Die VR-Brille machte diese Station bei den Schülern besonders beliebt. Foto: Dahms

Ein Projekt zeigt Haslacher Schülern, wie Digitalisierung funktioniert. An einer Station programmieren die Jugendlichen beispielsweise die Lichtschalter um.

Es ist ein ungewöhnlicher Anblick, der sich einem am Montagvormittag vor dem Heinrich-Hansjakob-Bildungszentrum in Haslach bietet: Mitten auf der Straße steht ein mehrstöckiger Lkw, hellblau und überall mit kleinen Symbolen verziert. „Expedition d“ nennt sich das Projekt des Bildungsnetzwerks „Coaching4Future“, ins Leben gerufen von der Bundesagentur für Arbeit und der Baden-Württemberg-Stiftung.

 

Seit 2019 parkt der Truck im ganzen Bundesland jeweils für einige Tage vor einer anderen Schule. Die Mathematiker Michael Nagel und Lukas Klarner zeigen an diesem Tag den Achtklässlern der Haslacher Realschule, was sich alles im Inneren des monströsen Wagens befindet. „Schaut euch ruhig erstmal um“ begrüßt Nagel die Jugendlichen. Anschließend fragt er sie, was für sie überhaupt Digitalisierung bedeutet. „Wenn man zum Beispiel seine Schulsachen auf dem Tablet hat, statt auf Zetteln“ antwortet eine Schülerin.

Auf der Bildschirmwand im Inneren des Trucks zieht Nagel mit wenigen Klicks verschiedene Bilder auf – darauf zu sehen sind Geräte, die von den Jugendlichen in ihrem Alltag bereits verwendet werden. „Egal was ihr später einmal beruflich machen wollt: Ihr werdet sicherlich auch mit Digitalisierung konfrontiert sein.“

In kleinen Gruppen werden die Schüler dann mit Tablets ausgestattet und müssen sich vorab auf einen Lebensbereich einigen, für den sie Technologien entdecken möchten. Zur Wahl stehen Sport, Einkaufen, „Smart Home“ und Pflege. Im Erdgeschoss des Trucks haben die Schüler dann Zeit, sich an verschiedenen Stationen auszuprobieren. Mit ein paar einfachen Befehlen auf einer Programmiersprache lernen sie, das Licht an- und auszumachen. „Das macht nicht so viel Spaß, im Informatik-Unterricht müssen wir sonst auch programmieren“ findet eine Schülerin.

Gegenstände sortieren um den Computer zu trainieren

Direkt daneben gibt ein großer Bildschirm Einblicke in das Thema „Machine Learning“, also wie Computer durch ständiges Wiederholen Muster erkennen und so scheinbar dazulernen. Die Schüler müssen dafür auf dem Bildschirm Gegenstände sortieren, die auf ein Raumschiff zufliegen.

An einer anderen Station sehen die Jugendlichen durch den Bildschirm eines Tablets verschiedene Symbole im echten Raum, die ihnen Informationen liefern. Mit einer VR-Brille können sie sich selbst in einem fiktiven Raum bewegen und Alltagsaufgaben bewältigen. „Bitte macht das nur im Sitzen, es wird jedes Mal jemandem schlecht davon“, klärt Nagel auf.

Im gesamten Truck wimmelt es nur so von Bildschirmen, jede Station verfügt über mehrere von ihnen. Mühelos bedienen die Achtklässler die Technologie – an der VR-Brillen-Station gibt es den höchsten Andrang. „Es ist auf jeden Fall cooler als Unterricht“, erzählt ein Schüler. „Man kann ganz viel mal ausprobieren und sehen, was alles jetzt schon möglich ist mit Technik.“

Schüler sollen Beispiele für den Alltag finden

Nagel und Klarner stehen den Schülern bei Fragen zur Seite. „In der Regel gibt es für uns viel positives Feedback“, erklärt Nagel. „Wir profitieren allein schon davon, dass unser Truck so futuristisch aussieht und Jugendliche das erstmal cool finden.“ Er selbst hatte nach seinem Mathematik-Studium zunächst in einem Forschungsinstitut gearbeitet. „Ich habe dann aber gemerkt, dass ich lieber etwas sozialeres machen möchte. Die Arbeit mit den Schülern ist dafür perfekt.“

Heide Jehle, die Lehrerin der Achtklässler, hat sich dafür eingesetzt dass der Truck an das Hansjakob-Bildungszentrum kommt. „Es gibt einfach Dinge, die wir den Jugendlichen nicht bieten können, eine VR-Brille zum Beispiel“, erklärt sie im Gespräch mit unserer Redaktion. „Deshalb kommen alle unsere Acht- und Neuntklässler nacheinander hierher.“

Als die Zeit im Truck sich dem Ende zuneigt, sollen die Schüler in ihren Gruppen auswerten – welche der Technologien, die sie ausprobiert haben, lassen sich in den Alltag integrieren? „Das Machine Learning könnte zum Beispiel bei der Einkaufsliste helfen“, überlegt eine Schülerin. „Eine Kamera im Kühlschrank weiß dann, was einem fehlt und setzt es auf die Liste.“

Ein anderer Schüler schlägt vor, den Rollladen so zu programmieren, dass er beim Läuten des Weckers morgens für Licht sorgt. Nagel ist zufrieden mit den Ergebnissen. „Bei allem, was die Technologie gut kann – vergesst nicht, dass es auch Sachen gibt, die ihr besser könnt, wie Empathie oder Kreativität“ gibt er den Jugendlichen zum Schluss mit auf den Weg.

So startete das Projekt

Die Initiative „Coaching4Future“ startete im Jahr 2008 mit dem Ziel, junge Menschen für Berufe in den Bereichen Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu begeistern.Neben dem Technologie-Truck gibt es auch noch einen, in dem die Schüler Berufe aus der Industrie kennenlernen.