Der Pfarrer im Ruhestand Markus Bender ist der Direktkandidat von Bündnis C. Foto: Felix Biermayer

Markus Bender möchte für das Bündnis C in den Landtag. Er vertritt fundamentalistische Ansichten. Die Bibel ist die Grundlage seiner Politik – und in seinen Augen ein Erfolgsrezept.

Als Pfarrer ist Markus Bender im Ruhestand. Doch etwas Pastorales haftet dem 64-Jährigen noch immer an, der mittlerweile zu einer der tragenden Figuren der Partei Bündnis C in Baden-Württemberg geworden ist.

 

Als Bender zu einem Wahlkampf-Event rund 50 Gäste im Nagolder Kubus begrüßt, beginnt er den Abend mit Segen und Gebet.

„Die Bibel ist die entscheidende Richtschnur“, stellt Bender gleich klar. Glaube und Politik sind für ihn eng miteinander verknüpft. Bender will „die Verantwortung vor Gott und den Menschen“ zurück in die Politik holen. Diese Werte machten Politik ehrlicher und verlässlicher.

Bender hat in kurzer Zeit eine beachtliche Karriere hingelegt: 2024 tritt er bei Bündnis C ein, wird direkt Bundestagskandidat, gründet einen Bezirksverband, wird Vorstand.

Bei der Landtagswahl ist Bender Direktkandidat für den Wahlkreis Calw. Er steht zudem auf Platz zwei der Landesliste. Bender will nicht taktieren, sondern jemand sein, „der auch meint, was er sagt“. Er wohnt in Altensteig-Walddorf und engagiert sich beim Verein „Athleten für Christus“.

Führt sexuelle Befreiung „ins Verderben“?

In Nagold unterstützen ihn Karin Heepen, die Generalsekretärin der Partei, und der Landesvorsitzende Jürgen Graalfs.

Für beide ist die Bibel die Grundlage allen Handelns. Heepen sieht in katholischer Soziallehre und Christdemokratie den Grund für Deutschlands und Europas erfolgreiche Vergangenheit.

Heepen fordert ein Umdenken

Graalfs bemängelt, dass sich die Politik davon entfernt habe. „Ich bin aufgewachsen in einer Zeit, in der alles noch gut war“, sagt Graalfs.

Heepen sieht im „Neo-Marxismus“ der 68er-Generation den Ausgangspunkt für den Abstieg: sexuelle Befreiung, Scheidung und Abtreibung sind für sie der „Weg ins Verderben“.

Ziel der Linken sei die Zerstörung der traditionellen Familie. Das wiederum zerstöre Europa, weil es am demografischen Fundament säge. Einwanderung sei keine Lösung. Heepen fordert ein Umdenken.

Der Mensch sei kein „Klimaschädling“

Bender will den Mittelstand fördern und so die Wirtschaft ankurbeln. Niedrige Energiekosten und Bürokratieabbau sind seine Rezepte.

Energie dürfe nicht ideologisch betrachtet werden. Es brauche einen Mix. Kernenergie sei nützlich. Ob ein Endlager für Atommüll in den Landkreis komme, sollten Spezialisten entscheiden. Generell will sich Bender mehr auf Expertise verlassen. Er kenne sich nicht in jedem Bereich aus, sagt er.

Gott sorge für ausreichend Rohstoffe

Beim Klimawandel stellt sich seine Partei aber gegen den wissenschaftlichen Konsens. Der sagt, dass der Mensch mit seinem CO2-Ausstoß für den weltweiten Temperaturanstieg verantwortlich ist.

Die Wissenschaft könne dazu „keine zuverlässige Prognose abgeben“, meint Heepen. Die aktuelle Klimapolitik sei „totalitär“, der Mensch kein „Klimaschädling“.

Bender stellt in Frage, ob Ressourcen überhaupt ausgehen könnten. Denn Gott sorge für ausreichend Rohstoffe, solange die Erde existiere. Etwas anderes zu behaupten, sei ein „Affront Gott gegenüber“.

Schöpfungsgeschichte im Bio-Unterricht

Bender findet, dass in den Schulen die Wissensvermittlung leide. Es brauche ein besseres Miteinander und mehr Frontalunterricht wie früher.

Die Schöpfungsgeschichte gehöre im Biologieunterricht behandelt, Sexualkunde hingegen in Elternhand. Generell sollten Eltern gestärkt werden, so Bender. Bündnis C fordert mehr Geld für Menschen, die ihre Kinder daheim betreuen. Eine zu frühe „Fremderziehung“ schade dem Kind.

Abtreibungsverbot gewünscht

Geht es um Geschlechtsumwandlungen bei Minderjährigen, greift die Partei Eltern aber vor. Sie will solche Eingriffe verbieten.

Gesundheitskosten möchte Bündnis C durch ein Abtreibungsverbot und der Streichung von Zuschüssen für künstliche Befruchtungen senken.

Ob das so viel Geld bringt? Bender will generell schauen, ob viele Leistungen im Gesundheitsbereich nicht zu teuer berechnet werden.

Schulden vermeiden

Schulden will er auf jeden Fall vermeiden. Die belasteten künftige Generationen. Der Staat müsse mit dem Geld auskommen, das er habe.

Eine höhere Erbschaftssteuer lehnt Bender ab. Von Kritik an „Gutbetuchten“ halte er nichts. Seine Partei bezeichnet durch Zinsen erwirtschaftetes Geld zwar als „Diebstahl“. Bender sieht darin keinen Widerspruch. Ererbtes Vermögen sei ja auch erarbeitet.

„Instrumentalisierte Nächstenliebe“?

Bei der Migration fährt Bündnis C einen harten Kurs: keine Wirtschaftsflüchtlinge, Schutz der EU-Grenzen, strenge Asyl-Prüfung, kaum Familiennachzug, Anpassung der Flüchtlinge an hiesige christliche Werte.

Man solle lieber einheimische Familien stärken als Geflüchtete, heißt es in einem Flyer. „Keine Zwangssolidarisierung im Namen instrumentalisierter Nächstenliebe“, fordert die Partei. Die holte bei der Bundestagswahl ein Prozent der Stimmen, Bender selbst sogar das Doppelte.

Zusammenarbeit mit AfD nicht ausgeschlossen

Eine Stimme für Bündnis C sei nicht verschenkt, sagt er. Denn jede Stimme könne bewirken, dass man die fünf Prozent knacke. Aus den Gesprächen mit den Wählern in Nagold wird klar, dass sie vor allem zwischen AfD und Bündnis C schwanken. Heepen stichelt gegen die AfD: Man könne das christliche Abendland nicht ohne Christus retten.

Bender will eine Zusammenarbeit mit der AfD aber nicht ausschließen, mit den Linken hingegen schon. Manche Parteien seien eben offen gegen Gottes Gebote. Und ihm gehe es vor allem darum, das christliche Fundament wieder in die Politik zubringen. Für den Erfolg dieses Vorhabens beteten sie in Nagold zum Schluss gemeinsam – mit Bender an der Spitze.

Kandidatenvorstellung

Serie
Dieser Artikel ist Teil einer Serie. Der Schwarzwälder Bote hat alle Direktkandidaten der Landtagswahl im Wahlkreis Calw kontaktiert. Aus diesen persönlichen Treffen entstehen Texte, in welchen die Kandidaten mit ihren Positionen vorgestellt werden. Die Artikel erscheinen in der Reihenfolge, in welcher die Treffen stattgefunden haben.