Der langjährige, erfolgreich 08-Trainer sucht zeitnah eine neue Herausforderung.
Vor anderthalb Jahren beendete Jago Maric (42) seine erfolgreiche Trainertätigkeit bei seinem langjährigen Verein FC 08 Villingen. Seitdem hat er keinen anderen Klub mehr übernommen. Jetzt äußerte er sich im Gespräch mit unserer Zeitung zu seinen Plänen.
Herr Maric, wie haben Sie und Ihre Familie diese Coronazeit bisher überstanden?
Gottseidank hatten wir keinen Coronafall in unserer eigenen Familie. Lediglich meine Schwester und mein Neffe waren ohne große Symptome positiv.
Sie haben jetzt seit anderhalb Jahren als Trainer pausiert. Gab es in der ganzen Zeit viele Anfragen von Vereinen?
Es gab schon Anfragen von Klubs aus der Umgebung und ebenso von den Stuttgarter Kickers.
Welches Engagement würde Sie denn reizen oder könnten Sie sich vorstellen?
Ich habe bewusst eine Pause vom Fußball eingelegt und mir in dieser Zeit viele Gedanken gemacht. Jetzt habe ich wieder Lust bekommen, ab Sommer nächsten Jahres eine Mannschaft zu trainieren. Es ist aber etwas schwierig hier in der Umgebung. Wir haben hier nur wenige Vereine, die auf einem hohen Niveau spielen. Da ist es im Raum Stuttgart schon ganz anders. Ich bin jetzt aber 42 Jahre alt, habe hier meine Familie, einen guten Arbeitsplatz und unser Haus. Uns geht es hier gut. Deshalb werde ich für einen Trainerjob nicht mehr alles riskieren. Ich könnte mir vorstellen hier in der Gegend, einen Landes- oder Verbandsligisten zu trainieren. Ich würde aber nicht zu einem Verein gehen, der keine Struktur, keine Visionen und keinen Plan für die nächsten paar Jahre hat. Es würde mich aber ebenso reizen, einen Oberligisten oder ein Regionalliga-Team zu übernehmen und dort etwas zu bewirken. Dies muss aber dann für zwei, drei Jahre sein und sich rentieren. Ich bin kein Typ, der ständig von einem Verein zum anderen wechselt. Ich möchte gerne langfristig arbeiten.
Haben Sie sich denn schon in dieser Saison Spiele des FC 08 oder auch andere Partien in der Region angeschaut?
Ich habe mir vom FC 08 die Heimspiele gegen Nöttingen und die Stuttgarter Kickers angeschaut. Ich war auch öfters bei der TSG Balingen, die von Martin Braun trainiert wird, zu dem ich sehr viel Kontakt habe. In meinem Heimatland Kroatien habe ich beim Erstligisten HNK Gorica, wo meine Schwiegereltern in der Nähe wohnen, hospitiert.
Welchen Eindruck haben Sie in dieser Saison von der Oberliga?
Diese befindet sich in einer schwierigen Phase. Es ist für die Spieler und Trainer nach der Coronapause nicht ganz einfach, wieder richtig reinzukommen, auch bedingt durch die vielen englischen Wochen. Da kann man dann nicht auf einem so hohen Niveau spielen. So ausgeglichen wie die Oberliga in dieser Saison ist, war sie es selten zuvor. Das zeigt sich auch daran, dass der Abstand zwischen dem fünften und 13. Tabellenplatz aktuell lediglich fünf Punkte beträgt.
Gibt es für Sie bisher in dieser Oberliga-Saison Überraschungen?
Dazu zähle ich den 1. FC Rieslasingen-Arlen. Ich habe sie zwei, drei Mal gesehen. Sie machen es wirklich gut. Die Kickers habe ich gegen Villingen angeschaut. Sie haben eine starke Mannschaft. Sie werden die Meisterschaft gemeinsam mit Freiberg ausmachen. Dabei drücke ich natürlich den Kickers die Daumen. Was Freiberg aber eingekauft hat, ist wahnsinnig.
Arash Yahyaijan, der Sportvorstand des FC 08, hat Sie und Ihre Arbeit bei der Mitgliederversammlung in der vergangenen Woche ausdrücklich gelobt. Wie ist das Verhältnis zu ihrem langjährigen Verein?
Seitdem ich weg bin, habe ich keinen Kontakt mehr zur Vereinsführung. Mit einigen Spielern bin ich allerdings noch in Verbindung. Der FC 08 wird aber immer mein Verein bleiben. Ich habe dort eine schöne Zeit verbracht. Ich wünsche dem Verein nur das Beste. Die 17 Jahre kann mir keiner nehmen. Immerhin war ich lange Zeit einer der prägendsten Figuren und auch Spielführer. Der Verein hat sich damals gegen mich entschieden. Es darf ja auch sein, dass ein Trainer nach fünf Jahren geht.
Zur Person:
Jago Maric wurde am 3. Februar 1979 in Teslic/Kroatien geboren. In Deutschland spielte er in der Jugend beim TuS Ergenzingen und wechselte dann zu den Stuttgarter Kickers. Maric schaffte es bei den Degerlochern in den Profikader. Zwischen 1998 und 2002 absolvierte er für die »Blauen« elf Zweitliga-Partien und 13 Begegnungen in der Regionalliga Süd. Ein DFB-Pokalspiel zählt ebenfalls dazu. Im Winter 2002 veränderte sich Maric zum FC 08. Bei den Nullachtern avancierte der defensive Mittelfeldspieler zum Kapitän und einem der erfolgreichen Akteure der vergangenen Jahre. Er war in gleich drei DFB-Pokalpartien – gegen Hansa Rostock (2:5), FC St. Pauli (1:3) und SC Freiburg (0:2) – als Spieler dabei. Endgültig auf dem Villinger Trainerstuhl saß Maric, als er in der Saison 2015/16 Lothar Mattner ablöste und seine Karriere als Spieler beendete. Unter seiner Regie gewann der FC 08 weitere zwei Mal den Südbadischen Pokal. Als Trainer führte er das Team auch im DFB-Pokal gegen Schalke 04 (1:4) und Fortuna Düsseldorf (1:3). Mit der Mannschaft gelang ihm in der Saison 2017/18 die Rückkehr in die Oberliga. Knapp scheiterten Coach Jago Maric und Co. im Sommer 2018 am Regionalliga-Aufstieg. Nach 17 Jahren beim FC 08 wurde dann sein Trainervertrag Ende der Saison 2019/20 aufgelöst.