Im Werben um zufriedene Mitarbeiter setzt der Familienpark Traumland auf der Schwäbischen Alb jetzt auf Mitbestimmung. In der Branche ist er damit eine Ausnahme.
Mancher Mitarbeiter des Traumlands auf der Bärenhöhle war etwas irritiert. „Jetzt spinnt sie total“, soll es einem leitenden Angestellten sogar entfahren sein. Ausgerechnet die Chefin hatte im firmeninternen Podcast die Gründung eines Betriebsrates für den Familienfreizeitpark bei Sonnenbühl (Kreis Reutlingen) angekündigt. Dafür habe man nun wirklich keine Zeit, raunte es. Doch Ines Ehe fackelte nicht lange. In die neue Saison, die Wochenende gestartet ist, ging der Park tatsächlich mit seinem neu gewählten Betriebsrat.
Was das Traumland da realisiert hat, ist in Deutschland das gute Recht von Arbeitnehmern, für viele Mittelständler aber schlicht ein Albtraum. Ein solcher hatte Ehe überhaupt erst auf die Idee gebracht: Ein befreundeter Unternehmer habe ihr sorgenvoll von Planungen in seiner eigenen Belegschaft berichtet. Doch anders als er sah Ehe darin eine Chance. In der Branche ist sie damit eine absolute Ausnahme. „Bei uns in Tripsdrill gibt es keinen Betriebsrat“, sagt ein Sprecher des Wild- und Freizeitparks in Cleebronn (Kreis Heilbronn). Dort arbeiten ganzjährig 100 und in der Hochsaison mehr als 450 Menschen. Der Schwaben-Park in Kaisersbach (Rems-Murr-Kreis) – 30 bis 40 Ganzjahresmitarbeiter, bis zu 200 Saisonkräfte – antwortete erst gar nicht auf eine Anfrage dieser Zeitung. Man wolle sich nicht äußern.
Der Europa-Park kennt kein solches Gremium
Nicht einmal der Europa-Park in Rust, mit 4450 Mitarbeitern bald hundertmal so groß wie das Traumland auf der Schwäbischen Alb, kennt ein solches Gremium. „Wir sehen hier keine nennenswerten Vorteile, die sich durch die Einführung ergeben würden“, erklärte eine Sprecherin. Dennoch pflege man einen „sehr engen Austausch“ mit allen Mitarbeitern. „Das ist uns als Familienunternehmen besonders wichtig.“
Der Wettlauf um Mitarbeiter wird härter
Der Europa-Park setze dabei auf gezielte Mitarbeiter-Umfragen. Zudem sei ein „ausgeprägtes internes Verbesserungswesen“ installiert worden. Denn klar ist: Bei den Freizeitparks wird der Wettlauf um Teilzeit-, Vollzeit- und Aushilfskräfte immer wichtiger. Mehr als 500 neue Mitarbeiter habe man für die neue Saison gewinnen können, heißt es beim Europa-Park. „Das ist in der aktuellen Marktlage ein außergewöhnliches Ergebnis“ und zeige, dass das Europa-Park-Resort eine große Attraktivität auch über die deutschen Grenzen hinaus ausstrahle, sagte die Sprecherin des Parks.
Auch bei Tripsdrill hat man die Bedingungen für die Mitarbeiter immer weiter verbessert. Neu sei die betriebliche Krankenversicherung. Außerdem biete das Familienunternehmen eine arbeitgeberfinanzierte Betriebsrente, Firmenrabatte im Fitnessstudio und beim Friseur und auch einen Zuschuss zum Nahverkehr. Neben dem eigenen Park dürften die Mitarbeiter einmal im Jahr kostenlos auch einen Partnerpark in Europa besuchen. „Auch solche Vorteile sind immer wichtiger, um Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten“, sagte der Sprecher.
Bringt der Betriebsrat Sand ins Getriebe?
Das Traumland befindet sich ebenfalls in diesem Wettlauf um Arbeitskräfte. Private Krankenversicherung, Betriebsrente, höhere Löhne und zusätzliche Urlaubstage seien längst Bestandteil der Arbeitsverträge. Jetzt also der Betriebsrat: „Ich bin der festen Überzeugung, dass er Mehrwert in das Unternehmen bringen wird“, sagte Ines Ehe. Sie erhoffe sich mehr Transparenz, eine reibungslosere Kommunikation und in der Folge ein noch besseres Betriebsklima.
Dass zukünftig Prozesse länger dauern könnten, befürchtet Ehe nicht. „Vielleicht bin ich zu optimistisch“, aber sicherlich werde der Betriebsrat helfen, schwelende Konflikte frühzeitig zu erkennen. „Dann suchen wir eine Lösung.“
Kleine und große Parks
Traumland
Der kleine Freizeitpark auf der Bärenhöhle bei Sonnenbühl (Kreis Reutlingen) hat 40 festangestellte Mitarbeiter und 210 Saisonkräfte. Er gilt als Einsteigerpark. Hier fahren Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter erstmals Achterbahn, Wasserbahn oder Freefall. Im vergangen Jahr wurde er von 200 000 Gästen besucht.
Tripsdrill
Deutschlands ältester Freizeitpark bei Cleebronn (Landkreis Heilbronn) besteht aus einem Wildpark und einem Vergnügungspark mit mehreren Großachterbahnen. Er beschäftigt ganzjährig 100 Mitarbeiter und zu Spitzenzeiten mehr als 450. Tripsdrill hat das Thema Schwaben und zog zuletzt rund 825 000 Besucher an.
Schwaben-Park
1972 zunächst als Tierpark geöffnet verfügt der Schwaben-Park bei Kaisersbach (Rems-Murr-Kreis) heute über etliche Fahrgeschäfte und auch mehrere Achterbahnen. Er beschäftigt 30 bis 40 Mitarbeiter und weitere 200 in der Hochsaison. Mehr als 200 000 Besucher seien im vergangenen Jahr gezählt worden.
Europa-Park
Der Branchenführer verzeichnete mit mehr als acht Millionen Gästen im vergangenen Jahr einen neuen Besucherrekord. Das Unternehmen in Rust (Ortenaukreis) hat rund 4450 Mitarbeiter.