Aufschluss geben, wie Menschen im Alltag unterwegs sind. Dazu werden die Leihräder mit einem Navigator ausgestattet, der unter anderem gefahrene Kilometer und Höhenunterschiede notiert. Das Projekt wird von Fahrrad- und Antriebsherstellern unterstützt. Als Partner vor Ort reiht sich Physio-Cycles am Rosenplatz in Baiersbronn ein. Dort hat sich Physiotherapeut Marcus Bangert 2020 seinen Traum erfüllt und als leidenschaftlicher Radsportler seiner Praxis ein Radsport-Fachgeschäft angegliedert.

Die Aktion "Autoschlüssel gegen E-Bike" ist nach Auskunft von Veranstaltungsleiter Moritz Stockburger bereits bis auf wenige Termine ausgebucht, ein so nicht erwarteter Erfolg gleich zum Start. Dieser Start am Rosenplatz war am Samstag begleitet von vielen klugen Worten vieler Männer. Da verwies der Bürgermeister sowohl auf die Freuden des Pedelecfahrens selbst in einer Gemeinde mit "mehr (topografischen) Höhen als Tiefen", als auch auf das umfassende Netz an Rad- und Mountainbike-Wegen.

Baiersbronns Tourismusdirektor Patrick Schreib, selbst überzeugter Radler und Mitglied eines Forums für Tourismus und Mobilität des Verkehrsministeriums, war überzeugt, dass die Autoschlüssel-Aktion "ein bissle was verändern werde". Claus Fleischer von der Firma Bosch-eBike-Systems wusste aus Erfahrung, dass das Pedelec bei weniger engagierten Radlern manche Bequemlichkeits-Ausreden wegwischt. Baiersbronn werde mit der Aktion zum "schönen Versuchslabor mit hochwertigen Rädern".

Gemeinde nicht  nur wegen "bewegter Topografie" ausgewählt

Jan Riel von der Hochschule Karlsruhe – wie auch Fleischer ein intimer Kenner der jüngsten Baiersbronner Verkehrspolitik – erklärte, dass die Schwarzwaldgemeinde nicht nur wegen ihres ungewöhnlichen Angebots an Radwegen und ihrer "bewegten Topografie" für den Test ausgewählt wurde. Sondern beim Ausbau der Freudenstädter Straße mit ihrer Barrierewirkung habe die Gemeinde auch mutig "gegen alle Widerstände den Quantensprung gewagt". Schlussendlich erinnerte Geschäftsführer Marcus Bangert an die gesundheitliche Wirkung des Radfahrens.

Am Rande versprach Bürgermeister Michael Ruf, dass er künftig mehr das Fahrrad nutzen wolle. Zwar könne bei seinem Bürgermeister-Job selbst ein E-Bike das Dienstauto nicht ersetzen, aber für die Fahrt zum Dienst sei es sicherlich sehr willkommen. Vor allem auf dem Heimweg. Denn wenn er den steilen Weg mit einem herkömmlichen Fahrrad hochstrampelt "muss ich unters Sauerstoffzelt".

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: