Das Seelbacher Pflegeheim wird nur noch bis Jahresende betrieben. Die Lahrer Caritas hat für Bewohner und Mitarbeiter aber eine Lösung parat.
Die Beschäftigten von St. Hildegard wurden am Mittwoch um 10.30 Uhr zu einer Betriebsversammlung in den Besprechungsraum des Pflegeheims gebeten. Dort bekamen sie eine traurige Nachricht zu hören: Mirko Poetzsch und Mireille Ochalek-Starzetz, die Vorstände des Lahrer Caritasverbands, sowie Heimleiterin Olgas Heßler und Pflegedienstleiterin Sandra Weber sagten ihnen, dass das Haus mit seinen 40 stationären Pflegeplätzen und einer Tagespflege gegen Jahresende geschlossen wird. Das Tröstliche für die Mitarbeiter ist, dass sie dann alle in das neue Pflegeheim St. Marien wechseln können, das die Caritas in Ettenheim baut – es soll rechtzeitig fertig werden.
Tags zuvor hatten Poetzsch, Ochalek-Starzetz und Brigitta Schrempp vom Aufsichtsrat der Lahrer Caritas die Presse informiert. Mit der Bitte, vorerst Stillschweigen zu bewahren, da sie die Botschaft den Betroffenen selbst überbringen wollten. Dazu zählen vor allem auch die Bewohner von St. Hildegard. Jeder von ihnen kann im Neubau von St. Marien in Ettenheim unterkommen, aber auch in eines der beiden Pflegeheime der Caritas in Lahr wechseln, betonten Ochalek-Starzetz und Poetzsch.
Der Übergang solle fair und transparent gestaltet werden, hieß es. Deshalb werde es auch Einzelgespräche mit den Beschäftigten geben, während die Angehörigen der Bewohner zunächst per Brief informiert werden. Im Anschluss stehe man auch ihnen für Gespräche zur Verfügung, so die Caritas-Vertreter, die darüber hinaus am kommenden Montag im Seelbacher Gemeinderat Rede und Antwort stehen wollen.
Verbandsvertreter betonen, dass die Lahrer Caritas wirtschaftlich gesund ist
Das Aus für St. Hildegard bedeute keineswegs, dass der Caritasverband Lahr wirtschaftlich angeschlagen sei, betonten Poetzsch, Ochalek-Starzetz und Schrempp beim Gespräch mit der Presse. Der Verband stehe auf gesunden Füßen – und die Schließung des Heims in Seelbach solle dazu beitragen, dass das so bleibt.
Hintergrund ist, dass in dem rund 31 Jahre Jahre alten Gebäude, in dem die Caritas seit 26 Jahren ihr Pflegeheim betreibt, Modernisierungen fällig sind, die sich aus Caritas-Sicht nicht rentieren würden. Der Sanierungsbedarf, gerade auch durch sehr hohe Auflagen beim Brandschutz, betrage vier Millionen Euro – doch es sei es unverantwortlich, diese Investition zu tätigen.
Die Entscheidung habe man sich nicht leicht gemacht, wohl wissend, dass die Schließung für die Bewohner und Mitarbeiter ein Schlag sei, aber der Schritt sei alternativlos, betonten Ochalek-Starzetz, Poetzsch und Schrempp. Eine wirtschaftliche Analyse habe zu der Einsicht geführt, dass der Weiterbetrieb von St. Hildegard nicht mehr nachhaltig möglich sei. Bei den anderen Angeboten der Caritas werde aber nichts zurückgeschraubt. „Der Verband bietet in seinen drei Caritashäusern Sancta Maria, St. Elisabeth und St. Marien sowie in den sozialen Diensten weiterhin qualitativ hochwertige Dienstleistungen an“, hob Poetzsch hervor.
Die Schließung des Seelbacher Hauses hat indes nicht nur wirtschaftliche Gründe. Denn bis zu 15 der insgesamt 56 Mitarbeiter gehen in den nächsten fünf Jahren in den Ruhestand – und die Caritas hält es nicht für möglich, sie vor Ort zu ersetzen. Der Fachkräftemangel in der Pflege habe dazu geführt, dass qualifizierte Leute sich die Stellen aussuchen könnten – und das Heim im Schuttertal habe seiner Lage wegen dabei schlechte Karten. Der Neubau in Ettenheim sei dagegen verkehrsgünstiger gelegen und somit attraktiver für das Personal.
Bewohner sollen nach dem Umzug vom gewohnten Personal betreut werden
Man wolle alle Beschäftigten und Bewohner von St. Hildegard bestmöglich begleiten, „daher bieten wir allen innerhalb unserer Verbandsstrukturen eine Perspektive“, betonte Ochalek-Starzetz. Es sei geplant, dass die Bewohner geschlossen auf eine (von drei) Etage im Ettenheimer Neubau umziehen, wo sie vom aus Seelbach gewohnten Personal betreut werden. Insgesamt wird der Neubau 90 Einzelzimmer und 18 Plätze in der Tagespflege bieten. Er ersetzt das Caritas-Heim St. Marien in Ettenhemmünster, das wiederum der Europa-Park gekauft hat, um darin Mitarbeiterwohnungen zu schaffen.
Und wie geht es mit dem Gebäude von St. Hildegard weiter, das der Lahrer Caritas gehört? Dort sollen betreute Wohnungen eingerichtet werden, wofür nun ein Investor gesucht wird. Zudem will die Lahrer Caritas dort eine Außenstelle für ihre Beratungsangebote eröffnen.
Das sagt Bürgermeister Michael Moser
Die Nachricht sei „ein Schock“ gewesen, sagt Seelbachs Bürgermeister Michael Moser unserer Redaktion. Über viele Jahre sei die Einrichtung „ein verlässlicher, stabiler und geschätzter Partner für Pflege und Betreuung“ gewesen. Umso mehr hätte sich der Rathauschef gewünscht, dass die Caritas die Gemeinde früher in den Entscheidungsprozess eingebunden hätte. Moser wurde erst vor einigen Tagen in Kenntnis gesetzt. „Vielleicht hätten sich gemeinsam noch andere Lösungen oder Alternativen für die Seelbacher Bewohnerinnen und Bewohner finden lassen.“
Für die Menschen, die dort einen Platz hatten oder darauf hofften, sei es ein tröstlicher Gedanke gewesen, in der eigenen Heimat bleiben zu können. „Deshalb ist es unser klares Ziel, sofern es irgend möglich ist, wieder ein Pflegeangebot in Seelbach zu schaffen.“ Daran wolle die Verwaltung gemeinsam mit dem Gemeinderat und Betroffenen arbeiten. „Ich bedaure die Entscheidung der Caritas sehr“, so Moser abschließend. Er respektiere jedoch das Angebot einer Perspektive an anderer Stelle für die Bewohner und Senioren der Tagespflege.