Nach dem fünften Insolvenzantrag der Firmengeschichte hat der Felgenhersteller BBS Autotechnik aus Schiltach wohl keine Zukunft mehr. Den meisten der 240 Mitarbeiter steht die Kündigung bevor. Wir haben Reaktionen von Lesern zusammengetragen.
Noch schmückt die gläserne Front des Firmensitzes in Hinterlehengericht ein großes Banner mit der Aufschrift „BBS – Technik aus dem Motorsport“, davor wehen BBS-Fahnen im Wind. Auf den Parkplätzen stehen vereinzelt Autos, im Gebäude brennt mancherorts noch Licht. Doch schon bald könnten die Lichter dort ein für alle Mal ausgehen: Der vorläufige Insolvenzverwalter Dirk Pehl will dem Gericht vorschlagen, das Insolvenzverfahren zum 1. Oktober zu eröffnen. Das Aus der traditionsreichen Schiltacher Firma wäre damit praktisch besiegelt.
„Das war schon lange absehbar. Traurig ist nur, dass da Existenzen kaputt gemacht werden“, kommentiert ein Leser auf Facebook zum Drama um BBS. Ein anderer befürchtet eine lange Zeit des Leerstandes in Hinterlehengericht: „Eine leerstehende Industriefläche, die für Jahrzehnte wahrscheinlich ungenutzt bleibt.“
„Schlimmer sind ja wohl die verlorenen Arbeitsplätze – hinter jeder Zahl steht ein Schicksal“, antwortet ein Nutzer darauf. Während ein Teil der Mitarbeiter noch für Abwicklungsarbeiten benötigt wird, wird Pehl den meisten nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens kündigen müssen.
„Ab der sechsten Insolvenz gibt es eine gratis“
„Bin mit einem der Söhne der Gründer in die Schule gegangen. BBS hatte schon immer seine Höhen und Tiefen, wie Recaro ein Nischenhersteller…Schade drum – war immer stolz auf meine dreiteiligen BBS“, erinnert sich ein Nutzer in einem weiteren Kommentar. Der traditionsreiche Autositz-Hersteller Recaro aus Kirchheim unter Teck hat am 29. Juli Insolvenz angemeldet. Drei Tage zuvor hatte die BBS Autotechnik zum fünften Mal in der Firmengeschichte einen Insolvenzantrag gestellt. „Ab der sechsten Insolvenz gibt es eine gratis“, bemerkt ein Nutzer dazu scherzhaft. Nun deutet aber alles darauf hin, dass nach Insolvenz Nummer fünf Schluss ist.
Geschichte wird andernorts weitergeführt
Die Geschichte von BBS wird allerdings andernorts erfolgreich weitergeführt: „BBS Motorsport Haslach ist schon länger getrennt von BBS Schiltach, und eine aufsteigende Firma“, merkt ein Facebook-Nutzer in einem weiteren Kommentar an. Das ist korrekt: Die Motorsport-Sparte wurde nach der zweiten Insolvenz von BBS verkauft. Heute ist die BBS Motorsport GmbH mit Sitz in Haslach eine 100-prozentige Tochter der BBS Japan, die wiederum zum japanischen Konzern Maeda Kosen gehört. Nach dem Insolvenzantrag der BBS Autotechnik veröffentlichte BBS Japan gar ein Statement, indem erklärt wird, dass es sich um separate Gesellschaften handelt und die Auswirkungen der Insolvenz auf das japanische Unternehmen äußerst gering seien.
2021 investierte BBS Motorsport rund 20 Millionen Euro in eine neue Lackieranlage und mehr Fläche für die Verwaltung in Haslach. 2022 wurde bekanntgegeben, dass BBS Motorsport die Formel 1 bis 2025 mit Felgen beliefert – und das als Alleinausrüster. Während in Schiltach also aller Voraussicht nach die Lichter ausgehen, wird die Geschichte in Haslach weitergeschrieben.