Norbert Unterricker (rechts) hilft beim Entfernen der Mistelzweige von den Obstbäumen. Foto: Norbert Unterricker

Die immergrünen Misteln auf Obstbäumen wirken idyllisch, doch sie schaden den Bäumen nachhaltig. Der Obst- und Gartenbauverein entfernt die Schmarotzer daher regelmäßig und gibt sie Ende November an die Bevölkerung ab.

Während die meisten Bäume in der kalten Jahreszeit kahl wirken, gibt es doch einige, die auch im Winter grün erstrahlen – und das wegen zahlreicher kugeliger Gewächse, den Misteln. Doch was für den Betrachter malerisch wirkt, kann für die Bäume zum Problem werden.

 

Deshalb schaden Misteln den Obstbäumen:

Um den Befall von Obstbäumen mit Misteln einzudämmen, entfernt der Obst- und Gartenbauverein (OGV) Thanheim die Schmarotzer zwei Mal im Jahr auf der Streuobstwiese am Ebersberg, so auch Ende November.

Norbert Unterricker, Schriftführer beim OGV, erklärt, dass die Misteln den Obstbäumen auf Dauer schaden und sie sogar absterben lassen können. So werden vor allem ältere Bäume befallen, auf denen die weißen Beeren der Mistel kleben bleiben, keimen und sich anschließend in den Baum bohren: „Die Mistel bildet ihre Pfahlwurzel und bedient sich am Wasser und den Nährstoffen des Baumes.“

Darauf achtet der OGV beim Entfernen der Misteln:

Das schwäche das Obstgehölz, weswegen das Landratsamt fordere, die Misteln von den Bäumen zu holen, so Unterricker. Wichtig dabei: Die betroffenen Äste des Obstbaumes so weit entfernen, dass sich keine Mistel-Wurzel mehr im Baum befindet. Kein leichtes Unterfangen, befinden sich oft mehr als 30 Schmarotzer an einem Baum, wie Unterricker schildert.

Mistelzweige werden an Bevölkerung abgegeben:

So werden beim nächsten Mistelschnitt etwa 100 Misteln zusammenkommen. Gegen eine Spende können Bürger diese erwerben, immerhin seien sie auch ein Weihnachtssymbol. Unterricker sagt dazu: „Die Zweige werden – je nach Brauch – über den Hauseingang gehängt.“

So bleiben die Misteln möglichst lange frisch:

Dass die Misteln lange unverändert aussehen, erledige der kalte Winter, so Unterricker. Sei es kalt, verändere sich der Zweig kaum und halte sich ohne Wasser bis in den Januar herein. Nur, wenn die Temperatur zu hoch sei, verändere sich die Farbe der Mistel ein wenig, berichtet er.

Diese Neuerung gibt es für das Sammeln von Misteln:

Schon seit seiner Gründung 2010 entfernt der OGV Thanheim Misteln auf seinen Streuobstwiesen, seit einigen Jahren verkauft er sie anschließend. Bisher konnten die Misteln von den Obstbäumen einfach so entfernt werden, nun sei eine naturschutzrechtliche Erlaubnis dafür erforderlich. Ein Widerspruch, findet Unterricker, schließlich müssen die Misteln regelmäßig entfernt werden, um die Bäume zu erhalten.

Die Naturschutzbehörde des Landratsamts klärt jedoch auf: „In der Vergangenheit waren die Misteln eher selten.“ Nun seien vermehrt Obstbäume betroffen, weswegen die Mistel erst neuerdings als Schädling angesehen werde. Im Zuge dessen müssen nun Anträge auf deren Entfernung gestellt werden, allerdings nur, wenn größere Mengen entnommen werden. Das sehe das Naturschutzgesetz vor, so die Behörde. Außerdem sei die Ernte der Misteln nicht auf eine bestimmte Menge beschränkt.

Darum dürfen Misteln nicht einfach so entfernt werden:

Norbert Unterricker weist zudem darauf hin, dass Privatpersonen Misteln nicht einfach so sammeln dürfen – auch wenn diese nicht unter Naturschutz stünden. Dennoch sei es Diebstahl, die Misteln von Bäumen zu entfernen, die anderen Bürgern, dem OGV oder der Gemeinde gehörten.

Hier gibt es Mistelzweige

Mistelschnitt
 Die Misteln werden vom OGV Thanheim am Samstag, 23. November, ab 9 Uhr auf der Streuobstwiese am Ebersberg entfernt.

Verkauf
 Gegen eine Spende können Bürger die Mistelzweige am Samstag, 30. November, erwerben. Die Aktion findet von 11 bis 14 Uhr hinter dem Thanheimer Schul- und Feuerwehrhaus statt, es gibt Rote Würste und Glühwein.