In der Schießhalle in Iselshausen üben die angehenden Polizisten auch das Schießen mit scharfer Munition. Foto: Fritsch

An die Polizei erinnert der ehemalige Möbelbetrieb bei Nagold überhaupt nicht. Und doch üben hier angehende wie aktuelle Polizisten für ihre Einsätze – auch mit Waffen.

28 Schüler sind an diesem Vormittag in der ehemaligen Möbelfabrik am Ortsrand von Nagold-Iselshausen zu Gast. Doch mit normalen Schülern haben die jungen Frauen und Männer so gar nichts zu tun. Sie drücken nicht die Schulbank, sie lernen, wie man eine Einsatzausrüstung anzieht und zusammenlegt, sie lernen wie eine Maschinenpistole funktioniert. Und sie lernen zu schießen.

 

Ihr eigentlicher Standort ist die Polizeischule am Rande von Herrenberg. Doch für das Schießtraining sind sie an diesem Tag nach Iselshausen gekommen, wo seit vielen Jahren Polizeibeamte aus den Kreisen Calw und Freudenstadt trainieren. Inzwischen läuft das Training allerdings unter der Regie der Hochschule für Polizei Baden-Württemberg in Villingen-Schwenningen. Hausherr ist der Erste Polizeihauptkommissar Christian Finger. Und der macht von Anfang an klar: „Die Schüler sind heute nicht hier, um Urlaub zu machen.“

„Hier muss alles geteilt werden – auch das Werkzeug des Polizisten“

Die erste Lektion erscheint da noch einigermaßen machbar: Es geht um die Einweisung in die klassische Schutzausrüstung, wie sie bei Einsätzen zum Tragen kommt. Das Problem: Es gibt keine individuelle Uniform, alle Männer und Frauen müssen mit der gleichen Ausrüstung zurande kommen. Das betrifft die Schutzwesten genauso wie Sturmhauben oder auch die farbig markierten Übungswaffen. „Hier muss alles geteilt werden – auch das Werkzeug des Polizisten“, macht EPHK Finger klar.

Auch beim Schießen mit Farbmunition braucht man Schutzausrüstung. Foto: Fritsch

Da ist Sorgfalt und Konzentration gefragt, das merkt man sofort, wenn man den Übungsraum für die Ausrüstung betritt. Alles läuft leise und kontrolliert ab – ohne irgendein Gespräch. Bevor dann nach einigen Minuten gut ein Dutzend martialische Gestalten in dunkelblauen Uniformen vor einem stehen.

Sprengstoffgeschützter Staubsauger gehört dazu

Durch ein paar Gänge und über ein paar Treppen geht es zum Herzstück des Trainingszentrums, den Schussraum. Heute wird das Schießen bei schlechter Sicht geübt. „Immerhin gehen die meisten Einsätze ja abends und nachts über die Bühne“, erzählt der Leiter der Trainingszentrums.

Ein Blick geht durch ein kleines Fenster in die etwa 23 auf fünf Meter große Halle. Und man sieht dort: so gut wie nichts. Erst als das Licht angeht, entdeckt man einen Trainer, einen Beamten, der sich um die Bestückung der Waffen kümmert und eine angehende junge Polizistin, die gerade – wie alle Trainierenden – auf projizierte Ziele gefeuert hat.

Auch das Anlegen der Schutzausrüstung will gelernt sein. Foto: Fritsch

Die Halle ist mit einer speziellen Technik ausgestattet. Etwa einer Lüftung, die den gefährlichen Schmauch von den Polizisten weg absaugt. „Die Gesundheit ist bei uns auch ein immer wichtigeres Thema“, erklärt Christian Finger. Zur Ausstattung gehört unter anderem auch ein sprengstoffgeschützter Staubsauger. Immerhin sind in jeder abgefeuerten Patrone noch 1,2 Gramm Pulver – und die könnten in einem „normalen“ Staubsauger explodieren. Die gesammelten oder aufgesaugten Projektile werden von einer Spezialfirma abtransportiert und entsorgt.

Auf den Trainer wird am häufigsten geschossen

Doch mit diesen zwei Disziplinen ist so ein Trainingstag in Iselshausen nicht beendet. Immerhin steht noch das Schießen mit Farbpatronen an – mit nicht scharfen Waffen. Die sind alle zu einem Teil farbig. Die einzigen wirklich scharfen Waffen im Zentrum sind die komplett schwarzen. Alle Teilnehmer tragen Schusswesten und Schussausrüstung. Trotzdem tragen die Polizisten hier und da ihre Blessuren davon, meistens blaue Flecken – besonders Trainer Christian Finger, denn auf den wird beim Training am häufigsten geschossen.

Christian Finger leitet das Trainingszentrum in Iselshausen. Foto: Fritsch

Geübt werden kann in dem ehemaligen, verwinkelten Fabrikkomplex noch einiges mehr. Von einem Konflikt in einem Schlafzimmer bis hin zur Pkw-Kontrolle. Durch ein ehemaliges Fabriktor können nämlich auch Autos in eine Übungshalle gefahren werden. Neu bei den Inhalten des Trainingszentrums ist nach Informationen von Finger der Umgang mit so genannten „Amok-Lagen“. Aber auch der Umgang mit Messerattacken werde aus gegebenem Anlass immer mehr in die Übungsszenarien aufgenommen.

„Deswegen dürfen hier auch Fehler passieren“

Wirklich bewertet werden die Polizeischüler bei den Übungen übrigens nicht. „Es geht hier darum, Erfahrung zu sammeln und der Realität so nahe wie möglich zu kommen“, erzählt der Leiter der Einrichtung. „Deswegen dürfen hier auch Fehler passieren.“

Auch weil die Bewerberzahl bei der Polizei gerade ziemlich gut ist, – darunter bis zu 50 Prozent Frauen – ist das Trainingszentrum in Iselshausen jeden Werktag belegt. Jeden Tag Schüsse im Trainingszentrum. Und das in unmittelbarer Nähe zum Nagolder Teilort Iselshausen? Da gibt es doch bestimmt häufig Beschwerden? Christian Finger muss leise lächeln. „ Die Schüsse bekommt man draußen praktisch nicht mit, das ist nicht lauter als das Gewerbe, das vorher hier drin war.“

Und in Iselshausen ist das Zentrum ohnehin bekannt. Wenn es direkte Kontakte mit der Bevölkerung gebe, so seien die zu 100 Prozent positiv. „ Sogar der hiesige Kindergarten hat schon bei uns vorbei geschaut, und die Kinder haben uns von draußen zugewinkt.“