Ob in Friesenheim oder in Schwanau: Die Amtsgewalt über die Verwaltung ging am Schmutzigen Donnerstag in die Hände der zahlreichen Hasträger über.
Zuhauf zogen die Narren bei ihrem großen Unterfangen der Machtübernahme in die Einrichtungen der Kindertagesstätten und Grundschulen, um dort die Kinder von dem Joch der Erzieher und Lehrer zu befreien. In närrischer Kleidung waren die Kinder und Jugendlichen bereit. Natürlich ließen sie sich nicht zwei Mal bitten.
Kaum weniger Einsehen hatten die Narren mit der Friesenheimer Bevölkerung. Die Driewili Stampfer zogen mit lautem „Trara“ durch die Straßen und sorgten dafür, dass sich ihre dynamischen und rhythmischen Tönen auch im 33. Gründungsjahr bis in die letzten Häuserwinkel fraßen. „Narren an die Macht“, lautete das gesellschaftliche Begehren, dem vor allem die Oberen nichts als ein schwaches Aufbäumen entgegenzustellen hatten.
Bürgermeister Erik Weide kämpfte lange um den Schlüssel – ohne Erfolg
Der Schlüssel zum Rathaus, zum Amtssitz von Bürgermeister Erik Weide wurde gar über die große Leiter entrissen. Gestürmt wurde in gut sieben Meter Höhe das Rathaus über die Westseite. Aber auch in Heiligenzell, Oberschopfheim, Oberweier und Schuttern mussten die Herren Ortsvorsteher Gerold Kadenbach, Michael Jäckle, Andreas Bix und Jürgen Silberer Federn lassen. Was sich am Abend in den einzelnen Rathausstürmungen gipfelte, wurde jedoch schon von langer Hand geplant.
Glückseligkeit sprach am Donnerstag aus den Kinderaugen. Mit der Narretei beginnen auch für die Kinder ein paar fröhliche Ferientage. Bis Aschermittwoch haben die Narren das Sagen. Ein Trostpflästerchen gibt es für Bürgermeister und Ortsvorsteher: In einer Woche ist der gesamte Hexenspuk vorbei.
Unter Jubel und Getose in Begleitung von Musik zogen auch die Schwanauer Narren zur Ortsverwaltung, um Bürgermeister Marco Gutmann für die närrischen Tage aus dem Amt zu entheben. Nach einigem Gerangel hatten die Narren den Schlüssel für die Verwaltung in der Hand und freuten sich auf das närrische Treiben.
Die Blumenkubel-Affäre wurde auch erwähnt
In diesem Jahr war es die Narrenzunft Nonnenweier, die den Sturm auf das Rathaus anführte. Yannic Meier nahm humorvoll die Sparmaßnahmen der Gemeinde aufs Korn, die bereits im vergangenen Jahr zum Tragen kamen – schließlich gab es im vergangenen Jahr bereits ab 13 Uhr keine Schorle mehr.
Dies sei ein harter Schlag für die Narren gewesen. Das Theater um die Blumenkübel-Affäre in Allmannsweier blieb ebenfalls nicht unerwähnt, ebenso wie das mediale Interesse darüber, wie diese auf wundersame Art und Weise verschwanden.
Auch Kritik am Gemeindeoberhaupt blieb nicht aus, seien närrische Termine doch Pflichttermine, in Nonnenweier hätte Gutmann jedoch mit Abwesenheit geglänzt. „Einfach nicht auftauchen ist eine Schand – die Narren waren außer Rand und Band“, so Meier, der eine Einladung für das närrische Treiben in Nonnenweier am heutigen Freitag aussprach.
Die Narren nahmen die Sparmaßnahmen in Schwanau auf das Korn
Bürgermeister Gutmann selbst wollte den Schlüssel zum Rathaus zunächst nicht hergeben – derzeit seien Gesundheitstage in der Gemeindeverwaltung, um die überlasteten Mitarbeiter, die am Limit seien, wieder auf die Beine zu bringen. So müsse die fünfte Jahreszeit wegen vielen Aufgaben ausfallen – mit Pilates und Karottensticks hätten die Gemeindemitarbeiter den Tag begonnen: „Uns wird man an Fasent nicht sehen.“
Unter musikalische Begleitung der Guggenmusiken Gullerkepf und Riäd Schlurgi stürmten die Zünfte die Verwaltung. Fasentzunft Nonnenweier, Zunfthexen Ottenheim, Schnooge-Hansili, Rheinaue-Hexe und Bäschili-Hexen kämpften mit Gutmann um den Schlüssel. Alles Wehren half letztendlich nichts: auch Schwanau ist nun offiziell in Narrenhand.
Der Rathaussturm
Die historischen Wurzeln des traditionellen Brauchs gehen auf das Mittelalter zurück, als die Karnevalisten von ihren Ratsherren zu Festessen eingeladen wurden. Daraus entwickelte sich dann die Bedeutung, die er heute noch hat: Der Rathaussturm symbolisiert die Entmachtung des Bürgermeisters und den Beginn der närrischen Zeit.