Eine Satzungsänderung schreibt nun fest, dass die Mitgliederversammlungen des Fußball-Bundesligisten in Präsenz stattfinden – ansonsten braucht es einen langen Anlauf und viele Gegenstimmen.
Die Diskrepanz wird immer größer. Auf der einen Seite steht die wachsende Zahl an Vereinsmitgliedern beim VfB Stuttgart – und auf der anderen Seite die überschaubare Gruppe an Mitgliedern, die tatsächlich zur jährlichen Versammlung des Fußball-Bundesligisten gehen. In der Spitze waren es am vergangenen Samstag 1600 Menschen, die in der Schleyerhalle zusammenkamen, um den Präsidenten, das Präsidium und den Vereinsbeirat zu wählen.
Als Superwahljahr wurde das Ganze im Vorfeld ausgerufen. Bei aktuell 122 000 Mitgliedern ist die Beteiligung an den richtungweisenden Entscheidungen beim VfB jedoch schwach gewesen. In Zukunft könnte die Anzahl derer, die mitreden und mitgestalten wollen, im Verhältnis weiter sinken, da der größte Antrieb für eine Mitgliedschaft aufgrund eines Vorkaufrechts die Aussicht auf Eintrittskarten für VfB-Spiele ist.
Diese Entwicklung gibt es seit Jahren. Die Vereinspolitik bleibt dagegen ein Feld für Spezialisten. Zumal wenn keine kontroversen Themen auf der Tagesordnung stehen. Und am Status quo wird sich erst einmal nichts ändern. Denn die Mitgliederversammlungen werden weiter als Präsenzveranstaltungen durchgeführt. Entsprechend einer Satzungsänderung, die mit 88,48 Prozent an Ja-Stimmen angenommen wurde.
In Paragraf 13, Absatz zehn, heißt es nun verkürzt: „Die Mitgliederversammlung findet als Präsenzveranstaltung statt. Abweichend hiervon darf das Präsidium die ordentliche Mitgliederversammlung nur dann als hybride oder digitale Versammlung einberufen, wenn dies auf Antrag eines Mitglieds . . . beschlossen wurde . . .“ Eine Dreiviertelmehrheit bräuchte es dann, und die Abstimmung über ein anderes Format müsste ein Jahr zuvor über die Bühne gehen.
Hohe Hürden sind das, womit die Mitgliederversammlung in Präsenz erst einmal zementiert ist. Unabhängig von der steigenden Mitgliederzahl, die auch die Einnahmen auf Vereinsseite steigen lässt, und dem Wunsch von Mitgliedern, aus der Ferne dabei sein zu können. Zuvor hätte das Präsidium allein darüber entscheiden können, ob eine Mitgliederversammlung in hybrider Form stattfinden soll. Diese Möglichkeit hatte der Gesetzgeber im Jahr 2023 eingeräumt, getragen von den Erfahrungen während der Corona-Pandemie. Nur höhere Gewalt würde nun auch noch dafür ausreichen, um sich nicht in einer Halle oder dem Stadion zu versammeln.
„Im Präsidium haben wir uns bewusst dazu entschieden, diese weitreichende Entscheidung direkt in die Hände der Mitgliederversammlung zu legen. Es gibt Gründe, die für eine Hybridversammlung sprechen würden und ebenso für die reine Präsenzveranstaltung. Dieses Thema hat den VfB auch schon lange beschäftigt. Deshalb ist es gut und wichtig, dass wir dies jetzt klar in der Satzung geregelt haben“, sagt der Präsident Dietmar Allgaier, der mit Andreas Grupp und Stefan Jung im neuen Präsidium sitzt, das sich demnächst konstituieren wird.
Während der Aussprache zuletzt hatte Allgaier ohnehin wieder angeregt, das Thema Hybridveranstaltung auf einer Mitgliederversammlung zu diskutieren. Mehrere Versuche, weg von einer reinen Präsenzveranstaltung zu kommen, sind beim VfB ja bereits gescheitert. Trotz der Argumente, dass auf die herkömmliche Weise nur ein Bruchteil der Mitgliedschaft über die Zukunft des VfB entscheide beziehungsweise dass dieses Vorgehen nicht mehr dem Zeitgeist und den technischen Möglichkeiten entspräche.
„Ich bin immer für das Maximum an Partizipation und würde mir wünschen, dass noch viel mehr Mitglieder unserer VfB-Familie zukünftig an der Mitgliederversammlung teilnehmen“, sagt Allgaier, „deshalb wollen wir unseren eingeschlagenen Kurs, die Versammlung zeitlich kompakter zu fassen, fortführen.“ Sechseinhalb Stunden dauerte das Treffen in der Schleyerhalle, deutlich kürzer als in den Jahren zuvor.
Dennoch geht es weiter darum, wie sich mehr Mitglieder dazu bewegen lassen, sich auf den Weg in den Versammlungsort zu machen. „Zugleich werden wir prüfen, welche Möglichkeiten es gäbe, die Teilnahme noch attraktiver zu gestalten und noch stärker eindrückliche Momente des Gemeinschaftsgefühls zu kreieren. Die Mitgliederversammlung soll als Fixtermin unseres Vereinslebens wahrgenommen werden. Man könnte beispielsweise unseren Abteilungen an diesem Tag zusätzlichen Raum geben, sich zu präsentieren, oder Angebote für Kinder schaffen, während die Eltern die Versammlung besuchen“, sagt Allgaier.