Die Mühlenbacher Kirche wurde für den Gas-Einsatz abgesperrt. Foto: Kleinberger

Die Mühlenbacher Kirche ist vom 8. bis 13. November gesperrt gewesen. Grund war ein Holzwurm-Befall. Schädlingsbekämpfer rückten mit Gas an. Der Einsatz soll nach Ansicht der Experten genügt haben, Proben werden aber noch ausgewertet.

Mühlenbach - Die Kirchengemeinde hatte für den Holzwurm-Befall in der St. Afra Kirche die Frankfurter Firma Desinsekta zur Hilfe gerufen. "Die Holzwürmer hatten sich im Bereich der Orgel, aber auch in ein paar weiteren Teilen des Gebäudes eingenistet", berichtet Harald Wenzel, der den Einsatz vor Ort für Desinsekta leitete.

Über 96 Stunden wurden durchschnittlich 25 Gramm Gas in die Kirche geleitet, um den Insekten den Garaus zu machen. "Wir hatten zunächst 30 Gramm pro Stunde angesetzt, konnten dann aber sogar mit weniger auskommen. Die Wetterlage war sehr günstig. Da kein Wind wehte, hat es auch kein Gas aus der Kirche gedrückt", freut sich der Experte. "Zudem hatten wir keinen Eier-Befall, sondern nur lebende Tiere. Wenn es Eier gegeben hätte, hätten wir mit 40 Gramm die Stunde agieren müssen."

Das Holz nehme durch die Vergasung keinen dauerhaften Schaden. "Die Tiere bleiben einfach im Holz liegen und vertrocknen dort", so Wenzel. Am 12. November wurde die Kirche gelüftet und konnte sofort wieder genutzt werden.

Noch ist der Fall nicht gänzlich zu den Akten gelegt: Drei Holzproben werden nun von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung untersucht. Diese gibt dann ihr Einverständnis, ob Wenzel und Kollegen ein weiteres Mal anrücken müssen oder nicht. "In zehn Berufsjahren habe ich aber noch keine Reklamation erlebt. Daher bin ich sehr sicher, dass der Fall erledigt ist", sagt der Experte. Es sei üblich, dass die Proben immer von unabhängigen Organisationen untersucht werden.

Die Volkstrauertagsfeier wurde in Mühlenbach aufgrund des Gas-Einsatzes verschoben. "Wir holen das eine Woche später nach. An der Kirche ist unser Denkmal und da wollen wir auch gerne die Feier abhalten", sagt Bürgermeisterin Helga Wössner auf Nachfrage unser Redaktion. Die Kirchengemeinde habe die Schädlingsbekämpfer beauftragt, daher sei sie als Gemeindeoberhaupt nicht vollends informiert. An einen früheren Schädlingsfall in der Kirche kann sich Wössner aber nicht erinnern. "Seitdem ich im Amt bin, war das der erste Schädlingsfall."

Gegen die Holzwürmer in der Mühlenbacher Kirche wurde Sulfuryldifluorid eingesetzt. Dieses ist ein farb- und geruchloses Gas. Die Aufnahme erfolgt ausschließlich über die Atemwege. Bereits geringe Mengen können zu schweren Vergiftungen führen. Das Gefährliche: Die Symptome der Vergiftung können auch mit einer Verzögerung von 48 Stunden auftreten. Reizungen des Atemtrakts bis hin zum Lungenödem, Verlangsamung der Bewegung und Aussprache sowie, bei schwerer Vergiftung, Bewusstlosigkeit und Herz- und Atemstillstand können auftreten.