Franziska Zepf mit Arved Fuchs Foto: Fuchs/Expedition

Legendär ist sein Marsch zum Südpol mit Reinhold Messner 1989. Die Rede ist von Arved Fuchs, einem der bekanntesten Abenteurer unserer Zeit. Wenn der 68-Jährige am Donnerstag wieder in See sticht, wird auch eine junge Wissenschaftlerin aus Dornstetten Teil der Crew sein: Franziska Zepf. Wir haben mit ihr über die Expedition gesprochen.

Kiel/Dornstetten-Aach - Zusammen mit Fuchs und seiner Ehefrau Brigitte bildet die 22-jährige Geowissenschaftlerin das Kernteam der diesjährigen "Ocean Change"-Expedition. Die auf mehrere Jahre angelegte Expeditionsreihe untersucht die Auswirkungen des Klimawandels auf die Weltmeere. Schwerpunkt diesmal: Die Erforschung und Dokumentation der Veränderungen in den polaren Ausläufern des Golfstroms. Von Kiel aus geht es zunächst in den Nordatlantik Richtung Island, an die Ostküste Grönlands, um Kap Farvel herum und weiter an die Küste von Baffin Islands und Labrador.

 

Frau Zepf, zum Zeitpunkt unseres Interviews sind es nur noch wenige Stunden, bis Sie in See stechen. Was überwiegt? Die Vorfreude oder die Aufregung?

Ganz klar die Vorfreude. Ich bin ja schon seit einigen Tagen an Bord und war auch bei der Überführung des Schiffs von Flensburg nach Kiel dabei. Jetzt kenne ich die Abläufe.

Wie waren die ersten Tage auf der Dagmar Aaen?

Richtig cool! Es hat total Spaß gemacht. Bis Island werde ich den Smut machen. Also für die ganze Mannschaft kochen. Da habe ich mir schon etwas Gedanken gemacht, ob ich das hinbekomme, für zehn Leute bei Seegang Essen zu machen. Das haben wir die letzten Tage geübt. Jetzt gehe ich da entspannter ran.

Sie werden dreieinhalb Monate an Bord der Dagmar Aaen sein. Auf einem umgebauten Haikutter aus den 1930er Jahren. Das klingt nach Abenteuer. Aber auch nach wenig Komfort und persönlichem Freiraum - läuft man da als Crew nicht Gefahr, sich gegenseitig auf die Nerven zu fallen?

Da habe ich keine Sorge. Erstens hat Arved Fuchs ein extrem gutes Händchen für die Auswahl der Crew. Das passt von der menschlichen Seite her immer gut. Und dann bin ich über meine Pfadfinderarbeit immer viel mit unterschiedlichsten Menschen in Kontakt gekommen. Ich habe keine Berührungsängste.

Was sicher kein Schaden ist, wenn man mit einer so bekannten Persönlichkeit wie Arved Fuchs auf Expedition geht?

Der Promi-Faktor ist im Alltag überhaupt kein Thema. Arved Fuchs ist ein sehr offener und zugänglicher Mensch. Die Zusammenarbeit mit ihm ist völlig entspannt. Man merkt allerdings schon, dass es ein Privileg ist, mit ihm unterwegs zu sein. Aber mehr durch das öffentliche und mediale Interesse. Er selber lässt einen das nicht spüren.

Wie kommt man an einen Platz auf der Dagmar Aaen?

Man bewirbt sich einfach. Zahlen muss man für die Teilnahme an einer Expedition nichts, das läuft nach dem Motto "Hand gegen Koje". Man stellt seine Arbeitskraft zur Verfügung und bekommt dafür einen Platz an Bord.

In meinem Fall kam der Kontakt über einen gemeinsamen Bekannten zustande. Als das Angebot kam, habe ich keine Sekunde gezögert. Ich hätte nie gedacht, dass ich so was mal machen werde. Aber die Expedition passt perfekt in die Lücke zwischen meinem Bachelorabschluss und dem Master. Ende September kehre ich nach Deutschland zurück und beginne in Stuttgart mein Masterstudium in Earth and Climate System Sience.

Apropos Platz an Bord. Der ist sicher begrenzt. Wie viel Gepäck darf pro Kopf mit?

Ich habe einen riesigen Seesack vollgepackt und hatte tatsächlich Angst, ob der auch in mein Schränkchen passt. Aber das war dann gar kein Problem. Im Grunde läuft es so, dass man Kleidung für eine Woche einpackt. Was in einen großen Rucksack passt, hat auch Platz an Bord. Wenn man in einem Hafen liegt, wird gewaschen.

Sie werden auf der Expedition ein Forschungsprojekt der Universität Oldenburg betreuen. Was genau machen Sie?

Ich bestimme die Wasserfarbe. Über die Wasserfarbe lässt sich ermitteln, wie hoch der Anteil an Schwebeteilchen - beispielsweise Plankton - im Wasser ist. ich mache das einmal nach der klassischen Methode: Mit Secchi-Scheibe und Forel-Ule-Skala. Diese Methode gibt es schon seit über 100 Jahren, entsprechend gut ist die Datenbasis. Da kann man gut vergleichen, was sich im Lauf der Jahrzehnte verändert hat.

Dann kommt noch eine App zum Einsatz. Man macht ein Foto, anhand dessen manuell und durch einen Algorithmus die Farbe bestimmt wird. Die App kann man auch nutzen, wenn man fährt. Die klassische Methode nur, wenn man steht, da man die Secchi-Scheibe ins Wasser lassen muss. Ein weiterer Vorteil der App ist, dass sie als "Citicen Science"- Projekt auch von Laien genutzt werden kann.

Bislang waren Sie eher zu Lande als zu Wasser unterwegs. Sind Sie auch seefest?

Das ist tatsächlich meine einzige Sorge: Seekrank zu werden. Aber ich habe schon gute Tipps bekommen. Es gibt Pflaster, die man sich hinter das Ohr kleben kann und die ganz gut wirken sollen. Das werde ich im Fall der Fälle dann mal austesten. (lacht)

Info:

Alle aktuellen Messungen und Daten der Fahrt der Expedition - inklusive Berichten, Videos und einem Podcast. - unter beluga.geomar.de/ocean-change-2021 und arved-fuchs.de